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Nachruf
Trauer um Ursula Püschel

Ursula Püschel lebte und arbeitete viele Jahre in Oberhavel.
Ursula Püschel lebte und arbeitete viele Jahre in Oberhavel. © Foto: Thomas Keck
Heike Weißapfel / 13.08.2018, 17:45 Uhr
Hohen Neuendorf (MOZ) Ihre Worte setzte sie immer präzise und gut überlegt. Ihre Ansichten wirkten stets durchdacht, und sie verstand es auch, sich bei ihren Gesprächspartnern Gehör zu verschaffen. Jetzt ist Dr. Ursula Püschel im Alter von 88 Jahren gestorben.

Im Arbeitszimmer der hochgebildeten Frau reihte sich Buchrücken an Buchrücken, und wenn sie sprach, war sofort klar, dass sie gerade nur einen Bruchteil ihres Wissen auf diesem Gebiet aus dem Gedächtnis abrief. Oft fällt Ursula Püschels Name im Zusammenhang mit der Schriftstellerin Bettina von Arnim. Denn mit dieser politischen und literarischen Persönlichkeit des 19. Jahrhunderts hat sie sich mehr als ihr halbes Leben lang intensiv beschäftigt. 1954 gab Professor Alfred Kantorowicz der jungen Germanistikstudentin einen Auftrag, sich mit der 1785 geborenen Bettina von Arnim zu befassen. Das tat Ursula Püschel, und sie widmete sich mit offenbar immer größerer Begeisterung der musisch geprägten Familie von Arnim im Allgemeinen und Bettina im Besonderen. Sie näherte sich ihr immer unter neuen Aspekten an, wobei ihr das gesellschaftliche Umfeld und die Lebensumstände ebenso wichtig waren wie literarische Qualitäten. Ursula Püschel promovierte 1962 an der Berliner Humboldt Universität über Bettina von Arnims politische Schriften, und in der Folge gab sie unter anderem den Briefwechsel zwischen Bettina von Arnim und Friedrich Wilhelm IV. heraus.  Noch zu DDR-Zeiten wurde sie 1989  Mitglied der Bettina-von-Arnim-Gesellschaft, die Schriften herausgibt. Einer der Bände, der 1996/97 erschien, ist eine Festschrift für Dr. Ursula Püschel.

Überhaupt sind es die Autorinnen, die es Ursula Püschel in ihrer Arbeit angetan hatten. Die Germanistin schrieb  zahlreiche Literaturkritiken über Werke von Frauen. Beim „Deutschlandsender“ bekam sie in der DDR die Möglichkeit, auch zeitgenössische westdeutsche Schriftstellerinnen – unter anderem die Dichterin Ingeborg Bachmann – zu besprechen. Viele Jahre hat sie für Theater und Rundfunk gearbeitet. Das Leben in fernen Ländern interessierte Ursula Püschel aber auch. So schrieb sie ein Buch über Mosambik sowie Texte über arabische und afrikanische Literatur.

Nach 1990 ist ihr die Bewahrung des literarischen Erbes von Anna Seghers und Irmtraut Morgner besonders wichtig gewesen, schreibt Angelika Stobinski vom Kulturkreis über sie. Der Kulturkreis trauert um sie. 1930 in Töpchin (Mittenwalde) geboren, lebte und arbeitete Ursula Püschel viele Jahre in Berlin. Im Jahr 2000 zog sie nach Kremmen und einige Jahre später nach Hohen Neuendorf um. Körperlich war sie längere Zeit schon nicht gesund, doch so oft sie konnte, war die Literaturwissenschaftlerin bei ausgewählten Veranstaltungen des Hohen Neuendorfer Kulturkreises zu Gast. Es sah manchmal ungemütlich, sogar schmerzhaft aus, wenn sie sich im Rollstuhl zurechtruckelte, aber sie hielt durch und konzentrierte sich auf Vortrag oder Musik.

Als einen „aufmerksamen und vielseitig interessierten Geist“ hat Angelika Stobinski sie erlebt. Ihren „verständnisvollen, kritischen und solidarischen Blick über den Tellerrand“, der Ursula Püschel selbst verständlich gewesen sei, hat sie in einem Aufsatz der „Hohen Neuendorfer Hefte“ im vergangenen Jahr zum Ausdruck gebracht.

Am Freitag ist Ursula Püschel gestorben. Sie hinterlässt ihren Lebensgefährten.

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