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Regionalbahn
Offene Wut über Zugausfälle der RB 55

Verbindet Kremmen mit Hennigsdorf und den Dörfern dazwischen: Die Regionalbahn 55 holt die Menschen auf dem Land zum S-Bahn-Anschluss. Doch Ausfälle und Verspätungen sorgen seit Jahren für jede Menge Frust.
Verbindet Kremmen mit Hennigsdorf und den Dörfern dazwischen: Die Regionalbahn 55 holt die Menschen auf dem Land zum S-Bahn-Anschluss. Doch Ausfälle und Verspätungen sorgen seit Jahren für jede Menge Frust. © Foto: Archiv
Marco Winkler / 10.05.2019, 09:20 Uhr - Aktualisiert 10.05.2019, 10:47
Kremmen/Hennigsdorf (MOZ) Die Verspätungen und Ausfälle der RB 55, der zwischen Kremmen und Hennigsdorf pendelt, sind nicht mehr hinnehmbar. Dieser Meinung ist Uta Hoffmann. Sie sitzt für die SPD im Ortsbeirat Schwante und in der Gemeindevertretung Oberkrämer. Die Schwanterin, die jeden Tag zur Arbeit an die Humboldt-Universität zu Berlin fahren muss und dafür auf die Bahn angewiesen ist, hat einen offenen Brief ans Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung geschrieben.

Er scheint, diese Woche habe das Fass zum Überlaufen gebracht. Aus "betrieblichen Gründen" geht noch bis Sonntag nichts mehr auf der Strecke. Sämtliche Züge der RB 55 fallen aus, ein Schienenersatzverkehr mit Bussen ist eingerichtet. Haltestellen in Schwante, Vehlefanz, Bärenklau und Velten werden dann nicht bedient. Die Situation ist seit Jahren keine Ausnahme auf der Strecke.

Die RB 55 ist die unpünktlichste Linie im Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB). 2017 erstellte der Verbund eine Rangliste. Ergebnis: Nur 86,3 Prozent der Züge sind pünktlich. Alle anderen Züge haben eine Verspätung von fünf Minuten und mehr. "Wir als Kunden*innen der Linie RB 55 bezahlen seit Monaten für eine Leistung, die wir nicht bekommen!", steigt Uta Hoffmann in ihrem offenen Brief ein, den sie auch an die Presseabteilung der Deutschen Bahn geschickt hat.

Sie fordert das Ministerium auf, sich "umgehend um die Situation des öffentlichen Nahverkehrs und die Aufgaben, die die Bahn diesbezüglich zu erfüllen hat - insbesondere auf der Linie RB 55 - zu kümmern!" Ihre Sätze sind mit Ausrufezeichen versehen. Seit Jahren beobachtet sie die Bahnsituation kritisch.

Vor einem halben Jahr wendete sie sich ans Infrastrukturministerium. Sie bot ihre Zusammenarbeit als betroffene Bürgerin an, wollte helfen, Lösungen zu finden, gerade für den Ersatzverkehr bei Bauarbeiten wie auf dem Bahnhof Velten. Eine Reaktion erhielt sie Monate später. Sie war entsetzt ob der unverbindlichen Antwort vom VBB (das Ministerium meldete sich nicht). Was sie bekam außer ein paar Worten: einen Gutschein über zehn Euro.

Die Situation auf ihrer Bahnstrecke verschärfe sich und sei unhaltbar, so Uta Hoffmann in ihrem Schreiben. Streckenbauarbeiten, Zugführerausfälle, Komplettausfälle. Für Pendler sei das schlichtweg nicht mehr tragbar.

"Ich erwarte, dass die Verantwortlichen im Ministerium in Zusammenarbeit mit den Kommunen – hier insbesondere die anliegenden Kommunen: Kremmen, Oberkrämer und Velten – Gespräche führen und nachhaltige kurz- und langfristige Lösungen erarbeiten", ist in dem offenen Brief zu lesen. Sie will, dass die von der Regionalentwicklungsplanung angepriesene Attraktivität auf der Strecke auch eingelöst wird. Die Bahn plant derweil, die RB 55 statt stündlich in Zukunft jede halbe Stunde fahren zu lassen. Wenig Trost für Pendler, die unter den aktuellen Ausfällen leiden. "Die Betroffenen schaffen sich ein (Zweit-)Auto an, um bei den Arbeitgebern pünktlich anzukommen." Schüler aus Oberkrämer müssten bis zu einer Stunde früher als sonst aufstehen, um zu Schulbeginn in Velten zu sein. Die Situation sei aus regionalentwicklungspolitischen, klimatischen und sozialen Gesichtspunkten nicht tragbar. An das Ministerium schreibt Hoffmann: "Ich fordere Sie auf, eine schnelle gemeinsame Lösung zu erarbeiten!"

Bahn gibt betriebsbedingte Gründe für Zugausfall an

Betriebsbedingte Gründe gibt die Deutsche Bahn regelmäßig für die Ausfälle der Züge der Linie RB 55 an. So auch im aktuellen Fall. Seit Donnerstag und noch bis diesen Sonntag fährt die Regionalbahn zwischen Kremmen und Hennigsdorf nicht mehr.

Busse dienen in dieser Zeit als Schienenersatzverkehr. Angefahren werden alle Bahnhaltestellen (Kremmen, Schwante, Vehlefanz, Bärenklau, Velten, Hennigsdorf).

Wie die Bahn mitteilt, ist während des kompletten Ersatzverkehrs die Beförderung von Fahrrädern, Rollstühlen als auch Kinderwagen nur eingeschränkt möglich. Fahrräder haben hierbei Nachrang. "Das Buspersonal entscheidet im Einzelfall über die Fahrradmitnahme", so die Deutsche Bahn.

Um 5.10 Uhr fährt der erste Bus aus Kremmen los, Ankunft in Hennigsdorf ist 5.55 Uhr. In Hennigsdorf startet der Bus um 4.20 und kommt um 5.05 Uhr in Kremmen an. Infos gibt es unter www.bauinfos.deutschebahn.com.⇥win

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