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Leichtathletik
Wenn der Weltmeister im Fanblock sitzt

Die Brüder Schönherr: Moritz (links) ist ein guter Werfer und besucht seit weniger Wochen die Sportschule. Mattes wurde vor zwei Jahren U-19-Weltmeister mit dem Deutschland-Achter.
Die Brüder Schönherr: Moritz (links) ist ein guter Werfer und besucht seit weniger Wochen die Sportschule. Mattes wurde vor zwei Jahren U-19-Weltmeister mit dem Deutschland-Achter. © Foto: Stefan Zwahr
Stefan Zwahr / 23.08.2019, 16:48 Uhr
Hohen Neuendorf (MOZ) Für Löwenberger Verhältnisse war es ein kleiner Rahmen: Bei der 24. Auflage der Werferklasse sorgten 63 Aktive aus zwölf Vereinen am Mittwochabend für 147 Einzelstarts. 17 Tage vor den Internationalen Löwenspielen konnte im Waldstadion aber ein Weltmeister begrüßt werden – wenngleich dieser der Leichtathletik vor einigen Jahren untreu wurde. Mattes Schönherr triumphierte vor zwei Jahren als 17-Jähriger mit dem Deutschland-Achter bei den Junioren-Welttitelkämpfen im Rudern.

In Löwenberg sei er nun "hauptsächlich in der Rolle des Zuschauers" gewesen. "Ich will aber auch eine mentale Stütze für meinen Bruder sein." Der heißt Moritz, ist zwölf Jahre alt und startet für den SV eletronic Hohen Neuendorf. "Da ich früher auch mal Leichtathletik gemacht habe, kann ich ihm schon ein paar Tipps geben. Insgesamt versuche ich aber schon, mich zurückzuhalten, weil ich nicht die größte Ahnung habe. Ich will ihm einfach gut zureden. Es kann sicher nicht schaden, jemanden an der Seite zu haben, der einem den Rücken stärkt." Den Rest würden die Trainer erledigen.

Drei Starts, drei Siege

Dass Moritz in guten Händen ist, zeigt nicht nur die Tatsache, dass er schon etliche Titel bei Landesmeisterschaften gefeiert hat. Der Siebtklässler (der mit 64,00 Metern die nationale Jahresbestenliste seiner Altersklasse im Schlagballwurf anführt) besucht in der dritten Woche die Sportschule in Potsdam. Die ersten Eindrücke? "Das Training war noch nicht so anstrengend", sagt der Youngster, der auch mit der Kugel und dem Speer bestens umzugehen weiß. Trainiert wird aber auch er zunächst (in sieben Einheiten pro Woche) in allen Disziplinen. Zur neunten Klasse erfolgt dann die Spezialisierung.

Beim Werferabend ließ der Hohen Neuendorfer der Konkurrenz im Speerwurf keine Chance und gewann mit 37,79 Metern (400-Gramm-Gerät) vor seinem Teamkollegen Collin Nikol (26,61). "Ein super Wurf", freute sich Abteilungs- und Stützpunktleiterin Kerstin Paech. Auch der Blondschopf war zufrieden. "Ziel ist es immer, die bestmögliche Leistung zu erbringen, die man drauf hat. Ich war noch nicht an dem Punkt, aber es war sehr gut." Den Rest hebe er sich für nächste Woche auf, bemerkte seine Mutter mit einem Lächeln. In neun Tagen finden die Landesmeisterschaften statt. Was rechnet er sich aus? "Da will ich meine Leistung bringen und werde dann sehen, was für eine Platzierung rauskommt."

Auch im Kugelstoßen (8,82 Meter) und beim Ballwurf (50,50) war Schönherr am Mittwoch nicht zu schlagen. "Jetzt als Sportschüler zu starten, ist kein anderes Gefühl als sonst. Es war ein normaler Wettkampf." Dass sein Bruder zugegen war, freute den jungen Athleten. "Seine Erfolge spornen mich an. Ich werde von Lehrern und Trainer auch oft darauf angesprochen." Dann heiße es: "Du bist doch der Bruder vom Weltmeister." Eifert er diesem nach? "Mein Ziel ist es, mal Olympiasieger zu sein. Aber man fängt klein an."

Das war auch bei Mattes so, der neben der Leichtathletik Fußball spielte. 2012 wurde der damalige Grundschüler aber als Ruderer für die Sportschule Potsdam gesichtet. An dieser befindet sich Schönherr nun im letzten Jahr – das er langsam angehen lasse. Heißt im Klartext: "Ich trainiere einmal am Tag und kann ein bisschen selbst entscheiden, was ich mache." Im Winter sehe es wieder anders aus. "Da werden die Grundlagen gelegt. Mal sehen, was nächstes Jahr kommt."

Der U-19-Erfolg von 2017 sei auch zwei Jahre später "etwas Besonderes in der Sammlung", lasse sich aber nicht in Serie wiederholen. "Jedes Jahr hat seine eigenen Herausforderungen." Darum sagt Mattes Schönherr: "Ich sehe den dritten WM-Platz vom letzten Jahr nicht als schlechter an. Es gibt immer andere Gegner, wir hatten eine andere Mannschaft und ein anderes Boot."

In diesem Jahr sei man in Florida, wo vor wenigen Wochen die U-23-WM stattfand, mit einer sehr jungen Mannschaft am Start gewesen. "Da lag der Fokus nicht auf einer Medaille. Das Finale war das Ziel." In Sarasota wurde es für Deutschland nach der ersten 500-Meter-Marke schwierig, in Reichweite zum Podest zu bleiben. Am Ende wurde der fünfte Platz verteidigt. "Wir waren zufrieden, wenn das Finale auch nicht optimal war", bemerkt der Ruderer des RC Potsdam – und wendet sich der Siegerehrung seines Bruders zu.

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