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Festival
Punks feiern drei Tage bei „Resist to Exist“

Burkhard Keeve / 05.08.2018, 18:43 Uhr
Kremmen (MOZ) Die Hitze dröhnt. Lauter als die Musik sogar. Schattenplätze sind rar. So sitzen die meisten Besucher des Punkfestivals „Resist to Exist“ in Kremmen am Sonnabendnachmittag auf dem Boden. Quatschen, dösen oder erfrischen sich mit Wasserpistolen gegenseitig.

Gelegenheit zum Aufstehen und Abgehen haben sie bis Sonntagnacht noch genug. Insgesamt 40 Bands haben sich angekündigt, um die trockene Weide am Oranienburger Weg von Landwirt Christoph Brunner zu beschallen. Das Gelände liegt weit genug von Kremmen entfernt. Wirklich gestört muss sich niemand fühlen. Die computergesteuerte Lautstärke tut ihr Übriges dazu.

Vor 15 Jahren nahm das Punk-Festival als Protestveranstaltung im Biesdorfer Schlosspark in Berlin-Marzahn seinen Anfang. Das Fest sieht sich nicht als politische Plattform. Es soll viel mehr ein Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit, Sexismus, Homophobie und Diskriminierung gesetzt werden. Auf dem Gelände gibt es Stände, an denen T-Shirts der Bands, Platten, Sticker und Rückenaufnäher verkauft werden mit klaren Ansagen: „FCK NZS“ oder „Love sex, hate sexism“.

Gecampt wird in Zelten und Wohnmobilen aller Art. Alles sieht aus wie ein normaler Campingplatz. Man ist unter sich, hockt auf Hockern oder Bierkisten, die Atmosphäre ist entspannt. Bloß Fotos machen finden sie gar nicht gut. Auch seinen vollständigen Namen will niemand preisgeben. So wie Jenny und Maren aus Berlin. Sie sagen das ganz freundlich. Sie wollen nicht im Datendschungel des Internets auftauchen. Maren, schwarzer Rock, schwarzes T-Shirt, Nase gepierct, ist „seit 17 Jahren Vollblut-Punkerin“.

Bei „Resist to Exist“ ist sie jetzt zum fünften Mal. Sie könnte für ein typisches Beispiel der heutigen Punker-Szene stehen. Freundlich, weltoffen und kritisch dem System gegenüber. Das Äußere ist nicht mehr das Allerwichtigste, sagt sie. „Es geht uns um Subkultur, Musik und einen eigenen Freiraum“, erläutert Maren. Auf dem Festival finde sie das alles. Deswegen liebe sie solche Veranstaltungen. In Berlin studiert sie Unternehmensmangement und ist zudem selbstständig. Sie hat einen Online-Shop für veganes Essen. „Auch wir sind im Kapitalismus angekommen“, sagt sie und lacht. Vereinzelt tauchen Punks auf wie aus vergangenen Zeiten. Als sie noch als Bürgerschreck galten – mit riesiger Haarpracht und Nietenjacken.

Was auffällt und von zwei Punks aus Kassel gelobt wird, ist die gute Organisation des dreitägigen Events. „Ich fühle mich hier gut aufgehoben, man hilft sich gegenseitig, geht rücksichtsvoll miteinander um“, sagt Steffi.

Auf der Bühne liefert die Berliner Band „Bei Bedarf“ bei 35 Grad Celsius eine gute Show ab. Etliche singen ihre Texte mit. Doch so richtig Bewegung kommt vor der Bühne erst in die Zuhörer, als ein Ordner einen Wasserschlauch nimmt und auf die hitzemüden Menschen richtet. Dankbar lassen sie sich abspritzen.

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