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Cook-Pleite
Traum von Malediven geplatzt - 3200 Euro weg

Sonne, Strand und Kokospalmen auf den Malediven: So hatten sich die Epdings ihren Urlaub vorgestellt.
Sonne, Strand und Kokospalmen auf den Malediven: So hatten sich die Epdings ihren Urlaub vorgestellt. © Foto: dpa/Michael Zehender
Tilman Trebs / 04.10.2019, 19:20 Uhr - Aktualisiert 05.10.2019, 11:06
Borgsdorf (MOZ) Karin und Andreas Epding aus Borgsdorf müssen nach der Pleite des Reisekonzerns Thomas Cook 3200 Euro für teure Reise abschreiben. Stattdessen fahren sie nach Usedom.

Einmal im Jahr  unternehmen Karin und Andreas Epding eine große Tour. "Wir haben uns schon alle Kontinente angesehen", sagt Andreas Epding. "Unsere Reisen sind nicht überkandidelt, wir brauchen keinen Fünf-Sterne-Luxus, schauen lieber hinter die Kulissen, wollen Land und Leute kennenlernen." Jetzt sind die beiden Borgsdorfer wieder aufgebrochen. Auf die Insel Usedom. In Deutschland. "Ja, das war anders geplant, aber was sollen wir machen?", sagt Karin Epding. Ihre Tränen, die sie vor einer Woche noch im Borgsdorfer Reisebüro "Die Urlaubschecker" verdrückte, sind inzwischen getrocknet.

Ihr Flieger sollte am Tag der Deutschen Einheit abheben – über Doha auf die Malediven.  Schon im Februar hatten sie sich Embudu Village ausgeguckt: 380 Meter lang und 190 Meter breit ist die Barfußinsel, bewachsen mit Kokospalmen, umgeben von feinem Sandstrand. Temperaturen um die 30 Grad Celsius. Strahlender Sonnenschein "Wir hatten schon alles organisiert: Taucherbrillen, die nötigen Impfungen", sagt Karin Epding. Ein bisschen tauchen wollte sie mit ihrem Mann, entspannen, die Gegend erkunden."

Gebucht hatten sie ihre Reise bei Neckermann. Ausgerechnet das Unternehmen, dass jahrzehntelang damit warb, Träume möglich zu machen, hat sie nun in Borgsdorf sitzen gelassen. Neckermann gehört zur insolventen deutschen Tochter des britischen Konzerns Thomas Cook. Darüber, ob sie die 3 200 Euro, die sie für den Urlaub auf den Tisch gelegt haben, wollen die Epdings lieber nicht nachdenken. Zwar können sie auf Geld aus der Insolvenzversicherung hoffen. Doch in den Nachrichten wurde Anfang der Woche schon verkündet, dass das Geld der Versicherer wohl nicht reichen wird, um alle gestrandeten Urlauber auszuzahlen. "Wir haben das für uns erstmal abgehakt. Darum kümmert sich jetzt unser Reisebüro", sagt Karin Epding, die immer wieder betont, dass sie den "Urlaubscheckern" keinen Vorwurf machen möchte. "Wir buchen dort alle unsere Reisen, sind immer gut betreut worden. Das gilt auch jetzt, wo wir unsere Reise abschreiben mussten." Ihr Mann Andreas ist trotzdem sauer. Nicht auf das Reisebüro, sondern auf den Staat. "Wir wissen ja jetzt, dass Thomas Cook seit Anfang des Jahres Schwierigkeiten hatte. Trotzdem hat niemand eingegriffen. Die Reisen wurden weiter verkauft, der Staat hat die Mehrwertsteuer kassiert und lässt jetzt die Urlauber sitzen wie die betrogenen Dieselfahrer", kritisiert er. "Wir können das ja noch irgendwie wegstecken. Aber mir tun vor allem die Leute leid, die sich ihren Urlaub vom Munde absparen oder sogar einen Kredit aufnehmen mussten, um mal rauszukommen." Und es sei gut, dass er und seine Frau noch nicht losgeflogen seien. "Ich bin froh, dass wir jetzt nicht irgendwo festsitzen und nicht wissen, wie wir nach Hause kommen sollen."

Reisen wollen die Borgsdorfer trotzdem weiter. Andreas Epding hatte gleich nach der Absage nach neuen Zielen gesucht. Seine Frau hat ihn gebremst. "Ich bin erstmal geheilt", sagt Karin Epding. Die vergangenen Wochen hätten genug Nerven gekostet. Deshalb haben sie kurzerhand eine Unterkunft in Bansin gebucht. "Auf Usedom waren wir schon oft. Und dort ist es ja auch sehr schön", tröstet sie sich. Statt Schnorchel­ausflügen in glasklarem Wasser und Nickerchen in Hängematten unter Kokospalmen stehen nun eben ausgedehnte Strandspaziergänge in wetterfester Kleidung auf dem Programm.

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