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Familienkonzert
Ein Zoo-Orchester reist um die Welt und stoppt in Oranienburg

Kinderbuchautorin Heidi Leenen
Kinderbuchautorin Heidi Leenen © Foto: privat
Anja Hamm / 06.10.2019, 11:03 Uhr
Oranienburg (OGA) Ein Kinderbuch zum Lesen und Hören, das ist Heidi Leenens "Elefantenpups: Mit dem Zoo-Orchester um die Welt". Am 24. Oktober erleben Familien das Konzert in Oranienburg.sprach mit der Autorin über das Geschichtenerzählen, die Fantasie der Kinder und das Mammutprojekt für die Bühne.

Frau Leenen, im Oktober erscheint Ihr neues Buch. Es wird in Neubrandenburg uraufgeführt. Was ist denn eigentlich das Spannende daran, ein Buch zum ersten Mal auch zu hören?

Es ist sehr aufregend, zu sehen, wie die Geschichte im Konzert umgesetzt und auf einer besonderen Ebene lebendig wird. Musik und Text verschmelzen, der Komponist und das Orchester nehmen uns gemeinsam mit auf eine fantasievolle, spannende und auch einfühlsame Reise. Die Geschichte lebt, es können geprobte und spontane Aktionen eingebaut werden, um das Publikum einzubeziehen.

Hatten Sie schon einen Überraschungsmoment, als Sie bei den Einspielungen dabei waren?

Oh ja – mehrere. Unvergesslich das Einsprechen mit Stefan Kaminski, der den Tieren und Käpt`n Kalle mit seiner wandelbaren Stimme so viel Charaktere zuordnete, und Juri Tetzlaff in seiner witzigen Rolle als Stachelschwein Piksi. Aber ebenso die kostbaren Momente, in denen mich die jungen Musiker der Neuen Philharmonie mit ihren musikalischen Fertigkeiten und ihrer Freude am Spiel immer wieder zum Staunen brachten.

Wie viel Arbeit steckt eigentlich in einem Buch, das letztlich nicht nur zu Hause oder in der Kita gelesen wird, sondern auch zu hören ist?

Da kommen viele kleine Schritte zusammen: Zu Beginn stehen der Text und die Konzeption der Gesamtidee. Martin Bernhard fertigt Skizzen, Feinzeichnungen und Poster an, Stefan Malzew komponiert zeitgleich die Musik. Ständige Austausche untereinander, Treffen und Absprachen mit dem Verlag. Dann das Einsprechen der Texte, Proben und Musikeinspielungen der Neuen Philharmonie... Die Liste ist noch lange nicht vollständig.

Sind Sie überrascht, dass die Elefantenpups-Reihe so viel Anklang findet und zu solch einem großen Projekt geworden ist?

Anfangs hatte ich nicht damit gerechnet, dass nach dem ersten Band 2009 sofort die Anfrage zu einem zweiten und später dritten folgte. Es zeigte aber, dass wir mit den Geschichten des Zoo-Orchesters eine Lücke füllten: fröhliche und eigens für die Geschichten komponierte Orchestermusik, witzig und kindgerecht. Der Clou: In jedem Buch löst das Zoo-Orchester eine Aufgabe mit Herz, Verstand und Musik und immer gibt`s ein Happy-End. Die Reihe wurde ins Chinesische übersetzt und auch der 4. Band wird dort bald uraufgeführt.  Es ist doch ein gutes Zeichen, dass diese musikalischen Geschichten hier und auf der anderen Seite der Welt so viele Kinder begeistern.

Wie wurde denn genau vor zehn Jahren die Idee geboren, den Schauplatz Zoo zu wählen und Tiere zu Protagonisten zu machen?

Gemeinsam mit meiner Freundin leite ich eine Schule für musikalische Früherziehung. Dort fehlte uns ein Buch mit allen Orchesterinstrumenten. Wir haben "Peter und der Wolf" und "Die Zauberflöte" im Programm, doch wir suchten etwas mit weniger Dramatik und einer gewissen Fröhlichkeit und Leichtigkeit für Kinder ab vier Jahren. Als wir nichts fanden, habe ich meine Ideen in einer eigenen Geschichte gebündelt. Da Kinder den Zoo lieben, wählte ich Tiere als Protagonisten.

Wie kam jedes Tier zu seinem Instrument?

Mein Wunsch war es, Tiergruppen und Instrumentengruppen zusammenbringen. Die Aufteilung sollte auch für Kinder bildlich einprägsam sein. So kamen die großen Instrumente, die Blechbläser, zu den Dickhäutern. Die dicke Tuba natürlich zu Pombo, dem Elefanten. Die Holzblasinstrumente gingen an die Vögel, die sie mit ihren Flügeln gut festhalten konnten. Die Wildkatzen ordnete ich den Streichinstrumenten zu und die übrigen Tiere kamen zum Schlagwerk: der Bär an die Pauke, das Zebra an die Triangel. Mit jedem Band kamen ein neues Tier und ein neues Instrument dazu.

