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Kultur
Schiffscrew geht in Oranienburg an Land

Klaus D. Grote / 20.07.2019, 09:15 Uhr
Oranienburg. (MOZ) Wenn Samstagabend nach der Vorstellung von Treue Hände 2 die Scheinwerfer auf dem Traumschüff ausgehen und die schwimmende Bühne am Sonntag Richtung Brieselang weiterfährt, dann müssen die Oranienburger  nicht erst bis zum nächsten Sommer warten, um wieder Theater in der Stadt erleben zu können. Die Theaterschiffscrew will im Oranienwerk ihr Winterlager aufschlagen und zu mindestens fünf oder sechs Terminen Stücke auf die Bühne bringen.  Das Theater im Fluss wird zum Theater im Werk, es erzählt dann die Geschichte von Treuhand und Kaltwalzwerkabwicklung genau dort, wo sie 1992 nach dem Verkauf an den Krupp-Konzern passierte.

"Wir wollen mit dem Oranienwerk wachsen", sagt Myriam Oosterkamp vom Traumschüff. Denkbar sei in Zukunft ein größeres Repertoire. Gleichzeitig entwickelt sich das Oranienwerk ständig weiter, nun stehen neue Entwicklungsschritte bevor. "Wir wollen aus dem Kesselhaus eine Kleinkunstbühne machen, mit einer kleinen Tribüne und Platz für 99 Zuschauer", sagt Geschäftsführer Marco Bartsch. Dort könnten die Theaterstücke aufgeführt, die in diesem Jahr gestartete Jazzmatinée eine fest Bleibe finden und dann auch regelmäßiger stattfinden, sagt Oranienwerk-Initiatorin und Miteigentümerin Sabine Opdensteinen. Ziel sei eine Weiterentwicklung einer bunten Mischung, die ganz unterschiedliche Leute zusammenbringe. "Wir wollen keine Blase sein", sagt Sabine Opdensteinen und spielt damit auf die virtuell unterstützte gesellschaftliche Vereinzelung von Interessengruppen an. Mit dem Theaterschiff könnten im Gegensatz dazu neue Perspektiven eröffnet werden.

Das  Traumschüff könnte zudem eine neue Brücke schlagen. Denn die Theaterleute wollen mit ihrem Projekt eine Verbindung zwischen Stadt und Land schaffen. Die Themen vom Land, wie die von schlechter werdender medizinischer Versorgung und der Schließung von Betrieben, sollen nach Berlin getragen werden. "Wir hatten bei unseren Aufführungen in Berlin im vergangenen Jahr große Resonanz", sagt David Schellenberg, der als Kapitän, Regisseur und Schauspieler Mitglied der Crew ist. In den Orten, die das Schiff den Sommer über anfährt, werde man bereits freundlich empfangen. Die Menschen warten auf das Theaterschiff, schauen sich die Aufführungen bei freiem Eintritt an, kommen zum Diskutieren und Reden. "Viele Leute wollen uns ihre Geschichten erzählen", sagt David Schellenberg. Sie würden sich freuen, wenn jemand zuhört. Nach noch 40 Besuchern vor einem Jahr in Liebenwalde seien in diesem Jahr schon 140 Menschen gekommen, als das Schiff dort am vergangenen Wochenende festmachte.

Bewegend war war für viele  frühere Kaltwalzwerker das Stück Treue Hände, dessen zweiter Teil am Sonnabend um 19 Uhr gezeigt wird. Die Geschichte über Gitti, Dirk und Silvia soll eine weitere Fortsetzung finden, die dann möglicherweise auch im Winterlager des Theaters zu sehen sein wird. Allerdings ist dafür neben dem Spielort auch der Zusammenhalt des Ensembles wichtig. Bislang erhält das Traumschüff, das als gemeinnützige Genossenschaft über ein Crowdfunding realisiert wurde und seit 2017 unterwegs ist, nur projektbezogene Förderung. Eine institutionelle Förderung sei aber wichtig, um das Theater zu etablieren, sagt Myriam Oosterkamp. "Wir sind eine tolle Truppe aus Enthusiasten. Und das Projekt lebt von der Leidenschaft", sagt David Schellenberg. Es wäre schade, wenn die Crew nicht weiter zusammenarbeiten würde.

Für die provisorische Landungsbrücke, an der das Theaterschiff liegt, wurde das Ufer am Oranienburger Kanal gerodet. Der alte Blechzaun hinter dem Oranienwerk soll verschwinden. Künftig sollen Wasserwanderer haltmachen und in der zur einfachen Herberge umgebauten Automatenhalle übernachten. Um Ideen für das Ufer und die Halle zu entwickeln, kommen im Oktober Studierende der Bauhaus-Universität Weimar nach Oranienburg, kündigt Sabine Opdensteinen an. "Wir wollen viel erhalten und wenig verändern", sagt sie. Der Charme des Werdens soll dem Oranienwerk erhalten bleiben. das gilt auch für die alte Taschenschirmhalle, die dauerhaft für große Veranstaltungen hergerichtet werden soll.

Das Traumschüff zeigt am Sonnabend ab 19 Uhr das Stück Treue Hände Folge 2. Der Eintritt ist frei. Zugang zum Gelände von der Kremmener Straße 43 aus.

Bauhaus-Ideen

Das Traumschüff stach 2017 erstmals in See. Gebaut wurde es mit Geld aus einem Crowdfunding und nach Entwürfen Studierender von der Bauhaus-Universität Weimar.

Der damalige Dozent kommt im Herbst mit neuen Studierenden aus Weimar ins Oranienwerk, um dort Ideen für die Automatenhalle und das Kanalufer zu entwickeln. Künftig sollen hinterm Oranienwerk Wasserwanderer haltmachen und übernachten können.

Pläne gibt es auch für die frühere Taschenschirmhalle, die für größere Veranstaltungen hergerichtet werden soll. Im Kesselhaus soll eine Kleinkunstbühne entstehen.

Mit dem Theater käme die Geschichte von der Werksabwicklung 1992 zurück an den Ort des Geschehens. ⇥kd

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