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Musiktalent
Saskia Pauli: Auf dem Weg zur Jazz-Sängerin

Im manchmal verkopften Musikgenre Jazz fühlt sie sich wohl: Saskia Pauli aus Schwante hat schon früh Freundschaft mit der Musik geschlossen. Das Klavierspiel brachte sie sich selbst bei.
Im manchmal verkopften Musikgenre Jazz fühlt sie sich wohl: Saskia Pauli aus Schwante hat schon früh Freundschaft mit der Musik geschlossen. Das Klavierspiel brachte sie sich selbst bei. © Foto: Marco Winkler
Marco Winkler / 14.09.2018, 09:30 Uhr - Aktualisiert 14.09.2018, 14:25
Schwante (MOZ) Irgendwann hat Saskia Pauli gemerkt, dass ihr die einst so heiß geliebte Welt der Musicals zu aufgesetzt, zu überspitzt, zu dramatisch ist. Im ernsteren, weniger weich gespülten Jazz fand sie ihre Erfüllung. Am 15. September wird die angehende Musik-Studentin aus Schwante in der Kulturschmiede Teil der Konzert-Reihe „Junge Talente in der Schmiede“ sein.

Zum Gespräch kommt die 19-Jährige in die Hennigsdorfer Redaktion. „Schon in der zweiten Klasse habe ich im Schulchor gesungen“, erzählt sie gleich drauflos. Damals ging sie auf die Montessori-Schule in Neuruppin. Ihre erste große Rolle ergatterte sie in der dritten Klasse im Musical „Vier-Farben-Land“: Blau, rot, gelb, grün: Vier Sektoren, die alle ihre abgesteckten Reviere haben. „Ich habe Erbsi gespielt, die die Grenzen auflösen und alles bunt haben wollte.“

Erbsi markierte den Anfang für Saskia Pauli. Sie nahm Gesangsunterricht, sang im Schulchor, war in der Jugendkunstschule Neuruppin, spielte immer wieder in Musicals mit. Als Elfjährige gehörte sie zum Nachwuchs-Kader des Berliner Friedrichstadtpalastes.

Im Gespräch wirkt es, als hätte sie ihren Lebenslauf immer parat. Sie rattert ihn zwar nicht herunter. Aber sie versucht, keine Station auszulassen. Stolz? Vielleicht. 2012 gehörte sie zu den Gründungsmitgliedern des Oranienburger Chores Orange Voices. Chorleiterin Suzy Bartelt suchte damals Workshop-Teilnehmer. Saskia Pauli und ihre Mutter gingen hin. „Wir waren so um die zehn Leute, die beschlossen, sich wöchentlich zu treffen“, so Saskia Pauli über die Anfänge des Chores, dem sie mittlerweile nicht mehr angehört.

Dafür singt sie seit Oktober vorigen Jahres im geförderten Jazz- und Popmusikchor Young Voices Brandenburg. „Unsere Premiere hatten wir in der Deutschen Oper Berlin“. Den Musicals ist sie längst entwachsen: „Ich will selbst künstlerisch tätig sein und in keine Rolle gedrängt werden.“ Der künstlerische Aspekt, der Tanz, Musik und Schauspiel verbindet, habe ihr einstmals gefallen. „Mittlerweile habe ich so viele eigene Gedanken, ein richtiges Chaos im Kopf.“ Das will sie selbstbestimmt loswerden. Wann immer es sie drängt, greift sie zu Stift und Papier, um das Chaos zu bannen. Ihre eigenen Songs verfasst sie auf Englisch. „Seit meinem Auslandsjahr in Kanada lässt mich der Vibe der Sprache nicht los.“

Nach ihrem Abitur im kommenden Jahr am Oranienburger Oberstufenzentrum will sie Jazz-Gesang studieren. Doch die Plätze sind begrenzt. Um angenommen zu werden, macht sie in Berlin-Köpenick eine studienvorbereitende Ausbildung, die Gesangs- mit Theorieunterricht verbindet. Das Ziel hat sie klar vor Augen. „Ich bin deshalb nach Berlin gezogen.“

Vorbilder? Gibt es für Saskia Pauli bis auf Ella Fitzgerald kaum. Céline Rudolph, die an der Hochschule für Musik in Dresden lehrt, gefalle ihr. Bei ihr hatte die Schwantenerin schon Unterricht. „Sie inspiriert mich“, sagt Saskia Pauli über die deutsch-französische Trägerin des Echo-Jazz-Preises. „Sie erzählt Geschichten, bei denen man immer gespannt ist, was als nächstes kommt.“ Und ihr Scat-Gesang (Improvisationen) sei großartig.

In Schwante wird die junge Musikerin eigene Texte präsentieren – und sich selbst begleiten. „Das Klavierspielen habe ich mir auf einem Keyboard beigebracht, da war ich zehn Jahre.“ Ihre Musik entstehe durch Reibung. „Ich kann keine glücklichen Sachen schreiben, da gibt es keinen Konflikt.“ Ihr künstlerischer Antrieb sind oft Wut oder Traurigkeit. „Ich brauche etwas, das knatscht.“ Deshalb sei sie kein Popmusik-Fan. Das Radio im Auto bleibt meist aus und weicht einer Jazz-CD. „Popmusik hat oft keine Seele“, sagt die 19-Jährige.

Die Veranstaltung „Neue Talente in der Schmiede“ beginnt am Sonnabend um 19 Uhr. Neben Saskia Pauli treten auf: Lehrerin Cornelia Tom aus Oranienburg, Goldschmiedin Anja Theres Focking aus Hennigsdorf, Katharina aus Sommerfeld mit dem Oranienburger Jannick sowie Schüler Vincent aus Schwante. Der Eintritt kostet zehn Euro. Karten gibt es an der Abendkasse.

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