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Fridays for future
"Wir streiken, bis die Politik handelt"

Paula Schelenz / 15.03.2019, 14:15 Uhr - Aktualisiert 15.03.2019, 14:22
Oranienburg (Paula Schelenz) Warum für eine Zukunft lernen, die es so wahrscheinlich nie geben wird?" Mit dieser Frage brachte die 16-jährige schwedische Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg viele Jugendliche zum Nach- und Umdenken. So auch die 15-jährige Masha Wille. Sie besucht die 10. Klasse des Louise-Henriette-Gymnasiums in Oranienburg und ist eine begeisterte Anhängerin der Aktion "Fridays for future". "Es ist etwas anderes, wenn man weiß, dass die Auswirkungen einen selber treffen und nicht erst die Enkel und Urenkel", antwortete Masha in einem Interview. Mit ihr sprach Paula Schelenz .

Wodurch bist du auf das Projekt "Fridays for future" aufmerksam geworden und hat es sofort dein Interesse geweckt?

Masha Wille: Als ich durch Karl Klingeberg, einen guten Freund von mir, der auch die Demos in Berlin mitorganisiert, davon erfahren habe, wollte ich sofort mitmachen. Ich habe versucht, Freunde zu motivieren mitzukommen, um nicht alleine gehen zu müssen, aber es wollte niemand, also bin ich letztendlich doch ich auf bekannte Gesichter gestoßen, die ich aus anderen Kontexten kannte. Das hat mich gefreut.

Was bewegt dich persönlich, jeden Freitag demonstrieren zu gehen und was erhoffst du dir davon?

Ich gehe demonstrieren, weil wir die Generation sind, die den Klimawandel mitbekommt. Ich möchte eine lebenswerte Zukunft für mich, meine Familie, meine Freunde und natürlich alle Tiere.

Stören dich versäumter Unterrichtsstoff oder versäumte Tests und Klausuren nicht?

Klar stört es mich. Wir müssen den versäumten Stoff an den Wochenenden und in unserer Freizeit nachholen, wir verlegen den Unterricht also nur. Das ist zwar anstrengend, aber ich nehme die Fehltage und möglicherweise auch schlechte Noten in Kauf, weil ich daran glaube, dass es etwas bewirken kann und um mich für unsere Zukunft stark zu machen. Das erste Mal, als ich streiken war, haben wir in Geografie einen Test zum Thema Nachhaltigkeit geschrieben, da wurde ein Auge zugedrückt, weil es ja genau das Thema trifft. Also durfte ich den Test nachschreiben. Oder ich fahre erst nach Klausuren zur Demo.

Oft wird kritisiert, dass Jugendliche sich für nichts interessieren. Nun wird euch vorgeworfen, ihr würdet nur demonstrieren, um die Schule zu schwänzen.

Ich finde dieses Argument doof, da es viel anstrengender ist und mehr Arbeit macht. Aber wir machen es aus Überzeugung. Klar gibt es immer den einen Part, der sich nicht interessiert. Aber ich würde sagen, der geht auch nicht auf die Demos. Ich habe auf den Kundgebungen noch niemanden getroffen, dem das Thema egal war. Ich denke auch nicht, dass die Jugendlichen generell desinteressiert sind, viel eher war das Interesse schon immer vorhanden, jedoch sahen Schüler kaum eine Möglichkeit, aktiv zu werden. Durch "Fridays for future" ist das nun möglich. Wir müssen nicht erst Studenten oder Erwachsene werden, um etwas verändern zu können.

Werden dich die vielen unentschuldigten Fehltage auf dem Zeugnis stören oder kannst du damit umgehen, weil du weißt, etwas für die Umwelt getan zu haben?

Ich bin in der 10. Klasse und habe mich auf ein internationales Programm beworben. Es heißt UWC, das ist ein weltweit anerkannter Abschluss, den man im Ausland macht und bei dem man englischsprachig unterrichtet wird. Man muss sich dort mit dem Abschlusszeugnis der 10. Klasse bewerben, auf dem ich aber jetzt schon sieben unentschuldigte Fehltage habe. Erst hatte ich totale Panik, aber ich habe dann eine E-mail an UWC geschrieben, in der ich erklärte, dass die Fehltage wegen "Fridays for future" auf meinem Zeugnis stehen. Unerwarteterweise hatten sie vollstes Verständnis und befürworteten mein Engagement sogar. Darüber war ich sehr froh. Leider befürchte ich, dass die Fehltage aber oft schlechte Auswirkungen haben können.

Was tust du, abgesehen von deinen Demo-Besuchen, sonst für mehr Umweltbewusstsein und den Klimaschutz?

Ich bin schon lange Veganerin, ganz unabhängig von "Fridays for future". Jetzt mache ich es halt noch viel bewusster. Außerdem vermeide ich es komplett zu fliegen, und ich versuche so häufig es geht den ÖPNV zu nutzen. Ich vertrete aber die Meinung, dass es nicht genug bringt, wenn nur vereinzelt Menschen auf ihr Verhalten achten. Es ist viel wichtiger, dass die Massentierhaltung eingestellt wird und dass Kerosin besteuert wird, außerdem sollte der Staat eine nachhaltige Lebensweise attraktiver machen und den ÖPNV ausbauen, damit die gesündere und umweltbewusstere Lebensweise gleichzeitig die einfachere und günstigere ist. Dann würden Veränderungen schneller und sichtbarer werden.

Ich persönlich gehe noch nicht demonstieren und viele andere auch nicht. Warum sollten wir es tun?

Wenn euch eure Zukunft wichtig ist und ihr euch mit den Zielen von "Fridays for future" identifizieren könnt, solltet ihr auf jeden Fall demonstrieren gehen. Wir alle haben in der Schule schon etwas über die Folgen vom Klimawandel gelernt. Wenn ihr also gut aufgepasst habt, dann wisst ihr ja, was auf dem Spiel steht. Ich finde, es ist auch okay, wenn man mal nicht zum Streik geht, weil zum Beispiel Klausuren stattfinden, aber ihr könnt trotzdem andere Leute informieren und motivieren sich zu engagieren. Oder ihr beteiligt euch passiv, indem ihr einen Geldbetrag spendet, das würde auch helfen.

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