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Beschluss
Personalpolitik im Rettungsdienst muss verbessert werden

Manche Rettungssanitäter arbeiten 47 bis 48 Stunden in der Woche. Der Betriebsrat spricht von „moderner Sklaverei“. Am Mittwoch wurde im Kreistag der neue Rettungsdienstbereichsplan beschlossen. Zufrieden waren die Retter damit nicht.
Manche Rettungssanitäter arbeiten 47 bis 48 Stunden in der Woche. Der Betriebsrat spricht von „moderner Sklaverei“. Am Mittwoch wurde im Kreistag der neue Rettungsdienstbereichsplan beschlossen. Zufrieden waren die Retter damit nicht. © Foto: Burkhard Keeve
Burkhard Keeve / 11.10.2018, 19:33 Uhr
Oranienburg (MOZ) Der neue Rettungsdienstbereichsplan ist beschlossene Sache. Dafür haben die Abgeordneten am Mittwoch im Oranienburger Kreistag gesorgt. Doch zufrieden war das Dutzend Rettungssanitäter, das in hellen Signalwesten auf den Besucherstühlen saß, bei Weitem nicht.

Das hatte seine Gründe. Die Rettungssanitäter befürchten keine Verbesserung der Situation, sondern eine Verschlechterung, sowohl was die Arbeitsbelastung angeht, als auch die der Versorgung, weil teils weniger Rettungswagen im Einsatz sind, statt mehr. Ziel des Beschlusses ist es allerdings, dass die Hilfsfrist von 15 Minuten künftig häufiger als bisher eingehalten wird.

Was der Betriebsrat und die Mitarbeiter der Rettungsdienstgesellschaft aber beklagen ist, dass sie die Beschlussvorlage erst gesehen haben, als sie fertig vorlag. „Wir hatten von der Vorlage keine Kenntnis“, sagt der Betriebsratsvorsitzende vom Rettungsdienst Oberhavel, Bert Paschke. „Wir waren ganz perplex. Besser wäre es gewesen, wir wären mit ins Boot geholt worden.“ Denn jetzt gebe es nach Angaben des Betriebsrats eine Personalreduzierung durch die Hintertür. So seien in der stark ausgelasteten Wache Oranienburg tagsüber bislang vier Rettungswagen im Einsatz, künftig „sind es nur noch drei“, so Paschke. Er wirft dem Arbeitgeber – die Rettungsdienstgesellschaft (eine hunddertprozentige Tochter der Oberhavel Kliniken) – vor, „ihre Personalpolitik dadurch zu verschlimmbessern“. Weniger Einsatzfahrzeuge bedeute eben auch weniger Personal im Einsatz, und das in einer Situation, „in der wir es sowieso schon kaum schaffen, alle zu versorgen“, sagte Bert Paschke.

Doch einige Kommunalpolitiker sind im Vorfeld der Kreistagssitzung von den Rettungssanitätern auf die prekäre Lage in ihren Wachen aufmerksam gemacht worden. Ihre Intervention trug am Mittwoch im Kreistag Früchte. Die SPD/LGU-Fraktion brachte einen Änderungsantrag ein, der auch eine Mehrheit fand. Darin wird dem Arbeitergeber auferlegt, mit den Mitarbeitern zu sprechen, sie anzuhören und einzubeziehen, wie die Vorgaben des neuen Bereichsplanes umgesetzt werden können. Dabei geht es unter anderem um Arbeitszeiten, Urlaubspläne und künftige Schichtmodelle. „Ohne den Änderungsantrag hätten wir dem neuen Rettungsdienstbereichsplan nichts Gutes abgewinnen können“, sagt Bert Paschke, „außer, dass der Arbeitgeber jetzt am Ball ist und auf uns zugehen muss“.

Eine Ausnahme gebe es aber doch. So ist auch eine Gehaltserhöhung für die Retter durchgesetzt worden, wofür der Betriebsratsvorsitzende ausdrücklich den Arbeitgeber lobt. Doch ein Problem bleibt. Es fehlt weiterhin Personal in den Rettungsstellen. „Wir schieben seit Jahren eine Minuszahl vor uns her“, so Paschke. Zwölf bis 15 Fachkräfte hätten den Dienst in den vergangenen zwei Jahren quittiert, unter anderem aus Frust, aus Arbeitsüberlastung und fehlender Wertschätzung, so Paschke. Rund 200 Mitarbeiter sind beim Rettungsdienst im Einsatz.

Trotz aller Querelen glaubt Bert Paschke  an eine Lösung, bei der alle das Gesicht wahren können.  Allerdings: „Jetzt ist der Arbeitgeber in der Bringeschuld.“

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