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Oranienwerk
„Traumschüff“ thematisiert das Ende des Kaltwalzwerkes

Klaus D. Grote / 27.06.2018, 18:58 Uhr - Aktualisiert 27.06.2018, 19:35
Oranienburg (MOZ) Die Kreisstadt hat endlich ein Theater. Und am Freitag gibt es sogar eine Premiere. Auf dem Wasser. Denn das „Traumschüff“ hat festgemacht. Direkt hinterm Oranienwerk, am Ufer des Oranienburger Kanals.

Das Live-Hörspiel von Nikola Schmidt erzählt eine Geschichte, wie sie viele Oranienburger so oder so ähnlich wohl selbst erlebt haben. Innerhalb von nur 15 Minuten wird ein Betrieb mit 1 200 Mitarbeitern mal eben so von der Treuhand abgewickelt. „Nicht wettbewerbsfähig“, lautet es lapidar, die Beschäftigten werden in die Arbeitslosigkeit verabschiedet. „Treue Hände“ heißt der zweite Teil eines Live-Hörspiels, das auf Oranienburg und das Kaltwalzwerk zugeschnitten ist. Teil 1 beschäftigte sich mit der Abwicklung des Chemiefaserwerks ins Premnitz, wo das „Traumschüff“ zuerst festgemacht hatte.

„Wir wollen die Geschichte mit den Protagonisten weitererzählen“, sagt Myriam Oosterkamp, schließlich gebe es an jedem Spielort Erfahrungen mit ähnlichen Geschichten. Für die Theatercrew war die turbulente Nachwendezeit neu, die Beteiligten wurden um 1990 geboren. „Uns war gar nicht klar, was da alles passiert ist. Wir haben uns auch gefragt, warum die Leute sich so über den Tisch haben ziehen lassen“, sagt Myriam Oosterkamp. Auf der Bühne gibt es Erklärungen. Und Erinnerungen. Verklärt wird nichts, eher schonungslos aufgearbeitet. Der Treuhand-Manager ist aus dem Westen und ein Arschloch. Der Ost-Lehrer ist ein Träumer, der an den alten Idealen hängt. Es geht um Ängste und Hoffnungen im neuen Staat.

Die Autorin und die anderen Theaterleute führten Gespräche und Interviews mit ehemaligen Werksbeschäftigten. Herausgekommen ist eine authentische Erzählung, in deren Mittelpunkt ein Paar steht, das mit den gesellschaftlichen Veränderungen unterschiedlich umgeht. Wird ihre Beziehung dem Druck standhalten?

Die freundliche Crew vom „Theaterschüff“ machte bereits am Montag an der Kremmener Straße fest und lud abends zum Kennenlernen bei Schmalzstullen ein. Nach dem Freisingen mit dem Oranienwerk am Dienstag gab es viele Gespräche, der ehemalige Bürgermeister Hans-Joachim Laesicke berichtete vom Verkauf des im Wettbewerb chancenlos gewordenen Kaltwalzwerks. Nach der Premiere des Live-Hörspiels „Treue Hände“ am Freitag um 19 Uhr wird das Stück am Sonnabend um 19 Uhr aufgeführt, anschließend gibt es am Kanalufer Live-Musik. Die letzte Aufführung ist am Sonntag um 15 Uhr. Danach fährt das „Traumschüff“ weiter nach Zehdenick, dort gibt es vom 3. bis 7. Juli Programm, aufgeführt wird das Stück „Bibergeil“. Vom 10. bis 13. Juli liegt das Theaterschiff am Stadthafen in Liebenwalde. „Treue Hände“ und Live-Musik sind dort am 13. Juli ab 19 Uhr zu hören. Vom 17. bis 22. Juli macht das Traumschüff in Fürstenberg an der Alten Reederei fest. Dort werden „Bibergeil“ und „Treue Hände“ aufgeführt. Kommendes Jahr soll es ein Wiedersehen geben. „Wir wollen, dass das Traumschüff an jeden Ort in jedem Jahr wieder kommt“, sagt Myriam Oosterkamp. Eine verheißungsvolle Aussicht für den Sommer am Fluss.

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