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Wahlpartys
Frentischer Jubel, tiefe Enttäuschung

Grüne Wahlparty in Oranienburg Ingrid Hüchtker und Thomas von Gizycki freuten sich verhalten.
Grüne Wahlparty in Oranienburg Ingrid Hüchtker und Thomas von Gizycki freuten sich verhalten. © Foto: Klaus D. Grote
Klaus D. Grote / 01.09.2019, 23:59 Uhr
Oranienburg (MOZ) Wie die Gewinner und Verlierer den Wahlabend in Oberhavel begehen. Zwei Grüne aus Oberhavel im Landtag.

Nur wenige Genossen standen im SPD-Bürgerbüro in der Bernauer Straße, als die erste Prognose mit dem überraschend deutlichen Wahlsieg der SPD über den Bildschirm lief. Gefeiert wurde aber erst, als alle Oranienburger Wahlkreise ausgezählt waren. Da war der Saal voll und der Jubel laut. SPD-Ortsvereinschef Dirk Blettermann erklärte: "Es reicht eben nicht, viele Plakate aufzuhängen." Björn Lüttmann, der mit dem alten und dem neuen Bürgermeister feierte, sagte zum Gewinn des Direktmandats: "Das ist ungefähr das zehn-, zwanzig- oder dreißigfache von dem Vorsprung, den ich beim letzten Mal hatte. Vor fünf Jahren hatte er mit nur 23 Stimmen Vorsprung einen Zittersieg gegen Gerrit Große (Linke) geholt. Die Oranienburgerin scheidet nach 18 Jahren im Landtag aus. Björn Lüttmann brachte sie einen Blumenstrauß und Glückwünsche vorbei. Sie sei enttäuscht, mit einem solchen Ergebnis ihrer Partei aufzuhören, sagte die 65-Jährige.

Bei der Linken herrschte so etwas wie Ratlosigkeit. "Wir müssen noch besser zuhören", sagte der Kreisvorsitzende Enrico Geißler. Die Lehrerin Elke Bär, die im Wahlkreis 9 angetreten war, sagte: "Morgen stehe ich wieder in der Schule." Immerhin dürfen sich die Schüler freuen, sagte eine Genossin. Sie sei enttäuscht darüber, dass ihr viele Menschen gesagt hätten, sie hätten immer Linke gewählt., würden aber wegen der Flüchtlingspolitik nun ihr Kreuz bei der AfD machen, so Bär. "Wir sind sozial und menschlich. Davon dürfen wir niemals abrücken, auch nicht in der Flüchtlingspolitik", sagte die Kreistagsabgeordnete.

Auch bei den Grünen, die sich zum Feiern in der Musikschule Klangfarbe Orange verabredet hatten, war die Stimmung verhalten. Nach dem zeitweisen Höhenflug in den Umfragen fiel der Stimmenzuwachs bescheiden aus. Für Heiner Klemp aus Lehnitz reichte der achte Listenplatz dennoch sicher. Er feierte den verhaltenen Sieg mit der Partei in Potsdam und gab dem Fernsehen gleich ein Statement. Er wolle in einer Koalition eine Energie- und Verkehrswende erreichen. Der Borgsdorfer Thomas von Gizycki musste lange bangen. Mit zehn Sitzen für die Grünen sollte er es aber auch schaffen. Er befürchte, dass es nun einen Rechtsruck bei der CDU geben werde.

Geradezu euphorisch berichtet Ingrid Hüchtker vom Wahlkampf der Grünen im Nordkreis mit der Kandidatin Carla Kniestedt. "Wir haben sehr viele gute Gespräche geführt, auch mit vielen Landwirten, sie sich eine andere Landwirtschaftspolitik wünschen."

Als die erste Hochrechnung über die Bildschirme flimmert, bleibt es in Grünler’s Backstube seltsam ruhig. Dort hat sich die CDU Oranienburg um ihre Spitzenkandidatin Nicole Walter-Mundt versammelt. "Oje, Oje" heißt es angesichts des schwachen Wahlergebnisses. Dann herrscht eine Weile beredtes Schweigen – und Erleichterung darüber, dass die AfD nicht stärkste Kraft ist. Nicole Walter-Mundt, die 18 Monate auf ihrer Wahlkampf-"Reise" war und dennoch scheiterte, sagte: "Ich bin ja nicht weg. Morgen werden wir die Wahlplakate abnehmen." Dann gehe der Wahlkampf  aber weiter. Sie wolle Björn Lüttmann und Heiner Klemp an ihre Wahlkampfversprechen erinnern." Schließlich hätten sich beide auch für einen Zehn-Minuten-Takt bei der S1 ein-gesetzt.

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