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Wahlkampf
Gysi ruft in Eichstädt zum Urnengang auf

Gaststar in Eichstädt: Sebastian Wolf (links), Vorsitzender des Linken-Ortsverbandes Oberkrämer, freute sich sehr, dass er Gregor Gysi für einen Vortrag gewinnen konnte.
Gaststar in Eichstädt: Sebastian Wolf (links), Vorsitzender des Linken-Ortsverbandes Oberkrämer, freute sich sehr, dass er Gregor Gysi für einen Vortrag gewinnen konnte. © Foto: Wiebke Wollek
Wiebke Wollek / 02.05.2019, 10:44 Uhr
Eichstädt (MOZ) Für einen Auftritt im Pumpwerk holten sich Oberkrämers Linke Gregor Gysi nach Eichstädt. Der Präsident der Europäischen Linken rief seine Zuhörer auf, ihr Wahlrecht zu nutzen.

Eine gute Stunde kann sich der große Politiker freihalten für seinen Besuch auf dem Land am Dienstag. Dann muss er schnell zurück nach Berlin. Ein wichtiger Abendtermin wartet. "Es geht um Europa. Es ist kompliziert", erklärt Gregor Gysi seinen rund 70 Zuhörern im Pumpwerk am Eichstädter Uppstahlpfuhl.

"Wir sind schon stolz darauf, dass ausgerechnet der Präsident der Europäischen Linken unserer Einladung nach Eichstädt gefolgt ist", berichtet Sebastian Wolf, Vorsitzender des Ortsverbandes Oberkrämer. "Das war eine fixe Idee, die uns während einer Sitzung vor etwa zwei Monaten kam", sagt Wolf. "Lasst uns doch einfach mal fragen – so haben wir gedacht."

Eloquenter Redner

Über den Kreisverband entstand schließlich der Kontakt zu Gysis Mitarbeitern, der den 30. April vorgeschlagen habe, berichtet Wolf, der gemeinsam mit drei weiteren der sechs Kandidaten aus Oberkrämer – Patrick Zechel, Josefine Wolf und Carsten Schneider – bei der Veranstaltung am Dienstag mit vor Ort war. "Er ist ein wahnsinnig toller Redner", sagt Sebastian Wolf.

Gregor Gysi spricht von den Problemen in der Europäischen Union. "Warum ist die EU gefährdet? Weil jeder Staat nationale egoistische Interessen vertritt", sagt Gysi. Die Europäischen Linken wollen hin zu einem sozialen, demokratischen und friedlichen Europa. Die Sicherung der EU sei deshalb oberstes Gebot. "Es gab noch nie Krieg zwischen zwei Mitgliedsstaaten. Wenn die EU kaputt geht, kehrt der Krieg zurück", warnt Gysi. Eine Entwicklung hin zum Nationalstaat mit "Grenze, Pass und Visumspflicht" dürfe keinesfalls passieren. "Wir sind dazu verpflichtet, die EU zu erhalten – für die Jugend." Positiv stimmt ihn die "Fridays for Future"-Bewegung. "Ich könnte ja sagen, so lange ich da bin, halte ich das Klima noch aus. Aber bei den Schülern geht es um Jahrzehnte ihres Lebens. Sie sollen ruhig den Alten den Marsch blasen. Ich könnte den Kindern noch mehr Themen für ihre Streiks vorschlagen, aber sie sollen ja auch noch zur Schule gehen." Essenziell sei die Chancengleichheit für Kinder und Jugendliche beim Zugang zu Bildung, Kunst und Kultur. Man solle weg davon, nur die Finanzen im Auge zu behalten. "Eine Oper rechnet sich nie", konstatiert Gysi. Ebenso sollen Krankenhäuser nicht in erster Linie wirtschaftlich sein. "Kliniken müssen sich nicht rechnen, sondern sie sind für Gesundheit zuständig", erklärt Gysi und erntet dafür lauten Applaus.

Ebenso plädiert er für die Gleichstellung von Männern und Frauen, die Angleichung der Gehälter in Ost und West und die Sicherung der Rente. Seine Partei kämpfe aber nicht nur für die sozial Schwachen, auch der Mittelstand müsse gestärkt werden. "Die Kleinen können nicht, die Großen drücken sich." Der Mittelstand bezahle ehrlich seine Steuern, Banken und Konzerne jedoch nicht. "Es ist wichtig, dass Sie zur Wahl gehen, zur Kommunalwahl und zur Europawahl", appelliert Gysi an sein Publikum. "Sagen Sie auch Ihren Nachbarn Bescheid, dass Wahlen sind. Es ist besser, als sich später über Fehlentscheidungen zu ärgern." Für Gregor Gysi ist der Besuch in Eichstädt nicht nur irgendein Auftritt auf dem Land. Er hat sich vorab mit den Wahlkampfthemen der Linken in Oberkrämer auseinander gesetzt. "Sie brauchen eine Weiterführende Schule. Alles andere wäre eine Zumutung", betont Gysi, was ihm den Jubel der Gäste sichert. Auch beim Kampf um mehr sozialen Wohnungsbau in Oberkrämer geht er mit. Ebenso lobt er das Ziel der Linken nach einem Verkehrswegekonzept. Der Lückenschluss von Radwegen sei ebenso wichtig, wie der Schienenverkehr. "Wenn ich in Brandenburg unterwegs bin, sehe ich so viele trostlose Bahnhöfe, die noch zu DDR-Zeiten in Betrieb waren. Dabei ist Mobilität so wichtig", betont Gysi.

Zur Person

1948 wird Gregor Gysi in Berlin geboren. Von 1966 bis 1970 studiert er Rechtswissenschaften an der Humboldt Universität. In dieser Zeit wird er Mitglied der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED). Nach seiner Zulassung zum Rechtsanwalt verteidigt Gysi unter anderem die Systemkritikerin Ulrike Poppe.

1989 erwirkt der Politiker die Genehmigung zur Großdemonstration am 4. November in Berlin, bei der er auch als Redner auftritt und ein neues Wahlrecht sowie ein Verfassungsgericht fordert. Er übernimmt kurz darauf den Vorsitz der SED-PDS, die 1990 in Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS) umbenannt wird. 1990 wird er Mitglied des Deutschen Bundestages.

2005 zur Bundestagswahl ist Gregor Gysi Spitzenkandidat der PDS, die sich in Die Linkspartei.PDS umbenennt. Bis 2015 ist Gysi dort Vorsitzender der Linksfraktion. Am 17. Dezember 2016 wählt ihn die übernationale Europäische Linke auf einem Parteitag in Berlin zu ihrem Präsidenten. Der Zusammenschluss kämpft für ein soziales, demokratisches und friedliches Europa⇥wol

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