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Havelschule
Mehr Spaß in der Hofpause

Jana Reimann-Grohs / 14.09.2018, 12:30 Uhr
Oranienburg (MOZ) Jetzt wird zusammen gespielt! – Die Havelschule möchte keine Kinder mehr auf ihrem Schulhof sehen, die auf Tischtennisplatten turnen oder raufen. Es wurden Spielgeräte angeschafft, mit denen sich in der Hofpause ausreichend Bewegung und Spaß finden lässt.

Bei mehreren Klassenstufen in der Pause entsteht zwangsläufig Lärm: Jungen und Mädchen rennen aneinander vorbei, schubsen sich gegenseitig oder schreien sich an. Etwas abseits vielleicht ein paar Außenseiter, die anderen beim Bolzen zuschauen. Auf dem Schulhof kommt  das richtige Maß an Bewegung oft zu kurz, wenn Kinder nichts mit sich anzufangen wissen.

Doch Bewegung ist wichtig und die brauchen die Schüler zwischen den Unterrichtsstunden, betont Direktor Andreas Deutschländer. Seine Einrichtung ist mit 640 Kindern die größte Grundschule in Oranienburg. „Wir müssen die Kinder auf das Leben vorbereiten und ihnen die Möglichkeit geben, in der Schule ausgiebig spielen und lernen zu können.“

Deshalb unterstützt der Direktor auch uneingeschränkt die Arbeit von Alexandra Köpp und Stefan Reinhardt. Sie haben als verantwortliche Sozialarbeiter vor Ort immer ein offenes Ohr für Schüler, Eltern und Lehrer. Köpp und Reinhardt widmen sich jedoch in erster Linie den Sorgen und Nöten der Kinder. Alexandra Köpp leistet im Auftrag der Stadt Oranienburg – und angestellt beim Deutschen Roten Kreuz – klassische Sozialarbeit an Schulen (SaS): Einzelberatung, Gruppenarbeit in Klassen und Netzwerkbetreuung. Seit August vorigen Jahres ist sie 40 Stunden in der Woche an der Havelschule tätig, um die Kooperation von Jugendhilfe und Schule zu fördern. Gleich am Anfang habe sie festgestellt, dass die Kinder kaum Spielgeräte hatten und sich Bälle von zu Hause mitbringen mussten, erzählt sie. Die Tischtennisplatte diente bis vor einigen Monaten noch als Fläche zum Rumtoben.

Seitdem auf der ersten Schülerkonferenz im September 2017 endlich mal die Wünsche der Kinder auf den Tisch kamen, ist Schluss damit. Für einen Wasserspender setzen sich die Schulkonferenzvertreter Finn Kleine und Kim Charlet immer noch ein – die sogenannte „Bewegte Pause“ ist im April eingeführt worden: Das Austeilen von Sportgeräten, Anstellen, Ein- und Austragen in Listen will geübt sein. Den sport- und bewegungsbegeisterten Kindern fehlten nur noch ausreichend Spielgeräte. „Wir brauchten vor allem Basket- und Fußbälle, Waveboards, Tischtenniskellen und Springseile“, sagt die elfjährige Michelle Wirth.

Beim Landkreis stellten die Schüler über die Jugendförderung einen Antrag für entsprechende Gelder und bekamen 500 Euro Zuschuss. Die Stadt stellte als Projektmittel 800 Euro und der Förderverein der Schule 200  Euro zur Verfügung. Dazu kam eine große Spieltonne des DRK mit Reifen, Kegeln, Stelzen, Gummitwist, Bällen und mehr. Für insgesamt 1 300 Euro durften sich die Schüler ihr neues Spielzeug bestellen – Alexandra Köpp hat es in den letzten Monaten angeschafft.

Am Donnerstag wurde das gesamte Kontingent zum ersten Mal großzügig ausgeteilt – für fast alle war etwas dabei. In Zukunft hüpfen die Kinder mit dem Moonhopper über den Schulhof, schlängeln sich mit Waveboards das Plaster entlang oder machen gekonnte Ballwürfe. Es lässt sich viel ausprobieren, jeder Schultag bietet neue Gelegenheiten zum Üben. Sogar ein Einrad und ein Pedalo sind dabei.

Andreas Deutschländer ist stolz auf seine fordernden Schülervertreter und Mitarbeiter, die die Bedürfnisse der Grundschüler im Auge behalten. „Wir spüren, dass die Koordinationsfähigkeit vieler Kinder verloren gegangen ist – diese Dinge sollen auch dazu dienen, den Bewegungsdrang zu fördern und in die richtige Richtung zu lenken.“

Dazu lernen die Kinder frühzeitig, Verantwortung zu übernehmen und soziale Entscheidungen zu treffen. Ausgebildete Schüler-Streitschlichter leihen zusammen mit Kindern aus verschiedenen Klassen aus. „Es ist zwar auch manchmal anstrengend, wenn alle gleichzeitig etwas haben wollen, aber macht auch Spaß“, sagt Max Hagemann als Vorsitzender der Schülerkonferenz und Mitinitiator des Pausenprojekts.

In den Folgejahren ist eine Erweiterung des Schulgeländes geplant. Direktor Andreas Deutschländer liebäugelt jetzt schon mit fest installierten Spielgeräten, die ebenfalls in den Pausen genutzt werden können, damit Bewegung ins Spiel kommt.

SaS-Projekte

■ Streitschlichterausbildung von Schülern der 4. Klassen

■ Klassenprojekte zu Mobbing, Integration, Kooperation, Mut und Autonomie

■ Mediation und Beratung in Krisensituationen (Schüler, Eltern, Lehrer)

■ Wahrnehmung: Kinderschutz nach § 8a des SGB VIII

■ Unterstützung: Klassenfahrt, Ausflüge, Wandertage

■ Betreuung der Schülerkonferenz⇥(jrg)

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