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S-Bahn
Landtag spricht über den Zehn-Minuten-Takt

Bekam eine S-Bahn aus Pappe zur Erinnerung: Nicole Walter-Mundt begrüßte ihren Landesparteichef Ingo Senftleben auf dem S-Bahnsteig . Gekommen waren beide aber mit dem Auto.
Bekam eine S-Bahn aus Pappe zur Erinnerung: Nicole Walter-Mundt begrüßte ihren Landesparteichef Ingo Senftleben auf dem S-Bahnsteig . Gekommen waren beide aber mit dem Auto. © Foto: Klaus D. Grote
Klaus D. Grote / 11.10.2018, 08:12 Uhr
Oranienburg (MOZ) Der Zehn-Minuten-Takt für die S1 zwischen Oranienburg und Frohnau ist am 8. November Thema im In­frastrukturausschuss des Landtages. Das sagte der CDU-Partei- und Fraktionsvorsitzende Ingo Senftleben bei einem Besuch in Oranienburg.

„Wir können über die bessere Verbindung nicht erst irgendwann reden“, sagte Senftleben auf dem S-Bahnsteig im Bahnhof Oranienburg. Brandenburg war jahrelang nicht darauf eingestellt, dass wir ein Wachstumsland sind.“ Bei der Verkehrsentwicklung hinke das Land „Jahre hinterher“, das sei schwer aufzuholen. „Deshalb dürfen wir nicht noch mehr Zeit verlieren.“

Im neuen Landesnahverkehrsplan wird die Taktverdichtung für die S1 genauso wie die S-Bahn nach Velten lediglich als Planungsauftrag im Programm i2030 aufgeführt. „Da sind Planungs- und Investitionsprozesse, die nicht in kurzer Zeit machbar sind“, hatte Infrastrukturministerin Katrin Schneider (SPD) bei der Eröffnung des Oranienburger Fahrradparkhauses. Für einen Zehn-Minuten-Takt müsste unter anderem ein zweites Gleis gebaut werden. Auch am Bahnhof Birkenwerder, wo nur ein Bahnsteig für zwei S-Bahnlinien und eine Regionalexpresslinie bereitsteht, wären ebenfalls umfangreiche Baumaßnahmen notwendig. Für den Neubau eines zweiten Gleises zwischen Frohnau und Hohen Neuendorf, habe man doch schon 28 Jahre Zeit gehabt, entgegnet die Stadtverordnete und CDU-Landtagskandidatin Nicole Walter-Mundt.

Auch die Antwort auf ihre Petition aus dem Infrastrukturministerium hatte Mario Schulz (CDU) und Nicole Walter-Mundt nicht zufriedengestellt. Mehr als 6 400 Unterschriften für den Zehn-Minuten-Takt hatten der Hohen Neuendorfer und die Oranienburger Landtagsabgeordnete mit ihren Parteifreunden online und auf Bahnhöfen gesammelt und dem Vorsitzenden des Petitionsausschusses im Landtag, Henryk Wichmann, überreicht. Vom Ausschuss für das Anliegen dem Ministerium überreicht, das wiederum lediglich auf das Programm i2030 verweist.

„Wir müssen mehr Autos von der Straße holen und für zufriedene Pendler sorgen“, sagt Ingo Senftleben und spricht sich für einen Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs aus. Das Geld dafür sei doch vorhanden, sagt Nicole Walter-Mundt. „Der BER kostet jeden Tag 1,3 Millionen Euro.“ Senftleben verweist zudem auf Bundesmitteln für den Schinenenahverkehr, der in Brandenburg auch für den Busverkehr verwendet werde. „Wenn wir wie alle andere Bundesländer das Geld allein für die Schiene verwenden, reicht es für einen Ausbau.“ Dadurch komme es ja wiederum zu höheren Einnahmen.

Ingo Senftleben ÖPNV sei auch mit dem Blick auf die kommenden Dieselfahrverbote sehr wichtig, um die Verkehrszunahme in einer wachsenden Region überhaupt zu meistern. „Es gibt keine Alternative“, sagte der Partei- und Fraktionsvorsitzende. Nicole Walter-Mundt sagte, dass bereits heute fast 11 000 Pendler je Richtung zwischen Oranienburg und Berlin unterwegs seien. „In den Hauptverkehrszeiten müssen die Fahrgäste oft stehen“, sagt sie. Sie sei deshalb in den vergangenen Wochen immer wieder ermuntert worden, weiter für einen Zehn-Minuten-Takt bei der S1 zu kämpfen.

Die Stadtverordnete hält auch die weiteren Probleme, die gegen einen dichteren Takt sprechen, für lösbar. Statt eines Tunnels am Bahnübergang Borgsdorf, dessen Schranken heute schon häufig geschlossen bleiben, könne dort auch eine Umfahrung gebaut werden. Die Stadt Hohen Neuendorf lehnt dies bislang allerdings ab – so lange nicht die Bahn zahlt. Wie schwierig Bauarbeiten an Bahnbauwerken zu bekommen sind, kann die Stadt Oranienburg berichten. Die Verlängerung des Fußgängertunnels in Richtung Neustadt wurde schon vor mehr als 100 Jahren gefordert und blieb bis heute ein Wunschtraum. Allerdings fragen sich auch viele Nutzer der Busse in Oberhavel seit Jahren, warum das Angebot auf besonders stark genutzten Strecken, zum Beispiel zwischen Oranienburg und Hennigsdorf, nicht ausgebaut wird.

Fahrzeugführer der S-Bahn führen weitere Gründe an, die einer schnelle Umsetzung des Zehn-Minuten-Taktes der S1 widersprechen: Die S-Bahn GmbH verfüge über zu wenig Wagen und Personal, um auf den Strecken mehr Züge einzusetzen. Seit der S-Bahnkrise 2009 reicht der Fuhrpark bis heute nicht aus, um das von den Ländern Brandenburg und Berlin bestellte Angebot zu hundert Prozent zu erfüllen. Erst 2021 kommen die neuen, von Siemens und Stadler gefertigten Züge der Baureihe 483/484 auf die Schiene. Für eine Aufstockung des Angebots auf vorhandenen oder zusätzlichen Strecken, zum Beispiel nach Velten, gibt es keine Bestellungen. Ähnlich sieht es bei der U-Bahn aus. Auch dort dauert es Jahre, bis mit neuen Wagen das Angebot ausgebaut werden kann. In der wachsenden Hauptstadt sind viele Streckenabschnitte chronisch überfüllt. Berlins Umweltsenatorin Regine Günther sagte am Mittwoch: „Infrastruktur braucht seine Zeit. Da hätte früher gehandelt werden müssen.“

Für Pendler

■ Der neue Landesnahverkehrsplan stellt Bahnkunden kurzfristig nur geringe Verbesserungen in Aussicht. So sollen zum Fahrplanwechsel im Dezember auf der RB12 (Ostkreuz-Oranienburg-Templin) in der Hauptverkehrszeit längere Züge fahren.

■ Die RB54, die bislang nur im Sommerhalbjahr von Rheinsberg über Oranienburg nach Berlin fährt, soll probeweise ganzjährig eingesetzt werden.

■ Ab Ende 2019 soll alle zwei Stunden ein IC in Oranienburg halten, der Berlin mit der Ostsee verbindet. Ab 2022 fährt zudem mit der RB32 ein ganz neuer Zug von Oranienburg über Ostkreuz zum Flughafen BER.⇥(kd)

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