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KZ Oranienburg
Konzept für KZ-Gedenkort in Oranienburg gefordert

Burkhard Keeve / 07.11.2019, 18:55 Uhr
Oranienburg (MOZ) Das erste Konzentrationslager Preußens in Oranienburg soll umgestaltet werden. Für Björn Lüttmann (SPD) ist der Gedenkort an der Berliner Straße 47 schon äußerlich eine Schande. "Die Schrift auf dem Gedenkstein für Erich Mühsam ist kaum lesbar", die Infotafel zum KZ sei verschmutzt, "und was soll der Blumenkübel mit dem Tannengrün an dieser Stelle?" Über den Weg in den hinteren Teil des Grundstücks kann er nur den Kopf schütteln. "Was ist das?", fragt er. Das ganze sei als Gedenkstätte "unwürdig". Er wünscht sich einen überdachten Bereich mit multimedialen Angeboten.

Auch für Ulla Daibler-Kiel­czynski (Linke) ist eine Aufwertung "des Gedenkorts überfällig". Ihr geht es nicht nur ums Erinnern, sondern auch um Bildung vor Ort. "Die Leute sollen wissen, was hier los war, sich mit dem Thema auseinandersetzen, da­raus lernen – auch als Prävention gegen Rechtsextremismus", so Ulla Daibler-Kielczynski. Bereits am 21. März 1933 wurde das KZ Oranienburg mit 40 Gefangenen eröffnet.

Gemeinsamer Antrag

Dass jetzt ein gemeinsamer Antrag der Fraktionen SPD, Linke und Grüne der Stadt Oranienburg zur Neugestaltung des Gedenkortes erscheint, ist kein Zufall. Ganz in der Nähe befindet sich die alte Polizeiwache Oranienburg. Das marode Gebäude an der Berliner Straße 45 a steht leer und soll abgerissen werden. An seiner Stelle entsteht ein Wohnheim für Schüler der Polizeihochschule. Damit das Gedenken an das KZ Oranienburg nicht verloren geht, soll der Bürgermeister Alexander Laesicke (parteilos) dazu bewegt werden, sich für eine "würdige Weiterentwicklung" des Gedenk­ortes einzusetzen. Der gemeinsame Antrag wird am 13. November zum ersten Mal im Bauausschuss der Stadt diskutiert werden.

"Es geht um einen ersten Anstoß", sagt Björn Lüttmann. Es sei auch noch unklar, wer dieses Projekt finanziere. Es sei wichtig, dass das Land, genauso wie die Hochschule der Polizei und die Gedenkstätte Sachsenhausen an einen Tisch kommen. "Sie sollten gemeinsam ein Konzept entwickeln, lautet die Forderung der Stadtverordneten.

Orte sollen verknüpft werden

"Es geht darum, die Geschichte aufzuarbeiten", sagt Björn Lüttmann. Thomas Hebestreit von den Grünen, der am Donnerstag ebenfalls vor Ort war, möchte, dass der dann neu gestaltete Gedenkort für das erste KZ Preußens mit dem ehemaligen KZ Sachsenhausen verknüpft wird, damit "Geschichtsinteressierte auch von diesem Ort im Zentrum der Stadt erfahren."

Die ersten40 Gefangenen

In einem Buch von Frédéric Bonnesoeur wird über das "erste Konzentrationslager in Preußen" geschrieben.

Es heißt: "Im guten Einvernehmen: die Stadt Oranienburg und die Konzentrationslager Oranienburg und Sachsenhausen 1933 – 1945".

Demnach waren die ersten 40 Gefangenen des KZ Oranienburg Kommunisten und Sozialdemokraten. Sie wurden festgenommen, weil sie einen Brand in der Lungenheilstätte Grabowsee gelegt haben sollen.

Am 21. März 1933 wurden sie auf das Gelände einer alten Brauerei in der Berliner Straße gebracht. ⇥bu

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