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Langzeitarbeitslosigkeit
Jobcenter erhält mehr Geld

Alle Hände voll zu tun: Oberhavels Jobcenter-Leiter Tim Weimer und Dezernent Matthias Kahl (rechts).
Alle Hände voll zu tun: Oberhavels Jobcenter-Leiter Tim Weimer und Dezernent Matthias Kahl (rechts). © Foto: MOZ/Burkhard Keeve
Burkhard Keeve / 11.01.2019, 07:00 Uhr
Oberhavel (MOZ) Langzeitarbeitslose sind nicht alle gleich: Es gibt junge, alte, Alleinerziehende, welche mit und ohne Ausbildung. Allen gleich ist, dass sie mehr als ein Jahr nicht mehr gearbeitet haben. Es gibt aber auch eine Gruppe, die seit sechs Jahren und länger im Hartz-IV-System feststeckt.

In Oberhavel betrifft das mehr als 700 Menschen. Mit einem besonderen Programm will der Bund wenigstens einem kleinen Teil dieser Gruppe, den Weg zurück am gesellschaftlichen Leben ebnen. Dazu wurde das sogenannte Teilhabe-Chancengesetz verabschiedet. Auch deshalb hat der Bund das Budget für die Eingliederung von Langzeitarbeitslosen in Oberhavel in diesem Jahr um 1,4 Millionen Euro auf 10,6 Millionen Euro aufgestockt.

Derzeit forstet das Jobcenter seine Kartei mit seinen Dauer-Kunden durch, auf der Suche nach passenden Kandidaten. Denn schon jetzt ist klar, dass längst nicht alle dafür geeignet sind. „Einigen Dutzend Menschen“, schätzt Jobcenter-Leiter Tim Weimer, „kann damit vielleicht geholfen werden“. Der Aufwand für alle Seiten sei hoch, doch schon jetzt haben Arbeitgeber von dem neuen Teilhabegesetz erfahren und beim Jobcenter angerufen, „um mehr zu erfahren. Es gibt viel Informationsbedarf“, so Werner. Das Interesse hat einen Grund: Die Lohnkosten werden fünf Jahr lang subventioniert. Die ersten beiden Jahre sogar zu hundert Prozent. Dann geht es in Zehn-Prozent-Schritten bis auf 70 Prozent im fünften Jahr herunter. So hat das neue Gesetz zumindest schon bei Arbeitgeberseite einen Anreiz geschaffen. „Die Langzeitlosen hingegen müssen dazu erst noch motiviert werden“, sagt der zuständige Dezernent Matthias Kühl. „Für manche ist es schon schwer, morgens aufzustehen, geschweige denn pünktlich zu sein.“ Doch hier soll eine Art Trainer dem Arbeitslosen und auch dem Arbeitgeber zur Seite gestellt werden. „Vielleicht auch, um ihn morgens aus dem Bett zu klingeln“, so Kahl.

„Es geht vor allem darum, ihnen überhaupt wieder eine Teilhabe an der Gesellschaft zu ermöglichen“, sagt Tim Weimer. Damit wird eigentlich auch klar, dass mit den Langzeitarbeitslosen nicht die Lücken des Fachkräftebedarfs zu decken.

Der volle Lohnzuschuss über zwei Jahre weckt Begehrlichkeiten. So muss der Arbeitgeber-Service beim Jobcenter auch darauf achten, dass nicht vorher einfach Leute entlassen werden, um über das Bundesprogramm billig an neue Mitarbeiter zu kommen. Die Jobs für Hartz-IV-Klienten mit jahrelanger Erwerbslosigkeitsbiografie liegen zumeist im Helfer-Bereich. Gefunden werden sollen sie auch bei den kreiseigenen Gesellschaften, bei den Kommunen und über die Beschäftigungsgesellschaften in Oberhavel, wie die Aqua Zehdenick oder die Hennigsdorfer PuR.

Zahlen

■ 12 269 Menschen beziehen in Oberhavel Hartz IV. Gut 9 000 davon sind erwerbsfähig, könnten theoretisch arbeiten (Nov. 2018).

■ Seit diesem Jahr gibt es ein weiteres Programm. Einzige Voraussetzung: mindestens zwei Jahre lang arbeitslos. Dann erhält der Arbeitgeber 75 Prozent Lohnkostenzuschuss im ersten und 50 Prozent im zweiten Jahr. Hierfür hat der Bund Bürokratie abgebaut und Einsatzeinschränkungen aufgehoben.

■ Besonders im Fokus sind Hartz-IV-Familien. Wenn wir es schaffen durch Beschäftigung den Selbstwert zu stärken, wirkt sich das auf die ganze Familie aus“, so Jobcenterchef Tim Weimer.⇥(bu)

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