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Insolvenz
Mitarbeiter von Lila-Bäcker sorgen sich um ihre Arbeitsplätze

Geht dort bald das Licht aus? Allein in Oranienburg gibt es fünf Lila-Bäcker-Filialen, davon zwei am Bahnhof.
Geht dort bald das Licht aus? Allein in Oranienburg gibt es fünf Lila-Bäcker-Filialen, davon zwei am Bahnhof. © Foto: Tilman Trebs
Tilman Trebs / 16.01.2019, 18:43 Uhr
Oberhavel (MOZ) Die Mitarbeiter ahnten nichts Gutes, als am Dienstagmittag das Gehalt nicht auf dem Konto einging. „Das Geld kommt immer am 15. zur Mittagszeit. Immer!“, betont Kerstin Müller (Name geändert), die in einer der fünf Oranienburger Filialen der Bäckereikette „Lila Bäcker“ arbeitet. Einige Kollegen hätten gleich in der Firma nachgefragt. Eine Antwort erhielten die Verkäuferinnen am Dienstag aber erst Stunden später aus dem Internet. Medien berichteten, dass ihr Arbeitgeber einen Insolvenzantrag gestellt hatte. Mittwoch sei dann ein Vorgesetzter ins Geschäft gekommen und habe die Mitarbeiter direkt informiert. „Natürlich machen wir uns Sorgen“, sagt Kerstin Müller am Mittwochnachmittag. Sie hat gerade Pause, raucht eine Zigarette und denkt über Vergangenheit und Zukunft nach. „Wir sind ein tolles Team. Wir arbeiten gern hier und würden gern zusammenbleiben. Wir hoffen alle, dass die Firma es schafft.“ Und wenn nicht? Kerstin Müller arbeitet seit mehr als 15 Jahren im Geschäft, in nicht allzu ferner Zukunft wird sie ihren 60. Geburtstag feiern. „Ich hatte eigentlich nicht vor, noch einmal irgendwo anders von vorn zu beginnen.“ Sie würde die vielen Stammkunden und sogar die Sonntagsarbeit vermissen.

Zumindest die nächsten drei Monate sind erstmal gesichert. Kerstin Müller und ihre Kolleginnen haben ein Dokument unterschrieben, das ihnen Vorschuss aus dem Insolvenzgeld gewährt. „Das ist ein normaler Vorgang“, erklärt Sebastian Riesner von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). „Wir haben ihn auch geprüft.“ Durch den Vorschuss, den eine Bank zahlt, müssten die Mitarbeiter nicht auf Hilfe von der Arbeitsagentur oder dem Insolvenzverwalter warten.

Die Verunsicherung unter den Mitarbeitern sei dennoch groß. „Unsere Telefone stehen nicht still“, sagt Riesner. Die NGG bereite bereits Informationsveranstaltungen vor, auf denen die Lila-Bäcker-Kollegen über das weitere Vorgehen informiert werden sollen. Auch die Gewerkschaft hofft, dass die Insolvenz abgewendet werden kann. Anders als Kerstin Müller lässt Riesner aber kein gutes Haar am Unternehmen. „Wir haben es immer kritisch gesehen.“ Tarifverträge habe die Firma nie beachtet und auch kaum Mitbestimmung zugelassen. Auch hätten viele Mitarbeiter Probleme bei der Anerkennung von Überstunden und liefen ihren Zulagen hinterher.

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