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Schlüsseldienste
Was tun, wenn die Tür ins Schloss fällt?

Ein bekanntes Problem: Unser Karikaturist Max-Otto Stoye beschäftigte sich schon vor einigen Jahren mit unseriösen Anbietern.
Ein bekanntes Problem: Unser Karikaturist Max-Otto Stoye beschäftigte sich schon vor einigen Jahren mit unseriösen Anbietern. © Foto: Max-Otto Stoye
Tilman Trebs / 14.09.2018, 14:30 Uhr - Aktualisiert 14.09.2018, 15:29
Oranienburg (MOZ) 700 Euro sollte ein Oranienburger Paar in der Nacht zu Mittwoch für einen Schlüsseldienst bezahlen. Das ist deutlich zu viel. Deshalb ermittelt die Polizei nun zum Verdacht des Wuchers. Die Verbraucherzentrale Brandenburg warnt indes vor Abzockern und gibt Hinweise, wie man sich schützen kann.

Der Fall von Mittwoch ist kein Einzelfall. Seit er bekannt wurde, schildern Menschen aus dem Kreis in den sozialen Netzwerken ähnliche Erfahrungen. Einige berichten von Rechnungen über 850 Euro, andere erzählen von 450 Euro, die sie für eine Türnotöffnung bezahlen mussten. Gemessen daran freut sich mancher schon, mit 165 Euro davon gekommen zu sein. Aber auch das ist im Grunde noch zu hoch. Denn seriöse Anbieter sind deutlich preiswerter.

So verlangt der Oranienburger Schlüsseldienst Ralf Dietrich nach Auskunft eines Mitarbeiters tagsüber für eine Türnotöffnung 48 Euro, in den Nachtstunden sowie an Sonn- und Feiertagen 78 Euro. Muss ein Zylinderschloss gewechselt werden, was der Service zu vermeiden versucht, kommen nochmal 20 Euro oben drauf. „Damit bleibt man immer noch unter hundert Euro“, so der Mitarbeiter. In Facebook-Foren werden Schlüsseldienste genannt, die sogar preiswerter sind.

Polizeisprecherin Ariane Feierbach rät deshalb dazu, auf örtliche Schlüsseldienste zurückgreifen und nicht auf den erstbesten aus dem Internet. Doch auch das ist leichter gesagt als getan, wie Lisa Högden von der Verbraucherzentrale Brandenburg erklärt. „Viele Dienste werben im Internet mit örtlichen Vorwahlen. Die Anrufe werden dann in eine Zentrale weitergeleitet, die sich ganz woanders befindet.“ Sie rät deshalb, sich mit dem Thema Schlüsseldienst nicht erst dann zu beschäftigen, wenn die Tür schon ins Schloss gefallen ist. „Es ist sinnvoll, sich darüber zu informieren, welche Schlüsseldienste vor Ort ansässig sind, und die Preise zu vergleichen.“

Wenn trotzdem Termine mit unbekannten Firmen vereinbart werden, seien einige Dinge zu beachten. „Wichtig ist, schon am Telefon einen Festpreis zu vereinbaren“, erklärt Lisa Högden. Dafür sei es nötig, dem Service genau zu erklären, was passiert ist, zum Beispiel, ob die Tür nur zugefallen oder auch abgeschlossen ist. Auch die Art des Schlosses solle genannt werden. „So kann der Notdienst genau kalkulieren. Der Festpreis sollte bereits die Anfahrtskosten und eventuelle Zuschläge enthalten.“ Zuschläge dürfen die Dienste nur für Einsätze außerhalb der üblichen Geschäftszeiten verlangen. „Sofortzuschläge“, „Bereitstellungszuschläge“ und „Spezialwerkzeugkosten“ seien laut einem Urteil des Amtsgerichtes Frankfurt/Main nicht erlaubt, so die Verbraucherzentrale.

Letztlich müsse auch nur gezahlt werden, was vereinbart wurde. Bevor eine Rechnung unterschrieben werde, müssen die einzelnen Posten genau geprüft werden. „Passagen, die nicht vereinbart wurden, können gestrichen werden“, so Högden. Sollte der Handwerker sauer reagieren und seinen Kunden unter Druck setzen, sei die Polizei zu rufen.

Doch welche Preise sind nun angemessen? Die Verbraucherzentrale erreichen seit Jahren Beschwerden über Wucherpreise. „Einige Unternehmen versuchen, aus der Not der Menschen Kapital zu schlagen“, sagt Lisa Högden. Um das zu verhindern, hat die Verbraucherzentrale die Preise von bundesweit 600 Schlüsseldiensten erfragt und die Durchschnittswerte ermittelt. In Brandenburg werden demnach für eine lediglich ins Schloss gefallene Tür inklusive Anfahrt aus der nähren Umgebung im Schnitt 62,10 Euro verlangt, in der Nacht sowie an Sonn- und Feiertagen 113,92 Euro. „Das sind Werte, an denen man sich orientieren sollte.“

Die Ermittlungen zum aktuellen Fall in Oranienburg laufen. Erste Ergebnisse konnte die Polizei am Donnerstag noch nicht verkünden.

Tipps

Die Verbraucherzentrale Brandenburg hat Ende vergangenen Jahres auf ihrer Internetseite eine umfangreiche Zusammenstellung mit Tipps und Hinweisen zum Thema Schlüsseldienste bereitgestellt. Da auch immer wieder Geflüchtete und Flüchtlingshelfer Rat suchen, sind die Dossiers auch in türkischer und arabischer Sprache abrufbar.

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