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Speedway
Ende der Laufbahn: „Es fällt mir schon schwer“

Stefan Zwahr / 14.09.2018, 17:57 Uhr
Wolfslake (MOZ) Der beste Speedwayfahrer der Region macht Schluss: Mathias Bartz drehte am Sonntag beim Rennen in Wolfslake seine letzten Runden auf dem ,Eichenring’. Dieser war über Jahre seine sportliche Heimat. Nun beendet der 33-Jährige – der vor einem Jahr bei der Europameisterschaft in Güstrow mit dabei war – seine Laufbahn. Sportredakteur sprach mit dem gebürtigen Hennigsdorfer.

Mit dem Rennen in Wolfslake sind Sie nicht ganz unzufrieden, oder?

In der Vergangenheit sind meine Rennen auf dem ,Eichenring’ sehr durchwachsen geendet. Da war alles bei. Ich hatte technische Probleme, stürzte oder landete sogar im Krankenhaus. Darum bin ich in der Hinsicht zufrieden, dass ich diesmal heil geblieben bin. Aber einen besseren Abschluss hätte ich mir schon gewünscht. Mit zwei, drei Punkten mehr aus den ersten beiden Läufen wäre ich richtig zufrieden gewesen.

Würden Sie rückblickend sagen, dass Punkte liegen geblieben sind?

Ja. Im ersten Lauf bin ich mit zwei anderen Fahrern zusammen in die zweite Kurve gegangen. Da war zu wenig Platz für mich und ich musste zumachen. Im zweiten Lauf war ich dann zu schnell für das Startband. Da wollte ich zu viel. Auch in den anderen drei Läufen war mehr möglich, aber fünf Punkte sind okay. Natürlich wäre ich in meinem letzten Heimrennen aber gern auf das Treppchen gefahren.

Schon Anfang des Jahres schlossen Sie einen Rücktritt nach der Saison nicht aus. Sie ziehen das mit dem Ende der Laufbahn also wirklich durch?

Ja. Wie schon durch die Blume angekündigt, ist nach der Saison Feierabend. Ich bin vor drei Monaten Vater geworden und habe nun andere Verpflichtungen. Ich habe zwar immer gesagt, dass ich so lange fahre, wie es mir Spaß macht – und den habe ich noch. Aber ich muss mir eingestehen, dass ich mich nicht so auf die Rennen vorbereiten kann, wie ich es gern machen würde.

Woran hapert es denn?

Du musst körperlich fit sein. Aber die Besuche im Studio waren zuletzt rar. Auch das Training hat gelitten. Neben der Arbeit willst du eben auch Zeit mit der Familie verbringen. Dafür mache ich dann gern Abstriche.

Wie geht es Ihnen mit dem Gedanken, bald keine Rennen mehr zu fahren?

Ich habe 25 Jahre Rennsport hinter mir. Das geht nicht spurlos an einem vorbei. Es fällt mir schon schwer. Am Sonntag habe ich mir wirklich erlaubt, in  Wolfslake eine Ehrenrunde zu fahren. Und ganz ehrlich: Da waren schon Tränen bei. Aber ich hatte genug Zeit, um mich auf diesen Moment vorzubereiten. Darum ist es okay.

Haben Sie sich auch schon Zeit genommen, um das Vierteljahrhundert auf den Bahnen des Kontinents Revue passieren zu lassen?

Ab und zu habe ich mal an die Zeiten gedacht, so richtig aber noch nicht. Der Moment wird sicherlich kommen.

Würden Sie sagen, dass Sie im Sport alles erreicht haben?

Das habe ich definitiv nicht. Aber ich habe viele schöne Sachen erlebt, habe Orte und Leute kennengelernt. Es war eine tolle Zeit. Im Vergleich zu einigen anderen Leuten, die irgendwann professionell unterwegs waren, ist mit der große Sprung aber verwehrt geblieben. Ich hätte den auch gern gemacht. Sicher hat mir ein bisschen das Talent gefehlt – und auch die ganz große finanzielle Unterstützung, die du bei diesem Sport brauchst. In gewisser Hinsicht habe ich es mir auch selbst verbaut, weil ich nicht immer zu 100 Prozent hinter dem Sport stand. Aber ich kann von mir sagen, dass ich einen vernünftigen Job habe, der mir Spaß macht und mit dem ich Geld verdiene. Das habe ich einigen anderen Fahrern voraus.

Bleiben Sie dem Sport in irgendeiner Form erhalten?

Das wird sich in den nächsten Wochen und Monaten zeigen. Mit Sicherheit werde ich irgendwann mal in einer anderen Funktion zurückkehren. Ob nun als Schiedsrichter, Rennleiter oder Funktionär in einem Team wird sich zeigen. Erst einmal habe ich andere Präferenzen.

Werden Sie Ihr Kind für diesen Sport begeistern können?

Mal sehen. Vielleicht kommt mein Sohn mal auf den Gedanken, mit Speedway anzufangen. Aber ich hätte auch nichts dagegen, wenn er vernünftig Fußball spielt.

Ihre Frau ist sicherlich froh, dass das nicht ganz ungefährliche Hobby nun ein Ende hat ...

In gewisser Hinsicht ist bei ihr Erleichterung bei. Ich habe sie ein, zwei Mal aus dem Krankenwagen angerufen, um ihr zu sagen, dass es später wird.  Sie freut sich darauf, dass wir nun mehr Freizeit haben. Aber sie kann auch verstehen, dass ich den Sport vermissen werde. Das mit dem Speedway ist wie eine gute Ehe.

Wann werden Sie Ihr letztes Rennen bestreiten?

Jetzt habe ich erst einmal zwei Wochenenden Freizeit. Am 30. September ist dann das abschließende Rennen in der 2. Liga mit Diedenbergen. Am 13. Oktober fahre ich kurz vor der holländischen Grenze. Eine Woche später ist dann in Wittstock endgültig Feierabend.

Was passiert danach mit Ihrer Maschine? Wird die verkauft oder trennt sich ein Fahrer nie davon?

Das kann ich noch nicht sagen. Zunächst bleibt sie in der Werkstatt stehen. Verkaufen werde ich meine Sachen mit Sicherheit nicht sofort. Vielleicht habe ich ja doch mal Lust und Laune, ein paar Trainingsrunden zu drehen.

Werden Sie sich einen anderen sportlichen Ausgleich suchen?

Möglich. Ganz faul kann ich nicht sein. Dafür habe ich zu viele Hummeln im Arsch. Das wird sich mit der Zeit ergeben.

Zur Person

Mathias Bartz wurde am 27. Juli 1985 in Hennigsdorf geboren.

Der Kremmener fuhr 1994 sein erstes Rennen, war in jungen Jahren deutscher Meister der Schülerklasse C (1998), nahm 2002 erstmals an der Junioren-WM teil (Aus im Semifinale) und wurde 2004 deutscher Vizemeister der Junioren.

In der Bundesliga zog „Matze“ - Siebter der deutschen Einzel-Meisterschaft 2014 - mit dem Speedwayteam Wolfslake mehrfach in das Bundesliga-Finale ein. Größter Erfolg: Mannschaftsmeister 2007.

In diesem Jahr ging Bartz (wie schon in den beiden vergangenen Jahren) für den Bundesligisten MC Nordstern Stralsund und den MSC Diedenbergen (2. Liga) an den Start.

In der Vergangenheit war er auch schon für den MC Mecklenburgring Parchim unterwegs.⇥(sz)

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