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Wahlhelfer
Keine Angst vor der Wahl

Volkmar Ernst / 25.05.2019, 11:30 Uhr
Oberhavel (MOZ) Zweimal Schulze: Das mit dem gleichen Familiennamen ist Zufall. Was die beiden verbindet, das sind die am Sonntag anstehenden Wahlen. Max Schulze ist Verwaltungsfachangestellter im Löwenberger Land. Von 2012 bis 2015 hat er dort gelernt und arbeitet jetzt im Hauptamt mit. Dazu gehört auch, Wahlleiterin Martina Kranich bei der Vorbereitung der Wahlen über die Schulter zu sehen, und natürlich mit anzupacken. Im Speziellen ist er für die Software verantwortlich. Die am Abend gelieferten Ergebnisse müssen schnell erfasst und weitergeleitet werden. Doch er wird, ebenso wie die Wahlleiterin, am Sonntag bereitstehen, wenn etwas passieren sollte. Eigentlich kaum anzunehmen. Wer die Löwenberger Wahlleiterin kennt, der weiß, dass sie nichts dem Zufall überlässt und alles doppelt, wenn nicht sogar dreifach überprüft. Eine Maus in der Wahlurne, das ist bei ihr undenkbar. Jede Katze würde, wäre sie auf solche Happen angewiesen,  bei ihr verhungern.

Die Wahllokale sind mit Urnen ausgestattet, um genau zu sein, mit vieren – für die Europawahl sowie die Wahlen zum Kreistag, zur Gemeindevertretung und dem Ortsbeirat. Auch Stifte liegen bereit. Sie sind Pflicht, damit niemand anhand des Schreibwerkzeugs die Stimmabgabe zuordnen kann. Und sollten per Zufall tatsächlich welche fehlen oder eine Urne kaputtgehen, dann steht in der Verwaltung Ersatz bereit. Nicht auf dem Dachboden, wo sie eigentlich gelagert werden, sondern längst schon zusammengesetzt im Abstellraum, wie Max Schulze erzählt. Würde also das Telefon klingeln und eine Urne ersetzt werden müssen, wäre das kein Problem. "Nein, geübt hat er das nicht", sagt er und lacht. Aber liefern könnte er den Ersatz sozusagen blind.

Etwas stressiger wird es, wenn nach Schluss der Wahllokale die Stimmen ausgezählt und die Ergebnisse eingegeben werden müssen. Doch wurde das getestet, mehrmals. Insofern ist sich Max Schulze sicher, dass eigentlich nichts schiefgehen  kann.

Das sieht auch Sylvia Schulze nicht anders. Früh aufstehen muss sie am Sonntag allerdings schon. Denn damit die Wahllokale pünktlich um 8 Uhr öffnen können, müssen die Unterlagen aus dem Rathaus abgeholt werden. Gemeinsam mit sechs weiteren Mitstreitern wird sie dann darüber wachen, dass auch alle in Hammer, dort ist sie im Einsatz, ihre Stimme abgeben können. Sylvia Schulze ist sozusagen ein alter Hase. Seit der Wende hat sie bei jeder Wahl geholfen, und eigentlich am Ende immer wieder gesagt: "Das war’s! Das muss sich mir nicht nochmal antun." Doch wenn wieder Wahlhelfer gesucht werden, dann ist der Stress längst vergessen. In Erinnerung bleibt immer nur das Gute. "Wir kennen uns, wir sind ein eingespieltes Team. Außerdem ist zwischendurch auch Zeit für einen Plausch, und die Versorgung ist auch gut. Unser Ortsbeirat ist wirklich rührend und kümmert sich um uns. Wir würden uns ja auch etwas mitbringen, aber das ist uns verboten worden", sagt sie und fügt erklärend hinzu. "Nein, kein böses Verbot, sondern ein liebes, weil der Ortsbeirat damit danke sagen will."

Zu den Aufgaben  während der Stimmabgabe gehört der Vergleich der Namen mit dem Wählerverzeichnis und natürlich auch das Beantworten von Fragen. In steter Regelmäßigkeit werden die Wahlkabinen kontrolliert, ob jemand beispielsweise Wahlwerbung ausgelegt hat oder die Stifte noch vorhanden und natürlich auch angespitzt sind. Sollte es Fragen geben, so liegt das Handy bereit, um mit der Wahlleiterin zu sprechen. An Vorkommnisse, ob vor dem Wahllokal oder während der Wahl, kann sich Sylvia Schulze nicht erinnern. "Dafür ist Hammer zu klein, und Martina Schnur als für uns zuständige Wahlleiterin im Liebenwalder Rathaus viel zu akribisch bei der Vorbereitung." Deshalb kann auch sie nicht einmal eine Maus in der Wahlurne vorweisen.

Richtig Konzentration ist dann jedoch ab 18 Uhr gefordert, wenn die letzten Wähler ihre Stimmen abgegeben haben. Die Ansage ist, dass um 18 Uhr das Wahllokal geschlossen wird. Sollte sich vor der Tür tatsächlich eine Schlange gebildet haben, endet hinter dem Letzten in dieser die Stimmabgabe. Dann werden die Stimmen ausgezählt. Wie viele Zettel sind in der Urne? Wer bekommt eine Stimme? Alles wird akribisch kontrolliert, abgehakt, gezählt und nochmal kontrolliert. Bis gegen Mitternacht kann das Auszählen dauern. "Einmal haben wir sogar fast bis 2 Uhr gesessen", kann sich Sylvia Schulze erinnern. Welche Wahl es war, ist längst vergessen. Doch das Gefühl, die Arbeit korrekt erledigt zu haben, wenn die Unterlagen ins Rathaus gebracht werden, sei schon toll, gibt die 65-Jährige gern zu.

Dass sich nach Auszählung der Stimmen die Mitarbeiter der Verwaltung oder der Wahlvorstände noch zu einem "Absacker" treffen, das wird von beiden Schulzes verneint. "Jeder ist zufrieden, wenn die Arbeit geschafft ist", stellen beide dazu nur fest.

Reihenfolge der Auszählung der Stimmen

Die Wahlurnen werden in folgender Reihenfolge geöffnet:● Europaparlament● Kreistag● Stadtverordnetenversammlung      oder  Gemeindevertretung● Ortsbeiräte

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