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Poker um Kornspeicher
Investor fordert für Erhalt Unterstützung in Millionenhöhe

So hätte es mal aussehen können. Jetzt steht aber fest: Selbst, wenn der alte Kornspeicher erhalten bleibt. Wohnen wird in ihm niemand.
So hätte es mal aussehen können. Jetzt steht aber fest: Selbst, wenn der alte Kornspeicher erhalten bleibt. Wohnen wird in ihm niemand. © Foto: TAS-Gruppe
Tilman Trebs / 12.09.2019, 10:51 Uhr - Aktualisiert 12.09.2019, 17:32
Oranienburg (MOZ) Das Tauziehen um den Erhalt des Oranienburger Kornspeichers am Louise-Henriette-Steg geht weiter. Bürgermeister Alexander Laesicke (parteilos) fordert weiter den Erhalt des Bauwerks, der Investor ist dazu im Prinzip auch bereit, fordert dafür aber öffentliche Unterstützung in Millionenhöhe, wie TAS-Sprecher Karsten Lüchow am Donnerstag gegenüber demOranienburger Generalanzeiger sagte. Der Bau von Wohnungen sei in dem denkmalgeschützten Gebäude aber definitiv vom Tisch.

Am Dienstag trafen sich TAS-Vertreter mit Bürgermeister Laesicke und den Fraktionsvorsitzenden der Stadtverordnetenversammlung im Schloss. Laut Lüchow habe die TAS der Stadt dort angeboten, den Speicher soweit zu sanieren, dass er sowohl "wieder schick und schön" als auch als Bauwerk gesichert wird. "Dafür brauchen wir aber Fördermittel im niedrigen einstelligen Millionenbereich. Das Gebäude verfällt seit mehr als 40 Jahren. Es ist verwahrlost. Um es als Denkmal zu erhalten, müssen wir auch in die Substanz investieren", so Karsten Lüchow. Organisieren müsste das Geld aber die Stadt.

Mit dem Angebot will der Investor dem Wunsch der Oranienburger nach dem Erhalt des Bauwerks entgegenkommen. Zuletzt hatte es immer wieder Proteste gegen den geplanten Abriss gegeben. In einer nicht repräsentativen Abstimmung auf dem Instagram-Kanal dieser Zeitung sprachen sich in dieser Woche rund 80 Prozent der Nutzer für einen Erhalt des Bauwerks aus. Ähnlich deutlich ist das Verhältnis in den Kommentarspalten der Sozialen Medien.

Sollten keine Fördermittel fließen, wird die TAS an ihren Abrissplänen festhalten. Denn eine wirtschaftliche Nutzung schließen die Hamburger inzwischen aus. "Wir werden im Speicher definitiv keine Wohnungen bauen. Die Investition ist nicht refinanzierbar", erklärte Lüchow. Nach Angaben des TAS-Sprechers würde der Wohnungsbau selbst bei Inanspruchnahme steuerlicher Vergünstigungen einen Verlust von 3,8 Millionen Euro in zehn Jahren bedeuten. "Das, was wir dort ursprünglich vorhatten, bekommen wir nicht hin. Wir stehen auch nicht in der Pflicht, den Speicher zu erhalten. Es gibt keinen Deal."

Das sieht Bürgermeister Alexander Laesicke allerdings anders, der von einem "Schwarze-Peter-Spiel" spricht. "Wir sehen den Investor weiter in der Pflicht, für den Erhalt des Speichers zu sorgen", sagte er am Donnerstag. "Wir teilen auch nicht die Ansicht des TAS, dass man die Neubauten am Speicher und die Sanierung des Speichers unabhängig von einander betrachten kann. Beide Projekte gehören zusammen. Und wie man es realisieren kann, wurde bei der Sanierung der jüdischen Villa in Lehnitz gezeigt." Die TAS argumentiert hingegen, dass Speicher und Neubauten auf zwei verschiedenen Grundstücken stehen, unabhängig voneinander erworben und entwickelt wurden, der Speicher allein sich nicht tragen könne. Mit dieser Argumentation wurde auch die Streichung aus der Denkmalliste begründet.

Laesicke erklärte, er sei nicht bereit, die Kosten für den Erhalt des Bauwerkes der Allgemeinheit aufzubürden. Oranienburgs Bürgermeister spekuliert offenbar darauf, dass die Denkmalschutzbehörde dem Abrissantrag der TAS nicht folgt. Wenn allerdings der Landkreis der Argumentation des Investors folgt und den Abriss genehmigt, ergebe sich eine neue Situation. "Dann werden wir die Lage neu bewerten müssen. Wir bleiben offen für Gespräche", sagte Laesicke.

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