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Behördenposse
Imbiss „Cook rein“ darf endlich öffnen

Darauf kann man anstoßen: Drei Monate später als geplant begrüßte Gudrun Fromm am Mittwoch Gäste im neuen Laden in der Schulstraße.
Darauf kann man anstoßen: Drei Monate später als geplant begrüßte Gudrun Fromm am Mittwoch Gäste im neuen Laden in der Schulstraße. © Foto: Klaus D. Grote
Klaus D. Grote / 10.10.2018, 18:17 Uhr
Oranienburg (MOZ) „Draußen nur Kännchen“, war früher ein Kalauer, der die Missstände im Service der Gastronomie beschrieb. Seit Mittwoch heißt es im neueröffneten Imbissladen „Cook rein“ in der Schulstraße: Sitzen nur draußen. Es ist Teil des seltsamen Genehmigungsverfahrens durch die Kreisbaubehörde, dass Kunden im dem Geschäft ihre Speisen nicht im Sitzen einnehmen dürfen. Für die Genehmigung gilt die Betriebsgenehmigung eines Backshops, der sich in dem Ladenlokal einmal befand, bevor dort Unterwäsche verkauft wurde.

Für den Verkauf von Suppen und anderen Speisen lag laut Kreisbehörde nun eine Nutzungsartänderung für das Geschäftslokal vor. Die Baubehörde verlangte dafür eine Kampfmittelfreiheit für das gesamte Grundstück von den Ladenmietern Gudrun Fromm und Hans-Jürgen Schreier. Allerdings fiel das der Behörde erst kurz vor dem für Anfang Juli geplanten Eröffnungstermin auf. Damals standen schon Blümchen auf den Tischen, im Kühlschrank warteten kalte Getränke auf die Gäste.

Der ohne Baugenehmigung umgebaute Laden durfte nicht eröffnen. Gudrun Fromm verkaufte ihre Speisen den Sommer über aus ihrem Imbisswagen, den sie gegenüber dem Bahnhof aufstellen durfte. Der zuständige Baudezernent Egmont Hamlow (CDU) blieb derweil hartnäckig. Am Ende gestand er zu, dass bis zur vorliegenden Baugenehmigung, für die er weiterhin eine Kampfmittelfreiheitsbescheinigung für das 2 000 Quadratmeter große Grundstück verlangt, im Laden verkauft und im Stehen gespeist werden darf. Für diese Entscheidung wurde auch in der Stadtverwaltung gekämpft. Auf die Schulter klopften sich tatsächlich sehr viele Menschen.

Gudrun Fromm ist nun vor allem erleichtert, dass sie endlich in ihrem hübsch eingereichten Laden stehen darf. Im Imbisswagen überwintern wollte sie auf keinen Fall. Am Mittwoch strahlte sie, als ihr Gäste Blumen und kleine Geschenke zur Eröffnung überreichten. Gudrun Fromm bedankte sich mit einem Glas Prosecco.

Das Angebot frischer Speisen ist jetzt viel größer als im Imbisswagen, der künftig noch auf Märkten zu finden sein wird. Für den Laden war extra eine Köchin eingestellt worden. Neben wochenweise wechselnden Suppen und frisch zubereiteten Curry-Gerichten gibt es zum Beispiel Pulled Pork, Salate und eine Dessertauswahl. Bei Smoothies können die Zutaten jetzt selbst zusammengestellt werden. Auch Kaffee und Kuchen sind im Angebot.

Die Sofas und Tische wurden in den Keller gestellt. In der freien Ecke können jetzt Kinder spielen und krabbeln. Die Böcke vor den Stehtischen an der Fensterfront sind als Stehhilfen deklariert. Kleine Tische mit je zwei Stühlen und Decken stehen vor dem Laden. Die Baubehörde hat alles abgenommen. Der mit EU-Fördermitteln umgebaute Laden ist nun vermutlich das behördlich am besten geprüfte Geschäft in Oberhavel. Mindestens.(kd)

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