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Oranienburger HC
"Wir sind mit den Gedanken nicht in der 3. Liga"

Klare Ansage von Christian Pahl in der ersten Auszeit: Der OHC startete mit 4:2 gut, lag dann aber 4:8 zurück.
Klare Ansage von Christian Pahl in der ersten Auszeit: Der OHC startete mit 4:2 gut, lag dann aber 4:8 zurück. © Foto: Steffen Kretschmer
Steffen Kretschmer / 09.09.2019, 09:49 Uhr - Aktualisiert 09.09.2019, 11:15
Oranienburg (MOZ) So was hatten die Fans Trainer Christian Pahl wohl noch nie erlebt. Die erste Auszeit wurde von ihm bereits nach etwas mehr als zehn Minuten beim Stand von 4:8 genommen. Es wurde laut, wie später auch in der Kabine. Die zweite Halbzeit verfolgte er dann nahezu komplett mit versteinerter Miene. Die 24:30-Pleite seiner Mannschaft am Sonnabend gegen den TSV Altenholz kommentierte Christian Pahl nach 60 Minuten dann mit einem "sehr verdienten Sieg für Altenholz". Steffen Kretschmer hat mit dem OHC-Coach nach dem Spiel gesprochen.

Wie kommt solch eine Niederlage zustande?

Christian Pahl: Der große Unterschied war die Anzahl der Fehler. Wir machen um die 30 davon. Das ist dann einfach zu viel. Entscheidend waren auch die Anzahl der Eins-null-Konter und die Konsequenz, die daraus entsteht. Unser Gegner ist zehn davon gelaufen und hat alle gemacht. Wir haben dagegen bei drei oder vier Kontern nur einmal getroffen. Im Positionsangriff hatten wir Altenholz einigermaßen im Griff. Ich habe die Mannschaft auf das Spiel vorbereitet und sie hat es scheiße umgesetzt. Also bin ich auch dafür verantwortlich.

Warum war die Leistungskurve der Mannschaft im Spielverlauf nicht mehr nach oben zu korrigieren?

Wenn ich weiß, der Torwart von Altenholz funktioniert, dann kann ich ihn nicht zehnmal flach anwerfen. Das hat aber was mit Zuhören und dem unbedingten Willen zu tun, die Situation anzunehmen. Wir besprechen das in der Halbzeit, kommen dann raus und der erste Ball von uns kommt wieder flach. Da habe ich dann das Gefühl, dass ich eine Viertelstunde gegen eine Wand geredet habe.

Erneut hat der OHC das Torhüter-Duell mit dem Gegner verloren. Trauern Sie Ivan Szabo, der den Verein nach der vergangenen Saison verlassen hatte, als Keeper und auch als Typen nach?

Wir haben in der letzten Saison auch ganz viele Torhüter-Duelle verloren. Da war Ivan noch da. Ich freue mich über die Spieler, die aktuell da sind und arbeite mit ihnen. Da gibt es keine Situation, dass ich jemandem in irgendeiner Art und Weise nachtrauere.

Dennoch sind die Leistungen zwischen den Oranienburger Pfosten nicht zufriedenstellend.

Dieses Thema ist insgesamt sehr schwierig. Wir träumen alle noch immer davon, was hier vor drei oder vier Jahren im Tor passiert ist. Da hatten wir wahrscheinlich eines der, wenn nicht sogar das beste Torhütergespann dieser Liga. Seitdem gilt dieser Mythos. Man muss aber auch ernsthaft sagen, dass wir seit zwei Jahren nicht mehr diese Leistungen haben. Nur so sind wir damals in die Situationen gekommen, dass wir in einzelnen Spielen auch Spitzenmannschaften schlagen konnten. Inzwischen ist es so, dass wir zwar in unseren 30 Spielen konstant punkten, aber keine Torhüterquoten mehr von 50 Prozent haben. Gegen Altenholz waren es 25 und gegen Vinnhorst sogar nur 13 Prozent. Mit solchen Quoten wirst du nie im Leben ein Spiel gewinnen. Auch gegen den TSV gehen fünf, sechs Bälle rein, bei denen ich sage, dass das nicht passieren darf. Das ist aber nicht allein die Schuld der Torhüter, sondern als Verbundsystem mit der Abwehr zu sehen. Und genau dieses hat gegen Altenholz, genauso wie gegen Vinnhorst, nicht funktioniert. Das muss man ganz klar sagen.

Sie haben eben von einem Mythos gesprochen. Die MBS Arena ist seit Jahren ein gefürchteter Spielort für Gäste-Teams, da für sie meist nur wenig zu holen ist. Wackelt dieser Nimbus ein wenig?

Wir haben in der vergangenen Saison auch nur ein oder zwei Spiele in der Hinrunde gewonnen. In der Rückrunde haben wir dann die Mannschaften, die unter uns standen, zu Hause geschlagen und haben dann auswärts unsere Niederlagen kassiert. Ich bin da kein Träumer und weiß schon, was auf uns zukommt. Wir hätten auch mit 0:8-Punkten in die Saison starten können. Man muss auch ehrlich sein, dass, wenn Burgdorf in der Woche davor mit der kompletten Mannschaft spielt, geht die Partie anders aus. Wir hatten Glück, dass in Burgdorf derzeit großes Verletzungspech herrscht und gegen uns nicht die sechs Bundesligaspieler aufgelaufen sind. Deshalb haben wir am Ende souverän gewonnen, womit wir auch zufrieden sein können. Ich habe trotzdem nicht das Gefühl, dass die MBS Arena bröckelt. Wir haben zwei Spitzenmannschaften zu Gast gehabt.

Was muss jetzt dennoch passieren, damit der OHC auch in eigener Halle mal wieder als Sieger von der Platte geht?

Wir müssen wach werden und begreifen, dass ein Sieg in der Vorbereitung im Matthäi-Cup einen Scheiß wert ist. Das zählt alles nicht am Ende des Tages, wenn wir in der Liga nicht punkten. Ich weiß nicht, was der eine oder andere glaubt, wo wir uns gerade befinden. In der 3. Liga sind wir, aber nicht mit den Gedanken.

Wird Ihnen in der aktuellen Verfassung der Mannschaft angst und bange vor den kommenden Aufgaben?

Jetzt fahren wir nach Hildesheim. Das ist die nächste Spitzenmannschaft, auf die wir treffen. Dann haben wir mehrere Heimspiele in Folge. Wenn wir davon zwei, drei verlieren, können wir uns nochmal über die Festung unterhalten. Bis dahin bin ich aber optimistisch, dass wir, gegen die Mannschaften, mit denen wir auf Augenhöhe agieren, auch in der Lage sind, Punkte zu holen.

Das klingt dennoch so, als ob sich der OHC erst einmal auf die derzeit nicht so einfache Situation konzentrieren und die immer wieder thematisierte 2. Bundesliga in der Schublade verschwinden sollte.

Wir müssen in der Realität leben und nicht in irgendwelchen Träumen. Die Realität ist die 3. Liga. Nach wir vor. Klar ist, dass wir uns steigern und unsere Fehleranzahl unbedingt minimieren müssen. Wir brauchen eine deutlich stabilere Abwehr, bessere Torhüter. Dann werden wir  Spiele gewinnen.

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