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Feuerwehrübung
Viel Rauch statt Feierabend

Aileen Hohnstein / 10.02.2019, 21:00 Uhr
Bötzow Rauch quillt aus dem Fenster, Menschen rufen um Hilfe, und vier Personen müssen noch im Haus gesucht werden – mit diesem Szenario wurde die Oberkrämer Feuerwehr am Freitagabend in Bötzow konfrontiert. Es war eine Einsatzübung, die mit Erfolg durchgeführt wurde.

„Es wird Ihnen geholfen. Bleiben Sie am Fenster“, beruhigt ein Feuerwehrmann einen jungen Mann, der aus dem Fenster um Hilfe ruft. Er gehört zu den ersten Hilfskräften, die am Freitagabend in der Dorfaue 1 in Bötzow eintreffen, nur fünf Minuten nach dem Notruf. Durch einen technischen Defekt ist es im alten Wohnhaus zu Rauchentwicklung gekommen, der Fluchtweg ist abgeschnitten. Möglicherweise befinden sich im Erdgeschoss noch bis zu vier Bewohner. Das ist die Situation, die die Feuerwehrleute aus Bötzow, Marwitz, Vehlefanz und Eichstädt bewältigen müsen. Glücklicherweise handelt es sich bei diesem Szenario nur um eine Übung.

„Wir wollen überprüfen, ob die Atemschutzgeräte richtig eingesetzt werden, wie das allgemeine Verhalten und Zusammenwirken an der Einsatzstelle ist und wie die Anmarschzeiten sind“, erklärt Gemeindewehrführer David Ostwald. Wenn alles gut läuft, findet einmal im Jahr solch eine Übung statt, über die im Vorfeld möglichst wenig Personen eingeweiht werden. Für die diesjährige Übung, die seit einem Monat feststand und vom Kreisbrandmeister genehmigt wurde, bot sich das Wohnhaus in der Dorfaue an. Es wird in Kürze abgerissen, ein zweiter Hortneubau soll dort entstehen. Im Inneren wurde bereits mit den Arbeiten begonnen. Mit je einem Zettel bewaffnet beobachten David Ostwald und sein Stellvertreter, Lars Wilberg, das Geschehen. Wann treffen die Einsatzkräfte ein, läuft alles nach Vorschrift, gibt es Mängel bei der Rettung? Notizen werden gemacht, um die Übung später auszuwerten.

Inzwischen läuft die Rettung auf Hochtouren. Immer mehr Einsatzwagen sind mit Blaulicht und Martinshorn eingetroffen. Mit einer Leiter werden vier Personen gerettet, die im ersten Obergeschoss aus verschiedenen Zimmern auf sich aufmerksam machen können. Es sind vier Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren Marwitz und Vehlefanz, die gerade aus der Jugendwehr in den aktiven Dienst wechseln und in diesen Tagen ihre Ausbildung zum Truppmann beginnen. „Ich habe schon bei der Katastrophenschutzübung in Velten als Statist mitgemacht. Es macht Spaß. Es ist auch interessant zu sehen, wie die anderen im Einsatz vorgehen. Dann lernen wir gleichzeitig noch dazu“, sagt Leon Reinhold, der mit seinen 16 Jahren seit acht Jahren bei der Freiwilligen Feuerwehr in Marwitz dabei ist. Sein Kumpel Alexander Stuth sieht das genauso, auch wenn der 17-Jährige derzeit mit Ausbildung, Fahrschule und Feuerwehr viel um die Ohren hat. „Die Übung heute hat zeitlich eigentlich nicht so gepasst. Aber bei der Feuerwehr will ich auf jeden Fall dabeibleiben. Das ist hier wie eine zweite Familie“, findet er. Der Einsatz selbst, zumindest seine eigene Rettung, war für den Vehlefanzer Statisten De von Lee Fischer im Nu vorbei. „Das ging fast ein wenig zu schnell“, erzählt er im Anschluss.

Die Bergung der leblosen Personen aus dem Erdgeschoss dauert hingegen länger. Im verwinkelten Haus machen dichte Nebelschwaden, die von einer Nebelmaschine produziert werden, die Suche nach den Puppen schwieriger. Mit Atemmasken gehen die Einsatzkräfte ins Haus, müssen sich im Dunkeln orientieren. Und sind erfolgreich. Nach gut 40 Minuten ist die Übung abgeschlossen, die Geräte werden zusammengeräumt. Es herrscht gute Stimmung.

„Ich bin zufrieden. Die Zeiten waren gut, und alles hat geklappt“, sagt Ostwald. Das Ziel, alle Personen schnellstmöglich zu retten, wurde erreicht. Auch für Kreisbrandmeister Steffen Malucha gibt es nichts zu bemängeln: „Es ist alles gut gelaufen, die Geräte wurden kontrolliert eingesetzt. Und das Übungsziel wurde erreicht: Die Aufgaben Menschenrettung, Personensuche und Brandbekämpfung wurden erfolgreich abgeschlossen.“

Übung für die Feuerwehr in Oberkrämer

■ In der Freiwillige Feuerwehr Oberkrämer gibt es 90 aktive Mitglieder. Gut 50 Mitglieder zählt die Jugendwehr, 30 sind es in der Alters- und Ehrenabteilung. Wachen sind jeweils in Bötzow, Eichstädt, Marwitz und Vehlefanz stationiert.

■ Bei der Einsatzübung am Freitag wurde um 19.05 Uhr die Feuerwehr alarmiert. Vier lebende Personen mussten aus verschiedenen Teilen des Gebäudes gerettet werden. Vier Puppen stellten bewusstlose Personen dar. Die erste Person wurde 19.18 Uhr gerettet, die letzte – in diesem Fall war es eine Puppe – um 19.45 Uhr.

■ Neun Einsatzwagen rückten zur Übung an. 40 Feuerwehrleute waren vor Ort, davon waren 24 Atemschutzgeräteträger. ⇥(aho)

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