Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Namenszusatz
Hohen Neuendorf wird jetzt offiziell zur "Bienenstadt"

Verteilertruppe: Die Mitglieder der Imker-AG an der Waldgrundschule haben am Freitagmachmittag geholfen, die Samentüten unters Volk zu bringen. Mehrere hundert Tüten sind von den Passanten mitgenommen worden.
Verteilertruppe: Die Mitglieder der Imker-AG an der Waldgrundschule haben am Freitagmachmittag geholfen, die Samentüten unters Volk zu bringen. Mehrere hundert Tüten sind von den Passanten mitgenommen worden. © Foto: Jürgen Liebezeit
Heike Weißapfel / 30.03.2019, 09:00 Uhr
Hohen Neuendorf (MOZ) Die Stadt Hohen Neuendorf wird als zusätzliche Bezeichnung künftig den Namen "Bienenstadt" führen. Das haben die Stadtverordneten am Donnerstagabend mit der dafür nötigen Dreiviertelmehrheit beschlossen.

"Hohen Neuendorf ist eine großartige Stadt und eine wirklich große Stadt: 27 000 Einwohner", leitete Holger Mittelstädt (SPD) den Antrag ein. Ihm ging es diesmal aber weniger um die Menschen: "65 Millionen Bienen leben ungefähr im Sommer in der Stadt, auf jeden Einwohner kommen also 2 500 Bienen", rechnete er die Bienen-Metropole vor. Denn es gebe etwa 1 300 Bienenvölker in Hohen Neuendorf, die im Sommer jeweils eine Stärke von bis zu 50 000 Bienen aufweisen würden.

Schon längst ist Hohen Neuendorf eine den Bienen zugewandte Stadt, nicht nur wegen der "tanzenden Bienen" am Bahnhof und die "Bienenflug"-Skulptur an der Berliner Straße. Der Hohen Neuendorfer Imkerverein ist einer der größten des Landes, vier Schulen halten ihre eigenen Völker.

In der Buchhandlung Behm gebe es ein ganzes Regal mit Bienenbüchern, hat Mittelstädt festgestellt. Nicht zuletzt hat das Länderinstitut für Bienenkunde hier seinen Sitz. Der Zusatz "Bienenstadt" sei als identitätsstiftendes Aushängeschild und ebenso als eine willkommene Verpflichtung gemeint, so Mittelstädt.

Schon 2013 hatte der Chef des Mehrländerinstituts, Professor Dr. Kaspar Bienefeld, den Namenszusatz vorgeschlagen. Wohlwollend diskutiert, reifte aber nie ein Antrag zum Beschluss. Nun war es ein gemeinsamer Antrag von CDU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen, Stadtverein und dem fraktionslosen Stadtverordneten der FDP – also eigentlich von fast allen. Es soll kein amtlicher Name der Stadt sein, wie bei "Lutherstadt Wittenberg", sondern ein Zusatz, der beispielsweise für Marketing oder andere Aktionen verwendet werden kann. Dennoch wurde noch einmal ein wenig diskutiert.

"Es sollte nicht bei Symbolpolitik bleiben", so Thomas von Gizycki (B 90/Grüne). "Wir sind hoffnungsvoll, dass uns das gelingt." "Dabei sollte es uns um alle Insekten gehen", betonte Dr. Hans-Joachim Guretzki (Stadtverein). Dagegen sagte Dr. Sylvia Scholz (Linke): "An sich finde ich den Zusatz ganz toll. Aber es gefällt mir nicht, dass wir ihn den Bürgern so überstülpen", schlug sie eine Bürgerbefragung vor. "Wir müssen die Bürger mitnehmen, nur dann können wir erwarten, dass sie mitmachen." Auch Norbert Matthes (parteilos) befürwortete einen Bürgerentscheid. Ein Namenszusatz nütze nichts, wenn "zehn Meter von den Gärten der Leute entfernt" Pestizide auf die Felder gefahren würden.

"Hohen Neuendorf ist schon eine Bienenstadt", sagte Christian Wolff (CDU) "Die Idee ist tief verankert." "Ein Bürgerentscheid hilft uns nicht weiter", fand Christian Erhardt-Maciejewski (FDP). "Eine Dreiviertelmehrheit der Stadtverordneten ist trotzdem nötig." Wie bei der Ofenstadt Velten ergebe sich eine breite Mehrheit in der Bevölkerung sowieso. Michael Heider (CDU) wunderte sich über die breite Debatte. "Die Tütchen sind eine Idee aus dem Bürgerhaushalt", hob er eine Tüte Wildblumensaatgut in die Höhe, die die Stadt zu Tausenden bestellt hat und am Freitag am Bahnhof verteilte. "Überall stehen Bienenstöcke", zählte er auf. Die SDW habe Bienenstöcke, der Fachmann Matthias Schulz (SPD) tue viel für die Verbreitung der Bienenzucht. Die Bevölkerung sei damit bereits mittendrin.

"Die Idee, die Bürger mitzunehmen, finde ich gut. Das können wir noch im Nachhinein", meinte Dr. Hans-Joachim Guretzki (Stadtverein). "Wir unterstützen aber den Antrag nicht, weil wir den wirtschaftlichen Aspekt im Vordergrund sehen." Lukas Lüdtke kündigte an, die Linke werde das Unternehmen kritisch, aber positiv begleiten.

Mit 22 Ja-Stimmen von 25 wurde die nötige Mehrheit erreicht. Es gab zwei Enthaltungen. "Sie verpassen der Stadt den Beinamen ‚Bienenstadt’, sie ist es aber nicht", begründete Matthes seine Ablehnung. "Ich habe begeistert zugestimmt. Ich finde, das war überfällig. Es ist eine Herausforderung. Den wirtschaftlichen Aspekt kann man immer sehen. Aber wir können hier auch Vorbild sein für andere Kommunen", erklärte Vorsteher Dr. Raimund Weiland (CDU). "Ich bin überglücklich, dass wir das endlich geschafft haben", sagte Holger Mittelstädt anschließend. "Das passt super zu uns."

"Find ich gut!", reagierte auch Kaspar Bienefeld erfreut. "Wenn wir Hohen Neuendorf bienen- und insektenfreundlicher machen, kommt das auch den Menschen zugute", sagte er auf Nachfrage. Er hege keine Bedenken, dass sich die Stadt dadurch etwa zu einseitig ausrichten könnte. "Das heißt ja keineswegs, dass Kunst, Sport und Kultur keine Bedeutung haben. Da braucht sich keiner vernachlässigt zu fühlen."

Paragraf 9

Der Paragraf 9 der Brandenburger Kommunalverfassung regelt Namen und Bezeichnung von Kommunen. In Absatz 5 heißt es:

"Die Gemeinde kann auch eine zusätzliche Bezeichnung, die auf die Historie, die Eigenart oder die Bedeutung der Gemeinde hinweist, führen. Die Gemeindevertretung kann mit einer Mehrheit von drei Vierteln der gesetzlichen Anzahl ihrer Mitglieder diese Bezeichnung bestimmen oder ändern. Die Bestimmung oder Änderung der Bezeichnung ist dem für Inneres zuständigen Ministerium anzuzeigen und gilt als verliehen, wenn nicht von diesem innerhalb eines Monats nach Eingang schriftlich der Gemeinde gegenüber Bedenken erhoben werden."

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG