Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Labor
Ist mein Brunnenwasser für den Pool geeignet?

Mit seinem Labor mobil: Harald Gülzow führt Gewässeranalysen durch.
Mit seinem Labor mobil: Harald Gülzow führt Gewässeranalysen durch. © Foto: Klaus D. Grote
Klaus D. Grote / 16.07.2019, 19:00 Uhr - Aktualisiert 18.07.2019, 13:52
Oranienburg (MOZ) "Vor 20 Jahren haben wir das Wasser sogar noch getrunken", sagt Petra Nadler. Jetzt frage sie sich, ob das Wasser aus dem Brunnen ihres Gartens in Oranienburg-Süd überhaupt noch zum Gießens von Obst und Gemüse geeignet sei. Denn das Wasser riecht ein wenig. Auf dem Schlossplatz nutzte sie deshalb am Dienstag die Möglichkeit zur Wasseranalyse des Vereisn VSR Gewässerschutz aus dem nordrhein-westfälischen Geldern.

"Jedes Wasser hat einen Geschmack und einen Geruch", sagt der Diplomphysiker Harald Gülzow. Bei erhöhtem Eisengehalt rieche es leicht muffig, Schwefel sorge für beißenden Geschmack. Fauliger Geruch könne auf eine Fäkalbelastung hinweisen. "Dann sollte die Abwasserleitung überprüft werden", sagt Gülzow. Für die meisten erhöhten Werte gebe es Gründe, die abgestellt werden könnten. Nur äußert selten werde geraten, Brunnnenwasser gar nicht mehr zu nutzen.

Bei der Analyse werden auf Wunsch ganz unterschiedliche Werte bestimmt. In einer Grunduntersuchung, die noch vor Ort im Labormobil durchgeführt wird, geht es um Nitrat-, Säure- und Salzgehalt des Wassers. Die Tests auf Eisen, Phosphat und Bakterien sind umfangreicher und kosten mehr. Die Ergebnisse werden zugeschickt. Dem Verein geht es dabei um Umweltschutz. Denn mit Hilfe der Proben wird eine Karte mit der Nitratbelastung für ganz Deutschland erstellt. In Oberhavel weißt die Karte noch Lücken auf. Im Süden des Kreisses gilt die Nitratbelastung als gering. Eine Probe aus dem Löwenberger Land weist jedoch eine deutlich erhöhte Nitratkonzentration auf.

Zu viel Nitrat, das über Gülle aus der Nutztierhaltung in den Boden gelangt, werde zunehmend zum Problem für das Grundwasser, sagt der Physiker Harald Gülzow vom Verein zum Schutze des Rheins und seiner Nebenflüsse (VSR). Denn das nitratbelastete Grundwasser sickert langsam in Seen und Flüss, wird dann in Nord- und Ostsee transportiert. In den Meeren führt der Nährstoffüberschuss zu vermehrtem Algenwachstum. Das wiederum bringe Sauerstoffverlust und Todeszonen.

Doch zunächst geht es den Gartenbesitzern aus Oberhavel darum, ob ihr Wasser zum Gießen, Hund und Pferd tränken oder Baden geeignet ist.  "Wir haben seit diesem Jahr einen Garten. Ich möchte wissen, ob das Wasser aus dem Brunnen zum Baden meiner Tochter im Pool geeignet ist", sagt Magdalena Wolf. Sie vermutet, dass das Wasser sehr eisenhaltig ist, weil es leicht braun verfärbt sei.

Heidemarie und Uwe Haßfeld haben auch einen Verdacht. Das Wasser aus ihrem Brunnen in Zehlendorf könnte eine hohe Nitratbelastung aufweisen. Das möchten sie auch für die Nachbarn herausfinden. Denn: "Nebenan werden Rinder in Ferchhaltung gehalten", sagt Uwe Haßfeld. Die Gülle gelange also direkt in den Boden. Helga Wolf aus Oranienburg möchte wissen, ob ihr Brunnenwasser Keime oder Bakterien aufweist, weil sie damit ihr Gemüse wasche. Aus diesem Grund bringt auch ein Ehepaar aus Bergfelde eine Halbliterflasche mit Wasser aus 55 Metern Tiefe mit.

110 Proben werden abgegeben. 13 Analysen werden vor Ort durchgeführt, dabei fallen dreimal erhöhte Nitratwerte auf. Im nächsten Jahr will Harald Gülzow mit seinem Labormobil wieder nach Oberhavel kommen, damit die Nitratkarte vollständig wird.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG