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Geschichte
Hoffnungsvolles Erinnern

Vorm Haus der Vorfahren in der Bernauer Straße: Brian, Yvonne, Ethan und Seth Harpuder
Vorm Haus der Vorfahren in der Bernauer Straße: Brian, Yvonne, Ethan und Seth Harpuder © Foto: Klaus D. Grote
Klaus D. Grote / 11.06.2019, 21:57 Uhr
Oranienburg (MOZ) Brian Harpuder kam mit Dankbarkeit nach Oranienburg. Der Ururenkel des Ehepaars Isidor und Hedwig Abraham, die einst mit ihren Kindern Ilse und Kurt in dem schönen Gründerzeitbau an der Bernauer Straße 2 lebten und dort ein Geschäft für Herrenbekleidung und Schuhe führten, kam am Dienstag mit seiner Mutter Yvonne und seinen Söhnen Ethan und Seth nach Oranienburg, um an die Vorfahren zu erinnern. Eingeladen hatte das Forum gegen Rassismus und rechte Gewalt. Minette von Korsigk hatte einst den Kontakt zu der in den USA lebenden Familie geknüpft und dazu lange gesucht. Bereits 2006 kam Yvonne Harpuder nach Oranienburg, um bei der Verlegung von vier Stolpersteinen für ihre Großeltern, ihre Mutter Ilse und den Onkel Kurt dabei zu sein.

Nun erinnerten Schülerinnen des Georg-Mendheim-Oberstufenzentrums an das Schicksal der Familie. Isidor und Kurt flohen nach Shanghai, wo viele geflüchtete Juden in gefährlichen und bitterarmen Verhältnissen überlebten. Sie gingen später in die USA. Ilse, die nach ihrer Heirat Feldheim hieß, floh mit ihrem Mann und ihrer Mutter nach Amsterdam, um von dort nach New York überzusetzen. Doch Hedwig blieb zurück und starb 1941 in Holland. Die Daten sind auf den vier Stolpersteinen nachzulesen, die zum gestrigen Tag poliert wurden. Weiße Rosen wurden zu Ehren der Verstorbenen abgelegt.

Kein Wort über den Holocaust kam dem Nachfahren Brian Harpuder über die Lippen, der 44-Jährige, der zurzeit in der US-Botschaft in Berlin arbeitet, zeigte sich sogar stolz über seine deutschen Vorfahren. "Wir können aus der Vergangenheit lernen", sagte er. Sein 15-jähriger Sohn Ethan zeigte sich beeindruckt davon, dass sich Schüler mit der Geschichte seiner Vorfahren auseinandersetzten. Sein Vater sagt noch, dass hoffentlich im kommenden Jahr auch für die Eltern seine Vaters, die einst in Berlin-Wilmersdorf lebten, Stolpersteine verlegt würden. "Ich fühle mich auch immer ein bisschen als Berliner", sagte er.

Bürgermeister Alexander Laesicke (parteilos) bedankte sich bei der Familie für den Besuch in der "historisch belasteten Stadt". "Wir fühlen uns geehrt." Die Opfer des Nationalsozialismus seien auch hier verfolgt und gedemütigt worden. Doch Oranienburg habe sich seither geändert, versicherte Laesicke, der am Rande berichtete, dass er gerne eine Partnerstadt für Oranienburg in Israel finden wolle.

Die Aussage von Brian Harpuder, Rassismus in Deutschland sei Geschichte, wollte Kathrin Willemsen, Sprecherin des Forums und neue Kreistagsabgeordnete für die Linke so nicht stehen lassen. In den Kreistag, der am Ort der früheren Oranienburger Synagoge steht, würden mit der AfD Rassisten einziehen, ebenso in die Oranienburger Stadtverordnetenversammlung. "Es ist deshalb wichtig, dass wir die Erinnerung als Mahnung wachhalten", sagte Kathrin Willemsen.

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