Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Nachfolger gesucht
Charity Banditen ziehen sich zurück

Kraftakt: Das Ehrenamt hat Janette Budtke (hier am Mikrofon vor ihren Helfern bei der Eröffnung von Zeichen des Miteinanders 2.0 im November) viel Kraft gekostet.Archiv-Foto: Aileen Hohnstein
Kraftakt: Das Ehrenamt hat Janette Budtke (hier am Mikrofon vor ihren Helfern bei der Eröffnung von Zeichen des Miteinanders 2.0 im November) viel Kraft gekostet.Archiv-Foto: Aileen Hohnstein © Foto: Aileen Hohnstein
Jürgen Liebezeit / 08.01.2019, 14:15 Uhr
Borgsdorf (MOZ) Die Gruppe „Charity Banditen“, die uneigennützig Menschen in Armut hilft, sucht einen Verein, der ihre Aufgaben übernimmt. Die Initiatorin und treibende Kraft, Janette Budtke, kann nicht mehr. Sie hat auch die Ehrenamtsmedaille der Stadt zurückgegeben.

In einem emotionalen Brief hat die Borgsdorferin am Dienstag auf der Homepage der Gruppe und bei „Facebook“ begründet, warum sie sich von der ehrenamtlichen Arbeit zurückzieht Nach zahllosen schlaflosen Nächten sei sie zu dem Schluss gekommen, der zeitintensiven und emotionalen Aufgabe nicht mehr gewachsen zu sein. „Ich suche nicht die Schuld bei anderen“, sagte sie im Gespräch mit unserer Zeitung. Aber sie könne es nicht mehr leisten, mehr als die Hälfte ihrer Arbeitszeit, in der sie Geld für sich und ihre Kinder zum Leben verdiene, für die Charity Banditen zu opfern. Sie beklagt aber auch, dass sie zu wenig Unterstützung aus der Politik erfahren habe. „Es kann doch nicht sein, dass die Stadt sich auf der einen Seite rühmt, wie viel Geld sie für alles ausgibt, und auf der anderen Seite viele Menschen in Armut leben. Irgendetwas läuft da schief“, sagte sie.

Deshalb hat sie am Dienstag auch ihre Ehrenamtsmedaille, die ihr die Stadt Hohen Neuendorf 2017 verliehen hat, mit der Post ins Rathaus zurückgeschickt. Sie habe schon damals das Gefühl gehabt, dass die Arbeit der Gruppe nicht richtig gewürdigt werde. „Ich habe ohnehin nicht verstanden, warum ich die bekommen habe.“

Die Borgsdorferin hofft, dass sich jetzt ein Verein oder eine andere Gruppe findet, um das Benefiz-Fest „Ein Zeichen des Miteinanders“ fortzuführen. Zunächst will sie mit dem Märkischen Sozialverein Kontakt aufnehmen. Auch Angebote von anderen Gruppen, Vereinen oder Initiativen stehe sie offen gegenüber. Sie wünscht sich, dass die Nachfolger das „Zeichen des Miteinanders“ mit dem „gleichem Herzblut, wie wir es taten“, fortführen werden. Das Fest ist für den 24. November geplant. (Kontakt: charity.banditen@gmx.de)

Trotz des Rückzugs will die „Lobbyistin der Armen“, wie sie teils anerkennend, teils aber auch spöttisch genannt wurde, weiterhin helfen. So würden die offenen Projekte der Charity Banditen genau wie die Wunschliste  noch bearbeitet werden, teilte Janette Budtke mit.

Sie hoffe, dass ihre „Notbremse“, die sie aus gesundheitlichen und existenziellen Gründen jetzt ziehen musste, auf Verständnis stößt.

Hintergrund

Die Charity Banditen, die 2015 ihren Namen bekamen, sind eine Gruppe von Menschen, die ehrenamtlich etwas an die Gesellschaft zurückgeben wollen. Sie helfen in Oberhavel Obdachlosen, Wohnungslosen, von Altersarmut Betroffene, aber auch Familien und Kindern. Sie sammeln Spenden, leisten Hilfe bei Behördengängen, verbringen Zeit mit den Betroffenen oder organisieren Benefiz-Veranstaltungen wie das Zeichen des Miteinanders in Borgsdorf.⇥(zeit)

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG