Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Hauptverfahren
Angeklagter Holocaust-Leugner erscheint nicht zum Prozesstermin

Gedenkstätte des früheren KZ Sachsenhausen: Der Teilnehmer der AfD-Besuchergruppe soll hier unter anderem die Existenz von Gaskammern geleugnet haben.
Gedenkstätte des früheren KZ Sachsenhausen: Der Teilnehmer der AfD-Besuchergruppe soll hier unter anderem die Existenz von Gaskammern geleugnet haben. © Foto: Klaus D. Grote
Klaus D. Grote / 08.10.2019, 16:19 Uhr
Oranienburg (MOZ) Der für Dienstagmittag vor dem Amtsgericht Oranienburg anberaumte Prozess gegen den 69-jährigen Ludwig Günter K. aus Baden-Württemberg, der bei einem Besuch der Gedenkstätte Sachsenhausen  am 10. Juli 2018 KZ-Verbrechen verharmlost und die Existenz von Gaskammern in Deutschland angezweifelt haben soll, ist geplatzt. Der Mann erschien nicht vor Gericht. Richterin Barbara Speidel-Mirke musste einräumen, dass dem Amtsgericht die Bestätigung zur ordnungsgemäßen Vorladung des Angeklagten nicht vorliege. Allerdings hatte der Rechtsanwalt des Angeklagten die Vorladung bestätigt und war ebenfalls nicht erschienen. Die Richterin kündigte eine neue Ladung für einen neuen Termin an. Sie strebe ein Verfahren noch in diesem Jahr an.

Gegen den Angeklagten war bereits ein Strafbefehl über 4 000 Euro ergangen, gegen den er Widerspruch eingelegt hatte. Deshalb kam es zur Hauptverhandlung. Der Mann, der zu einer 17-köpfigen Besuchergruppe aus dem Bodensee-Wahlkreis der AfD-Bundestagsfraktionsvorsitzenden Alice Weidel gehörte, hatte nach Angaben eines Guides der Gedenkstätte die Führung immer wieder gestört. Unter anderem soll er gesagt haben, "Gaskammern gab es damals nur in den USA". Nach zahlreichen Diskussionen über historisch belegte Fakten brach der Guide die Tour ab. Der Guide, sein Kollege und ein Teilnehmer des Bundespresseamtes, das die Fahrt organisiert hatte, waren als Zeugen geladen. Die Anklage lautete: Volksverhetzung in Tateinheit mit Störung der Totenruhe.

Einen vergleichbaren Vorfall habe es zuvor in der Gedenkstätte noch nicht gegeben, sagte Stiftungssprecher Horst Seferens. Er sprach von "typischen revisionistischen Argumentationsmustern" bei dem 69-Jährigen. Eine Reaktion von Alice Weidel auf den Vorfall gegenüber der Gedenkstätte habe es nicht gegeben.

Rund 15 Vertreter nationaler und internationaler Medien waren am Dienstag im Amtsgericht erschienen, um über den Prozess zu berichten.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG