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OFC-Trainer verteidigt sich nach Roter Karte: "Wir sind keine Verbrecher"

Oliver Richter (links) und Enis Djerlek können miteinander. "Trotz aller Rivalität zwischen unseren Vereinen pflegen wir ein gutes Verhältnis", so der TuS-Trainer. "Ich schätze ihn als Mensch. Seine Art des Coachens gefällt mir. Ich drücke die Daumen, dass er keine zu hohe Strafe bekommt."
Oliver Richter (links) und Enis Djerlek können miteinander. "Trotz aller Rivalität zwischen unseren Vereinen pflegen wir ein gutes Verhältnis", so der TuS-Trainer. "Ich schätze ihn als Mensch. Seine Art des Coachens gefällt mir. Ich drücke die Daumen, dass er keine zu hohe Strafe bekommt." © Foto: Steffen Kretschmer
Stefan Zwahr / 20.08.2019, 14:29 Uhr - Aktualisiert 20.08.2019, 14:50
Oranienburg (MOZ) Mit dem Saisonstart traten neue Regeln in Kraft­ – und damit die Vorschrift, wonach Trainer durch den Schiedsrichter mit persönlichen Sanktionen in Form von gelben und roten Karten belegt werden können. Gleich im ersten Spiel erwischte es Enis Djerlek: Der Übungsleiter des Brandenburgligisten Oranienburger FC Eintracht wurde im Spiel beim 1. FC Frankfurt des Innenraums verwiesen.

Kaltkompresse als Auslöser

"Eine lächerliche Entscheidung, die nicht nachzuvollziehen ist", wettert der 45-Jährige. Dieser hatte in der 35. Minute das Interesse des Unparteiischen auf sich gezogen. Was war passiert? Nach einem traumhaften Zuspiel von Sanel Begzadic wurde Alexander Schütze im Strafraum von Tobias Fiebig gefoult. "Das war auch aus Sicht meines Trainerkollegen ein klarer Elfmeter", so Djerlek. Der Pfiff von Max Stramke blieb aber aus. Spieler und Betreuer sprangen von der Oranienburger Bank auf. "Ich habe meinen Unmut gezeigt", räumt Djerlek ein. Probleme an der Bandscheibe führten dazu, dass er ein Kaltkompresse im Rücken platziert hatte. "Die habe ich vor meine Füße geworfen. Mehr war nicht. Sie flog nicht in irgendeine Richtung. Was hat das den Assistenten zu interessieren?" Felix Alich sah das anders und informierte den Referee. Dieser zog die Rote Karte.

OFC-Coach stellt Zukunft infrage

Enis Djerlek ist fassungslos. "Du sagst 35 Minuten keinen Ton, bist konzentriert und versuchst, auf deine Mannschaft einzuwirken." Dann zeige man in einer Situation Emotionen und werde bestraft. Die Entscheidung bezeichnet der OFC-Coach als absolut überzogen. Und die Folgen seien unglaublich: In einem Fußball-Fachblatt sowie bei einem Online-Portal wäre er "sofort in den Schlagzeilen gewesen, als hätte ich einem auf die Fresse gehauen". Djerlek betont: "Wir stehen als Trainer unter Druck und zeigen Emotionen. Was ich gemacht habe, war alles im Rahmen. Ich habe niemanden beleidigt oder angegriffen. Wenn ich als Trainer keinerlei Regungen mehr zeigen darf und nur noch Strohpuppen auf der Bank gewollt sind, ist das nicht mehr meine Sportart. Dann wird das meine letzte Serie sein."

Djerlek befürchtet, dass Trainer umdenken müssen. "Einige Schiedsrichter haben nur darauf gewartet, nach den neuen Regeln solche Entscheidungen treffen zu können. Wir stehen nun noch mehr unter Beobachtung." Schön sei diese Aussicht nicht. "Wir sind keine Verbrecher, nur weil wir unsere Mannschaft anpeitschen oder mal unseren Unmut zeigen." Der ehemalige Fußballer fordert seine Trainerkollegen auf, solidarisch zu sein. "Wir dürfen uns nicht alles gefallen lassen. Es kann nicht sein, dass wir alles emotionslos hinnehmen müssen. Wir wissen, wie wir uns zu bewegen haben, werden aber als Leute ohne Erziehung hingestellt. Dabei ist es unser Feuer, was die Mannschaft nach vorne bringt. Leidenschaft gehört dazu." So sieht es auch FCF-Trainer Jan Mutschler, der mehr Fingerspitzengefühl fordert. "Oder darf man bald auch nicht mehr jubeln?"

Erstrebenswert wäre aus Sicht von Djerlek (der anmerkt, dass er auf Plätzen oft beleidigt werde, ohne eine Reaktion zu zeigen), wenn sich die Fußballtrainer mal in großer Runde zusammensetzen. "Man hätte vor der Saison auch einen ,runden Tisch’ machen können, wo Trainer, Schiedsrichter und Funktionäre in ruhiger Umgebung und ohne druck Sachen ausdiskutieren. Wir gehören alle zum Spiel."

Den Punktgewinn des OFC bezeichnete Djerlek als Riesenerfolg. "Es war ein sehr intensives Spiel mit hohem Tempo und vielen Zweikämpfen. Ich bin stolz auf die Jungs, wie sie gefightet haben."

Auch Sachsenhausen-Trainer Oliver Richter äußert Unverständnis

Oliver Richter sah in der Nachspielzeit des Auftaktspiels die Gelbe Karte. Zuvor war er von Schiedsrichter Justin Weigt einmal ermahnt worden – weil er sich darüber echauffierte, dass es nicht sofort eine Unterbrechung gab, nachdem zwei Spieler mit den Köpfen zusammenprallten.

Der Sachsenhausen-Trainer hat das Gefühl, dass Innenraumverweise von Übungsleitern für den Verband ein Riesen-Highlight sind. Zumindest seien sie intensiver Thema als tätliche Angriffe von Spielern gegen Spieler.

Auch prominente Trainer wie Jürgen Klopp oder Julian Nagelsmann hätten in der Vergangenheit wegen persönlicher Vergehen schon viele Strafen zahlen müssen. "Es ist ein Ausdruck dafür, dass die Gesellschaft immer mehr verweichlicht wird. Du darfst Schiedsrichter nicht mehr hart ansprechen."

Bedauerlich sei, dass es nicht gewünscht ist, sich mal an einen Tisch zu setzen. "Wenn ich die Tagung der Schiedsrichter besuche, um in Kontakt zu kommen, wird das von Verbandsoffiziellen als ,illegale Teilnahme’ bezeichnet. Es ist nicht gewollt, dass ein Austausch  entsteht."⇥sz

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Anton Hoflreicher 20.08.2019 - 16:36:41

Fußballtrainer sehen manches anders

"Es ist ein Ausdruck dafür, dass die Gesellschaft immer mehr verweichlicht wird." Bemerkenswerte Aussage eines Brandenburgligatrainers. Aber vielelicht ist Fußball neuerdings zur Parallelgesellschaft mutiert, in der alles anders ist (ohne Angriffe/Gewalt auf andere Personen/Einsatzkräfte, ohne Hools, Ultras ... ) Dann ist ja alles im Lot. Aber warum werden dann solche Regelungen erforderlich, wenn Friede, Freude,... auf und an dem Plätzen herrscht.

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