Welche Instrumente spielen Sie?

Gitarre und ein wenig Blockflöte. Beides habe ich erst spät gelernt. Wenn ich nochmal Kind wäre, würde ich gerne Cello oder Harfe spielen wollen.

Die Harfe hat auch ihren Platz im Buch: Die Giraffe zupft sie.

Das stimmt, Bella an der Harfe ist ein echter Hingucker. Und die Giraffe ist tatsächlich mein Lieblingstier. Im Zoo sitze ich oft lange am Giraffengehege. Die Tiere haben trotz ihrer Größe Anmut und strahlen Ruhe aus. Wir haben hier einen Zoo, in dem das Futter für die Giraffen auf einem Hochstand liegt. Dort kann man ihnen in die Augen schauen. Genau diesen schönen Anblick haben wir ins Buch gebracht.

Wie sind Sie eigentlich zur Musik und zum Erzählen gekommen?

Klassische Musik ist ein Baustein des Programms in unserem MusikAtelier. Diesen Bereich haben wir nach und nach erweitert – ich habe ihn für mich entdeckt. Zum Erzählen kam ich über meinen Vater. Er las uns jeden Abend Geschichten vor oder dachte sich eigene aus. Das gehörte zu den schönsten Momenten des Tages.

Und das hat Sie Ihr Leben lang begleitet?

Ja, Wörter und Sprache wecken mein Interesse. Schon in der Schule habe ich gerne Gedichte geschrieben, später Theaterstücke für die Kinder, dann Kurzgeschichten. Mein erstes Buch habe ich meinem Vater gewidmet – ich verdanke ihm viel.

Haben Sie den Eindruck, dass Kinder heute das genauso intensiv erfahren wie sie damals?

Mal so und mal so. Da gibt es große Unterschiede. Es ist wichtiger denn je, Eltern bewusst zu machen, welche Bedeutung das Vorlesen und Lesen für die Entwicklung der Kinder hat. Das gemeinsame Erleben, sich beim Vorlesen aneinander zu kuscheln, zu lauschen, ins Gespräch zu kommen, bleibt leider oft auf der Strecke. Und damit auch die Chance, den Wortschatz und die Fantasie der Kinder zu erweitern, Wissen zu vergrößern, Zusammenhänge zu erschließen.

Wie bewahren Sie sich Ihre Neugier und den Blick des Kindes?

In unserer Schule für musikalische Früherziehung arbeite ich täglich mit Kindern zwischen vier und sechs Jahren zusammen. Außerdem bin ich mit meinen Büchern häufig zu Lesungen unterwegs – auch in Grundschulen und auf Lesefesten. Hier liegt mein Focus immer auf dem Kind. Wir können so viel voneinander lernen und sollten auch selber ein Leben lang neugierig bleiben.

Das heißt, wenn Sie mit Kindern zusammen sind, findet die eine oder andere Idee Eingang in Ihre Bücher?

Ja, zum Beispiel der Titel "Der Elefantenpups". Wir hatten mit Kindern über Tasteninstrumente gesprochen, zum Abschluss durften sie bei einer Orgelführung alle selber auf der Orgel spielen. Ein Kind entdeckte den tiefsten Ton und sagte: "Oh, das klingt wie ein dicker Elefantenpups!" Fröhliches Gegacker! Großer Spaß, auch nach einigen Wochen noch. Als wir dann einen Namen für den ersten Band suchten, entschieden wir uns im Haupttitel für "Der Elefantenpups." Und rasch wurde der Name Programm: Pombo pupst immer dann, wenn es ihm besonders gut geht, und wenn das Zoo-Orchester wieder etwas Unmögliches möglich machte und dabei noch tierischen Spaß hatte.

Karten bereits im Vorverkauf erhältlich

Die Neue Philharmonie Berlin spielt am Donnerstag, 24. Oktober, in Oranienburg zwei Konzerte im Takeda-Saal, Lehnitzstraße 70.

Das Familienkonzert für Kinder und Erwachsene beginnt 15.30 Uhr. Es erklingt "Der Elefantenpups" nach dem Buch von Heidi Leenen. Zu hören ist Musik und die Geschichte. Karten zum Preis von 19 Euro für Erwachsene, 10 Euro für Kinder gibt es in unseren Geschäftsstellen. Kinder unter 4 Jahren auf dem Schoß der Eltern sind kostenfrei.

Das Abendkonzert beginnt um 19 Uhr. Es erklingt das Violinkonzert e-Moll von Felix Mendelssohn Bartholdy. Solist ist David Malev. Außerdem werden Claude Debussys "Nachmittag eines Fauns" sowie Ausschnitte aus "Romeo und Julia" von Peter Tschaikowsky zu Gehör gebracht. Die Karten kosten 29 Euro, ermäßigt 20 Euro (Studenten, Schüler, Rentner, Auszubildende, Arbeitslose) in unseren Geschäftsstellen.⇥cd

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