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Betreutes Wohnen
Notruf funktioniert nicht - Ehepaar wartet vergeblich

Edda Geringer-Birkholz und Jürgen Geringer sind auf Hilfe angewiesen und erwarten, dass das Notrufsystem im seniorengerechten Wohnen auch tatsächlich funktioniert. "Nicht zuletzt deshalb sind wir hier doch eingezogen", sagen sie.
Edda Geringer-Birkholz und Jürgen Geringer sind auf Hilfe angewiesen und erwarten, dass das Notrufsystem im seniorengerechten Wohnen auch tatsächlich funktioniert. "Nicht zuletzt deshalb sind wir hier doch eingezogen", sagen sie. © Foto: Friedhelm Brennecke
Friedhelm Brennecke / 14.04.2019, 11:47 Uhr - Aktualisiert 15.04.2019, 09:35
Oranienburg (MOZ) Mehr Sicherheit im Alter und Hilfe, wenn sie wirklich benötigt wird. Das haben sich Edda Geringer-Birkholz und Jürgen Geringer erhofft, als sie vor einigen Monaten aus ihrer Berliner Wohnung ins seniorengerechte Wohnen im "Haus Louise Henriette von Oranien" an der Bernauer Straße 67 a eingezogen sind. "Service, der keine Wünsche offen lässt und ein Notrufsystem, das rund um die Uhr den ,heißen Draht’ zu uns garantiert", so wirbt die Unternehmensgruppe Michael Bethke für ihre Einrichtung, die sich der Philosophie "Wir pflegen Menschlichkeit" verpflichtet sieht.

"Leider sind wir hier schon mehrmals enttäuscht worden", klagt Jürgen Geringer, der schwer herzkrank ist, auf eine Sauerstoffversorgung, einen Rollator in der Wohnung und für Fahrten in die Stadt auf ein Elektromobil angewiesen ist. Damit hat der 74-Jährige gelernt umzugehen.

Doch vorigen Sonntag trat das ein, was Ehefrau Edda, die ebenfalls gehbehindert ist, außerhalb der Wohnung einen Rollator benötigt und unter Depressionen leidet, noch immer schwer zu schaffen macht. Ihr Mann war im Bad nach Herzrhythusstörungen gestürzt. "Ich bediente sofort den Notruf. Doch nichts passierte", sagt die 79-Jährige. "Ich hatte große Angst um meinen Mann. Aber keine Hilfe kam", sagt sie. Weil Edda Geringer eine Telefonnummer der Servicekräfte in der Küche hatte, rief sie dort an und bat schluchzend um Hilfe. Zwei Mitarbeiter kamen, halfen ihrem Mann wieder auf und verständigten den Rettungsdienst.

Die beiden Helfer überprüften auf ihre Bitte hin auch den Notruf: "Sie sagten mir, dass das System technisch einwandfrei funktioniert, nur am anderen Ende der Leitung offenbar niemand abnahm", berichtet Edda Geringer. "Es hätte nicht viel gefehlt und mein Mann wäre in der Wohnung gestorben, weil keine schnelle Hilfe zu erreichen war", ist sie vom nicht funktionierenden Notruf noch immer schockiert.

Noch ein Problem

"Wir zahlen für dieses System doch eine Menge Geld und müssen uns darauf verlassen können, wenn es um Leben und Tod geht", finden die Eheleute. In ihrem Bad haben sie überdies festgestellt, dass die Notruf-Leine abgeschnitten ist. Ein Handwerker habe das überprüft und festgestellt, dass es da gar keine Verbindung zu einem Rufsystem gebe.

Noch ein anderes Problem, das sich mehr und mehr zu einem Dauerbrenner auswächst, belastet die Eheleute. "Der Fahrstuhl fällt permanent aus. Ich hatte heute einen Arzttermin, den ich absagen musste, weil ich hier gefangen bin und die Wohnung im ersten Stock mit meinem Elektro-Scooter nicht verlassen kann", sagt Jürgen Geringer. Tatsächlich verkehrte der Fahrstuhl nur zwischen Erdgeschoss und zweiter Etage und sparte das erste Stockwerk aus. Oft bewege sich der Aufzug aber auch gar nicht.

Unternehmer Michael Bethke räumt ein, dass der Fahrstuhl öfters mal ein Störfaktor ist.  "Wir verständigen dann sofort den Techniker, um den Aufzug wieder in Gang zu setzen. Die Tragseile habe ich für 8500 Euro bereits austauschen lassen. Ich weiß nicht, was ich sonst noch machen soll", sagt Michael Bethke.

Dass der Notruf nicht besetzt gewesen sein soll, kann sich Bethke aber nicht vorstellen. "Drei Mitarbeiter garantieren, dass rund um die Uhr Notrufe angenommen werden", sagt er. Sollte doch ein technischer Defekt vorgelegen haben, wäre das von dem Notrufsystem angezeigt worden. Eine Störmeldung habe es aber nicht gegeben. "Dass der Notruf technisch funktionierte, haben  mir die Servicekräfte ja auch bestätigt", versichert Edda Geringer.

Den Hausmeister will Bethke anweisen, den Notruf im Bad der Eheleute Geringer zu überprüfen. "Dass dort nur eine Attrappe von Notruf mit gekappter Leine angebracht sein soll, das kann nicht sein. Denn dann würden wir in Teufels Küche kommen", weist er die Kritik des Ehepaars zurück. Von einer Attrappe könne nicht die Rede sein, verwahrt sich Bethke gegen die Vorwürfe.

Sie haben auch ein Problem? Wir kümmern uns darum. Schreiben Sie uns unter lokales@oranienburger-generalanzeiger.de; Stichwort: Dranbleiben. Oder rufen Sie an 03301 596322.

Haus Louise Henriette

Die Seniorenresidenz Louise Henriette von Oranien wurde 2009 von der Michael Bethke Unternehmensgruppe eröffnet. Neben einem Pflegeheim existiert dort ein betreutes Wohnen.

Die Anlage an der Bernauer Straße soll noch um weitere altersgerechte Wohnungen erweitert werden.⇥bren

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