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Tourismus
Hochsaison am Schlosshafen

Jana Reimann-Grohs / 21.07.2018, 14:00 Uhr
Oranienburg (MOZ) Während gerade die ältere Generation unabhängig im Wohnmobil durch Europa tourt, ist dieser Trend in den letzten acht bis zehn Jahren auch in Oranienburg spürbar geworden. Die Stellplätze an der durchfließenden Havel, in Schlossnähe und unweit der Hauptstadt sind beliebter denn je.

Seit Anfang des Jahres begrüßt der gebürtige Rostocker Thomas Ahrens in Oranienburg Schlosshafengäste und Durchreisende mit einem „Moin, wie kann ich helfen?“. Zuvor war der gelernte Reederei-Koch als Operator im Rostocker Überseehafen tätig. Er stand in ständigem Funkkontakt mit Schiffen und koordinierte deren Abläufe.

Nun gibt es ein Fenster an seinem Büro, aus dem er direkt zu Leuten spricht oder über sein Diensttelefon Anfragen für Stell- oder Bootsliegeplätze entgegennimmt.  „Esmacht mir Spaß, mit den Menschen zu sprechen – man lernt viele neue Leute und Geschichten kennen“, sagt er. Von Montag bis Sonntag ist Thomas Ahrens für alle da: Wohnmobile, die an der Schranke stehen, oder Yachten, Motorboote und Kanus, die alle am Schlosshafen bleiben wollen. Dass Hafen und Reisemobilstellplatz über Mund-zu-Mund-Propaganda weiterempfohlen werden, sei sehr typisch. Es gäbe aber keine Reservierungen, räumt der 43-Jährige ein. Er bemühe sich dennoch, niemanden wegzuschicken. „Wenn alle glücklich abreisen, freut mich das auch.“

Auch jetzt in der Hochsaison, wo das Telefon im Minutentakt klingelt und der Hafenmeister ständig auf dem Gelände des Servicehafens unterwegs ist, tut er alles, um seine Gäste zufriedenzustellen. Zur Not lege er die Boote auch mal hinter- und nebeneinander „im Päckchen“ an, erzählt Ahrens. Es sei „sehr schnelllebig“ am Schlosshafen, sagt er – „die Leute bleiben ja in der Regel nur ein bis zwei Tage“. Die Meisten kämen erst „im Laufe des Tages“,  ab 18 Uhr gehe es so richtig los. Bezahlt werde in der Regel für einen Tag und dann würden die Gäste am nächsten Tag verlängern, weil sie „es hier so schön finden“, berichtet Ahrens. „Wir waren nicht das letzte Mal hier“, „prima Service“ oder „wir machen in Bayern Reklame“ schrieben Besucher ins ausliegende Gästebuch ein.

Wolfgang und Monika Lohs aus Berlin-Zehlendorf sind mit ihrem Wohnmobil schon seit Jahren Dauergäste. Eigentlich hatte das Ehepaar damals zur Ostsee in den Sommerurlaub fahren wollen. Durch einen Stau auf der Autobahn und die Titelseite einer Wohnmobilzeitschrift, wo der Schlosshafen abgebildet war, seien sie hier zum Zwischenstopp gelandet. Aus einer Nacht und Gesprächen mit netten Leuten wäre dann „ein ganzer Urlaub geworden“, nur 50 Kilometer von zu Hause entfernt, berichten die Wohnmobil-Fans. 30 Jahre lang bereiste Familie Lohs vor allem Südeuropa. Wolfgang Lohs hat sich bereits das sechste Reisemobil angeschafft. Für den ehemaligen Busfahrer werde es jedoch „immer umständlicher“, sagt er, „weite Strecken zu fahren“. Auch deshalb stehen sie gerne hier.

Mit dem alten Hafenmeister haben die Lohs’ noch Kontakt, er hat sie wohl nach Schweden in seine neue Heimat eingeladen – bisher konnten sie sich „noch nicht dazu durchringen“, erzählen die Rentner. Die beiden lieben ihre Freiheit, „jederzeit woanders hinfahren“ zu können. Wohin es in den Urlaub gehe, entscheiden sie „nach Lust und Laune“. Dennoch verbringen Wolfgang und Monika Lohs mehrere Wochen im Jahr auf diesem Stellplatz, sind jetzt schon seit drei Wochen da.

„Wir könnten ja jederzeit woanders hin“, erzählt die 70-Jährige, „aber momentan gefällt es uns in Oranienburg sehr gut“. Sie kennen „hier jeden und alles“, sagt der 64-Jährige. Es fehle an nichts. Zwischendurch komme mal die Tochter mit Enkelkind zu Besuch – da gehe es in den „schönen Schlosspark“ oder Wolfgang Lohs fahre mal zum Arzt nach Berlin rein und entleere zuhause die Post. Monika Lohs gefällt es, dass auch Spaziergänger an ihrem Stellplatz vorbeilaufen können und freundlich grüßen – woanders gäbe es das nicht, betont sie.

In Ausnahmefällen käme hier auch mal ein Caravan vorbei, bestätigt Jürgen Höhn, Geschäftsführer der ansässigen Tourismus- und Kulturgesellschaft (TKO). Sein Büro befindet sich in unmittelbarer Nähe der Hafenmeisterei. In erster Linie seien es aber sogenannte Wohnmobilisten, die gerne nach Oranienburg kommen und am Schlosshafen Urlaub machen. Es existiere eine riesengroße Gemeinde, die über Apps und Telefon miteinander verbunden ist. Der Hafenmeister erstellt eine Statistik über die Auslastung der Stellplätze. Pro Wohnmobil wird mit zwei Personen gerechnet und festgehalten, woher die Leute kommen. Demnach stammt der Hauptteil der Gäste aus Deutschland – verstärkt aus Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und dem sächsischen Raum. Aber auch Österreich, die Schweiz, Belgien, Norwegen und Holland sind hier vertreten.

Die TKO betreibt das Gelände mit 82 Bootsliegeplätzen und 26 Stellplätzen für Reisemobile seit 2011. Bis 2017 habe sich der jährliche Umsatz von 15 000 Euro zu 100 000 Euro entwickelt, so Höhn. Die wirtschaftlich selbstständige Einheit trage sich „mittlerweile fast selbst“. Sie ist mehrfach ausgezeichnet worden. „Jetzt gehören wir zu den Top 100 in Deutschland“. Viele nutzen die „ruhige, aber zentral angebundene Lage“, erzählt der Geschäftsführer weiter. Dazu käme die wasserreiche Umgebung mit dem Oranienburger Schloss und Park.

„Wir sind jetzt zu unseren Hauptzeiten an den Grenzen der Kapazität angelangt“, schätzt Jürgen Höhn die derzeitige Lage ein. Dennoch sei jeder Durchreisende willkommen, betont er. Niemand stehe „vor einer verschlossenen Schranke.“ Wer spät in der Nacht ankomme, könne über ein Tally-Card-System am Automaten einchecken und die Anlagen mit Strom, Wasser und Duschen nutzen. Über die Feiertage wäre es jedoch ratsam, sich vorher beim Hafenmeister anzumelden, sodass entsprechend Platz freigeräumt werden kann. Eine größere Gruppe von Wohnmobilen könnte so zusammenstehend untergebracht werden, erklärt Höhn weiter.

82 Liegeplätze, 26 Stellplätze für Reisemobile

Mit der Tally-Card gibt es beim Schlosspark-Eintritt ein Euro Ermäßigung.

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