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Jugend-Workshop
Eine Performance ist Teil der Erinnerungsarbeit

Wolfgang Gumprich / 09.08.2018, 20:37 Uhr
Ravensbrück Zu einem „Melting Pot“, in einen Schmelztiegel der ganz besonderen Art, verwandelte sich in dieser Woche sie Gedenkstätte Ravensbrück: Der Ort der Erinnerung wurde zu einem Ort der Begegnung – eine Begegnung der Generationen und eine Begegnung der Länder und Kulturen.

Das Ergebnis dieser „Schmelze“ wurde am Donnerstagmorgen am Schwedtsee als eine Performance präsentiert. „Sound in the Silence“ nannte sie sich, Der Klang in der Stille. Dabei geht es um neue Formen der Erinnerungsarbeit, erklärt der künstlerische Leiter, Dan Wolf, wenn es immer weniger Zeitzeugen gibt und Jugendliche in ihrer Lebenswelt anders auf die Vergangenheit angesprochen werden. So entwickelte er das Projekt, in dem er Jugendlichen einen individuellen und emphatischen Zugang zur Geschichte an historischen Orten verschafft.

Was bietet sich da besser an als die Gedenkstätte Ravensbrück? Hier nahmen zwei internationale Workcamps an diesem Projekt teil. „Eigentlich helfen die Jugendlichen aus unserem Camp im Garten mit, sie unterstützen die Gärtner, zupfen Unkraut, pflegen die Beete“, schildert Gruppensprecherin  Ines Düvel den üblichen Tagesablauf. In ihrer Gruppe kommen die Teilnehmer aus Polen, Afghanistan, Mexiko, USA, Russland, die, so hat es Ines beobachtet, immer aufmerksamer und nachdenklicher bei ihrer Arbeit wurden, je mehr sie über die Geschichte Ravensbrück erfuhren.

Elisa (22) aus Florenz ist ausgebildete Posaunistin und war insbesondere wegen der Musik gekommen. Aber auch sie überkam im Verlauf des Workcamps „tanti emozioni“. Die eigentliche Performance mit Dan Wolf wurde an drei Tagen in Workshops entwickelt. „Die Ideen kamen alle von den Jugendlichen“, schildert Ines Düvel die Arbeit, „die Künstler gaben nur einen Impuls“. Am beeindruckendsten waren für alle Teilnehmer die Gespräche mit vier überlebenden Frauen aus dem Lager Ravensbrück. Batsheva Dagan, Selma von de Perre, Judit Varga Hoffmann sowie Emmi Arbel saßen dann am Donnerstag in der ersten Reihe, umringt von Fernsehkameras, um die Performance zu verfolgen. Auf einem Teppich an Geräuschen wie Schritte auf Kies, Wind und Stimmfetzen bewegten sich die jungen Männer und Frauen synchron, tanzten zu zweit, in Gruppen bis sie zum Schluss gemeinsam in die Botschaft einfielen: Testify your voice (Gib Zeugnis mit deiner Stimme ab). Batsheva Dagan sprach einen kurzen Text, in dem sie die Jugendlichen aufforderte, nicht zu vergessen und immer wieder daran zu erinnern.

Das Workcamp in der Gedenkstätte, so hat Ines Düvel beobachtet, hat die Jugendlichen sehr verändert. Hatte sie zunächst befürchtet, es sei ständig „Party-Time“ angesagt, so blieb es an allen Abenden recht ruhig. „Zum Schwimmen sind sie eine halbe Stunde gelaufen, in den See direkt an der Gedenkstätte sind sie nicht gegangen. Aus Respekt“, sagte Ines Düvel zum Abschluss.

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