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Lokalgeschichte
Interesse an Geschichte bleibt erhalten

Stöbert gerne in historischen Dokumenten: Margitta Gatzke verfasst zurzeit eine Chronik von Neuhof. Bemerkenswerte Details der Dorfgeschichte inklusive. Doch in wenigen Tagen geht die Archivarin in den Ruhestand.
Stöbert gerne in historischen Dokumenten: Margitta Gatzke verfasst zurzeit eine Chronik von Neuhof. Bemerkenswerte Details der Dorfgeschichte inklusive. Doch in wenigen Tagen geht die Archivarin in den Ruhestand. © Foto: Thomas Pilz
Thomas Pilz / 02.12.2019, 20:45 Uhr
Zehdenick (MOZ) Es sind nur noch wenige Tage. Dann verlässt Margitta Gatzke ihr Büro im Souterrain der Zehdenicker Stadtverwaltung – um endgültig "Ade" zu sagen, denn ihr Ruhestand beginnt.

So unwahrscheinlich aber nicht nur für Umstehende es sein mag, dass die Archivarin der Havelstadt nie mehr das Büro betreten wird, so unwahrscheinlich ist es, dass sie die  Zehdenicker Geschichte von heut’ auf morgen nicht mehr interessieren dürfte. Im Gegenteil: Margitta Gatzke hat ein Faible für das Nachforschen historischer Gegebenheiten und das Stöbern in authentischen Dokumenten. Episoden, Umstände und Begebenheiten, die das Leben vergangener Zeiten plastisch vor Augen führen, rufen ein großes Interesse bei ihr hervor.

Mit anderen Worten: Margitta Gatzke forscht fleißig weiter. Zurzeit etwa setzt sie sich ausführlich mit der Vergangenheit von Neuhof auseinander. Nicht von ungefähr. Neuhof ist ihr Wohnort. Zeitgenossen, die behaupten, Neuhof, das sei nie eine eigenständige Gemeinde gewesen und deshalb ja auch kein Ortsteil von Zehdenick, kann sie bemerkenswerte Fakten entgegenhalten.

Waldheim für Bedürftige

Eine Ansiedlung auf dem Territorium, über das sich heute Neuhof erstreckt, hat es nach ihren Worten um 1700 gegeben. Doch damit nicht genug. 1590 habe der Ort erstmalig schriftlich Erwähnung gefunden, merkt die Archivarin an. Und um 1700 habe es bereits eine Zaunsetzerstelle, also eine größeres Gehöft dort gegeben, wo sich jetzt Neuhof erstreckt.

Richtig los geht es im Sinne einer festen Siedlung um 1884, als Neuhof zu einer Kolonie erklärt worden sei. Dass in Bezug auf Neuhof die Forstbehörde seit jeher, wie später auch die Ziegeleien, eine wichtige Rolle spielte, zeigt sich auch an dem Umstand, dass sich die Königliche Oberförsterei einst in Neuhof befand. Mit dem bemerkenswerten Nebeneffekt, dass nach dem Ersten Weltkrieg, der überwiegend furchtbares Elend verursachte, in Neuhof ein Walderholungsheim errichtet wurde. Und zwar auf dem Gelände der Königlichen Oberförsterei.

Das ließ Margitta Gatzke nicht mehr los. Sie forschte nach und entdeckte spannende Einzelheiten, die sie vor kurzem im Zehdenicker Amtsblatt veröffentlicht hat. So ermittelte die Archivarin, dass es "mit Hilfe öffentlicher und privater Spenden möglich" gewesen sei, rund 200 Kindern Frühstück und Mittagessen zu geben.

"Um aber die Gesundheit der Bedürftigen noch weiter zu fördern, wurden im Sommer 1924 seitens des Kreises im Zehdenicker Forst Liegekuren veranstaltet." Wobei die sogenannte "Kreisfürsorgerin" von mehreren Zehdenicker Damen unterstützt wurde.

Breite Unterstützung

Gut, dass es zu jener Zeit ein Gasthaus gab. Denn der Gastwirt Schulz habe seine Räume zur Verfügung gestellt, damit die Speisen zubereitet werden konnten. Erstaunliches förderte Margitta Gatzke weiterhin aus den Tiefen des Archives zutage: So stammten die Lebensmittel aus öffentlichen Spenden. Lang ist auch die Liste der Spender, die den Bau des Walderholungsheimes ermöglichten. Ziegeleien, Baubetriebe, Malermeister, Schmiede und Tischler engagierten sich.

Faszinierend ist freilich, wenn die Vergangenheit in Gestalt eines Zeitzeugen wieder lebendig wird. "Im Jahr 2019 berichtete mir ein Zeitzeuge, dass er und andere Kinder mit dem Zug nach Neuhof zum Waldheim fahren durften, dort ein wunderbares Essen bekamen, anschließend liegen mussten und dass der Rückweg nach Zehdenick zu Fuß erfolgte", erinnert sich die Archivarin in dem Beitrag für die "Neue Zehdenicker Zeitung".

Gespannt sein darf also der an Zehdenicker Geschichte Interessierte, wenn er die komplette Chronik des Ortes Neuhof vor Augen hat. Ab kommender Woche kann sich die dann ehemalige Archivarin viel Zeit nehmen, die Geschichte des Ortes aufzuschreiben.

Einzelheiten zum "Wohnplatz Neuhof"

Neuhof gilt als ein Wohnplatz auf der Gemarkung der Stadt Zehdenick.

Ein Wohnplatz ist eine räumlich geschlossene, dauernd bewohnte Ansiedlung.

Neuhof entstand um 1725 aus einem Vorwerk, das durch die Umwandlung einer Zaunsetzerstelle am Großen Wildzaun in der Zehdenicker Heide eingerichtet worden war.⇥pilz

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