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Fußball
OFC-Boss in Sorge um die Fankultur

Steffen Kretschmer / 14.01.2020, 11:55 Uhr
Oranienburg (MOZ) Fans und Fußball – das gehört einfach zusammen. Und wenn Fans wie die des SV Zehdenick dabei auch noch in die Kreativkiste greifen, dann sowieso. Beim Oberhavel-Masters um den Orafol-Pokal zogen sie am Sonnabend in der Oranienburger MBS-Arena mehrfach die Blicke auf sich.

Zunächst entrollten die knapp 150 Zuschauer aus der Havelstadt mit dem Beginn der Partie gegen den Birkenwerder BC1908 zahlreiche Banner und wiesen auch mit Gesängen stolz auf das anstehende Vereinsjubiläum ihres SVZ hin. Ein Gänsehautmoment. Dann warfen sie nahezu mit dem Anpfiff des Spiels gegen Velten zahlreiche schwarz-weiße Wasserbälle auf das Parkett. Da diese aber in Windeseile von den F-Junioren des Einlagespiels vom Feld geräumt werden konnten, entlockte dies den Masters-Organisatoren ein Lächeln. "Die Zehdenicker Fans haben ein großes Lob verdient. Sie haben sich sehr vernünftig benommen", sagte Turnierleiter Ingo Widiger.

Und doch gab es etwas, was der Veranstalter zwar während des Masters über sich ergehen ließ, das ihm aber überhaupt nicht passte. Größtenteils war es zwar auf den Rängen, wie auch auf dem Parkett, fair zugegangen. Doch immer wieder waren im Turnierverlauf der gastgebende Oranienburger FC Eintracht, der SV Altlüdersdorf und auch der BSC Fortuna Glienicke Gegenstand von Schmähgesängen beider Tribünenseiten. "Ich bin von Offiziellen der Stadt auf die Gesänge angesprochen worden, und ich glaube, dass der eine oder andere Verein darüber nachdenken sollte, ob man darauf nicht Einfluss nehmen kann. Einfach nur, damit das nicht so verunglimpfend stattfindet, wie es passiert ist", sagt Jürgen Peter.

Unschöne Momente auf den Rängen sind dem 1. Vorsitzenden des Oranienburger FC Eintracht in den vergangen Monaten immer mal wieder begegnet. "Wir hatten ja das Landespokalspiel gegen Babelsberg, welches mir persönlich noch sehr im Nacken sitzt", sagte er. "Wir hatten befürchtet, dass sich beim Masters eventuell Ähnliches wiederholt. Es sind leider Gottes die selben Leute dabei gewesen, die auch damals die Provokateure waren. Ich appelliere an alle Verantwortlichen in den Vereinen, dem entgegenzuwirken. Es ist sehr wichtig, dass wir wieder lernen, Respekt voreinander zu haben." Gelinge dies nicht, würden sich die ehrenamtlichen Helfer sicher irgendwann die Frage stellen, warum sie sich dies gefallen lassen müssten.

Jürgen Peter nutzte deshalb die Gelegenheit bei der an das Masters anschließenden Pressekonferenz für einen kleinen Appell an die Vereinsverantwortlichen. Dabei sei es ihm logischerweise bewusst, dass es natürlich um den sportlichen Wettkampf gehe. "Doch die Fußballer auf dem Parkett sind vielfach Freunde, spielten irgendwo in der Jugend zusammen und sind gemeinsam groß geworden. An ihnen liegt es gar nicht so sehr."

Es seien vielfach die Leute neben dem Platz, die Unruhe reinbringen würden. "Darauf sollten wir frühzeitig ein Auge haben", so der OFC-Vorsitzende, der "mit unguten Gefühlen" einem Problem entgegensieht. "Bei großen Spielen, wie auch beim Derby hier, müssen wir immer mehr Aufwand betreiben, um Ordner und Sicherheitskräfte einzusetzen."

Andreas Hirchert, 2. Vorsitzender des SV Altlüdersdorf, vernahm die Schmähgesänge gegen sein Team sehr wohl. "Lila-Weiße, Altlüdersdorfer Sch..." war zu hören. "Daran gewöhnt man sich über die Jahre. Das gehört zum Fußball leider dazu. Die Emotionen sind groß. Vor zehn Jahren fand ich es schlimm. Mit der Zeit wird man ruhiger. Ich höre nicht mehr hin." Er wisse nicht, warum es derartige Sprüche gegen den SVA gibt. "Es muss daran liegen, dass wir immer besser waren. Wir waren Meister und haben Oberliga gespielt, die anderen nicht." Wenngleich es Hirchert, der die Bälle-Aktion und Choreo der Zehdenicker als "spitzenmäßig" bezeichnet, im Prinzip locker sieht, betont er: "Es sind viele Sponsoren und Kinder in der Halle. Solche Fans machen es mit ihrem Verhalten irgendwann kaputt."

Warum Veltens Block diesmal fehlte

2019 hatte es beim Masters Stress zwischen Anhängern des SC Oberhavel Velten und SV Zehdenick gegeben.

Von einem SCO-Block war diesmal nichts zu sehen. Und das hat einen Grund.

Daniel Radtke, Co-Trainer des SCO: "Das war eine Gruppe aus Berlin, die sich plötzlich ,Inferno Velten’ nannte. Wir wissen nicht, ob die irgendwann den Globus gedreht und den Finger auf Velten gehalten haben. Natürlich haben sie uns unterstützt, aber außerhalb haben sie auch viel Stunk verbreitet. Sie waren verbal dann nicht immer in Ordnung, sodass vom Verband auch mit Strafen gedroht wurde. Deshalb haben wir nach einigen Vorfällen dem einen Riegel vorgeschoben. Damit hatte sich das dann erledigt." Die Gruppierung hat sich mittlerweile aufgelöst.⇥skr

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