Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Sichere Entsorgung
Stadtwerke investieren weiter ins Abwassernetz

Friedhelm Brennecke / 08.03.2019, 10:25 Uhr
Oranienburg (MOZ) 30 Stunden ohne Strom, wie kürzlich in Berlin-Köpenick, möchte niemand wirklich erleben. Aber ebenso wenig eine verstopfte Toilette, aus der nichts mehr abfließt. Ver- und Entsorgungssicherheit liegt den Stadtwerken Oranienburg deshalb besonders am Herzen.

Vor gut zwei Jahren ließen die Stadtwerke bereits einen Düker unter dem Oder-Havel-Kanal verlegen mit Trinkwasser-, Abwasser- sowie Strom- und Gasleitungen, um die Ver- und Entsorgungssicherheit für Oranienburgs größten Ortsteil Lehnitz zu  verbessern. Voriges Jahr wurde schließlich die zweite Abwasserdruckleitung (ADL) vom Pumpwerk Lehnitzstraße zum Hauptpumpwerk Pinnow fertiggestellt.

"Erst mit Inbetriebnahme dieses zweiten Entsorgungsweges konnten wir uns der maroden alten Abwasserdruckleitung zuwenden", sagt Thomas Schlegel, Abteilungsleiter Abwasser der Stadtwerke, die die Betriebsführung für den Entwässerungsbetrieb Oranienburg (EBO) innehaben. Seit September 2018 wird die inzwischen stark korrodierte alte Abwasserdruckleitung saniert, nachdem sie leer gepumpt und vom Netz genommen wurde. Immer mehr Schadstellen häuften sich.

Nach dem Starkregen vom 29. Juni 2017 kam es in der Hildburghausener Straße zu einem größeren Rohrbruch, der rasch geflickt werden musste. Ansonsten hätte Oranienburg damals ein größeres Abwasserproblem bekommen. Immerhin gut 6 000 Kubikmeter fallen davon täglich in der Kreisstadt an. Das wäre spätestens das Signal gewesen, dass mit der alten ADL kein Staat mehr zu machen ist, so Schlegel. Die Planungen für die Sanierung lagen zu dem Zeitpunkt aber bereits vor.

Alles ist natürlich auch eine Kostenfrage. Rund 1,5 Millionen Euro haben die Stadtwerke für die zweite Abwasserdruckleitung, über die derzeit die Oranienburger Abwässer nach Pinnow und von dort zur Kläranlage Wansdorf gepumpt werden, aufgewendet. Auf zirka 2,5 Millionen Euro werden die Sanierungskosten für die alte Druckleitung beziffert. "Das sind alles Investitionen in die Sicherheit unserer Entsorgungswege, ohne dass die Gebühren erhöht werden", sagt Schlegel.

Wie die Sanierung der alten Druckleitung vonstatten geht, lässt sich derzeit in der Walther-Bothe-Straße beobachten. Auf der Grünfläche neben der Straße zwischen Haller - und Zeller Straße liegen die neuen PE-Rohre. Ihr Durchmesser ist um rund vier Zentimeter kleiner als der der maroden Abwasserdruckleitung. Die neuen Rohre, die mit einer besonders robusten Außenschicht versehen sind, werden in die zu sanierenden Gussrohre abschnittsweise mit Seilwinden eingezogen. Bis auf den Abschnitt der Walther-Bothe-Straße und den Düker unter der Havel zum alten Klärwerk sind die Leitungen auf der insgesamt rund 4 350 Meter langen Strecke bereits verlegt.

Das Rohr-in-Rohr-Verfahren sei ein ganz gängiges, wissen Uwe-Torsten Hinke, Abteilungsleiter Planung und Bau der Stadtwerke, und Thomas Schlegel. Bis auf wenige Baugruben könne auf ein aufwendiges Buddeln von Verlegegräben verzichtet werden. Allerdings werde eine Menge Platz benötigt, um die bis zu 200 Meter langen neuen Rohren zu verlegen. An der Ecke Arthur-Becker-Straße/ Walther-Bothe-Straße bekommt die Leitung zwei 45 Grad-Winkel, um dem weiteren Verlauf durch die Arthur-Becker-Straße folgen zu können.

Die Bauarbeiten führen allerdings zu ein paar Verkehrsbeeinträchtigungen. So ist die Einfahrt in den östlichen Abschnitt der Walther-Bothe-Straße von der Berliner Straße aus bis voraussichtlich Ende März  gesperrt. "Außerdem gibt es weitere Verkehrseinschränkungen auf der Walther-Bothe-Straße zwischen Berliner Straße und Arthur-Becker-Straße", bittet Uwe-Torsten Hinke um Verständnis.

Von der Arthur-Becker-Straße ist ein Auffahren auf die Walther-Bothe-Straße ebenfalls nicht möglich. Wegen der Bauarbeiten ist die Walther-Bothe-Straße in dem Bereich zudem eingeengt. Die Fahrspur stadtauswärts wird dort vorübergehend über den Geh- und Radweg verschwenkt. "Mit gegenseitiger Rück- und Vorsicht bleibt ein Passieren  in beide Richtungen aber  möglich", sagt Hinke. Weitere Baugruben gibt es zudem auf Höhe der Haller Straße und vor der Torhorstschule.

Wenn ein plötzlicher Wintereinbruch nicht noch für Verzug sorgt, soll die gesamte Baumaßnahme bis Ende April beendet sein. Dann hat Oranienburg wirklich zwei Entsorgungswege für sein Abwasser und ist damit auf der sicheren Seite, sollte es an einer Stelle mal Probleme geben.

Entwässerung

■ Rund 2,1 Million Kubikmeter Abwasser werden vom Entwässerungsbetrieb Oranienburg (EBO) pro Jahr zum Klärwerk Wansdorf geleitet. Zirka 235 000 Kubikmeter davon kommen vom Eigenbetrieb Leegebruch.

■ Der EBO, dessen Betriebsführung durch die Stadtwerke erfolgt, plant für das laufende Jahr 8,8 Millionen Euro an Erträgen und 8,1 Millionen Euro an Aufwendungen. Der Jahresgewinn beträgt 747 000 Euro. Kredite sind in Höhe von 1,2 Millionen Euro geplant.⇥(bren)

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG