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Protest
Regionale Qualität statt Massenware

Haben es satt: Ein Bündnis aus Oranienburger Grünen, Nabu, Fridays For Future Oranienburg, Parents for Future Oberhavel und der Initiative Contra Eierfabrik fuhren nach Berlin.
Haben es satt: Ein Bündnis aus Oranienburger Grünen, Nabu, Fridays For Future Oranienburg, Parents for Future Oberhavel und der Initiative Contra Eierfabrik fuhren nach Berlin. © Foto: Marco Winkler
Marco Winkler / 20.01.2020, 09:00 Uhr - Aktualisiert 20.01.2020, 09:09
Oranienburg/Berlin (MOZ) Insgesamt 27 000 Menschen demonstrierten am Sonnabend unter dem Motto "Wir haben es satt" vor dem Brandenburger Tor für die Unterstützung von Öko-Landwirten und eine artgerechtere Tierhaltung. Unter ihnen waren Initiativen, Engagierte, Unterstützer und Landwirte aus Oberhavel.

Heike Bartel, Ortsvorsteherin in Zehlendorf und Vorsitzende des Vereins "Contra Eierfabrik", war eine von ihnen. "Wir müssen weg von der Massenproduktion und hin zu mehr Qualität", sagte sie am Oranienburger Bahnhof. Die Teilnehmer fanden sich zusammen, um gemeinsam zur Demo zu fahren. Für die Landwirte fordert Heike Bartel eine bessere finanzielle Unterstützung. Nicht nur die Agrarpolitiker, auch die Konsumenten seien gefragt. Jahrzehnte der Überproduktion und des billigen Großeinkaufs im Discounter forderten ihren Tribut in Form von krankheitsbedingten Folgen wie Übergewicht. Eine Ansicht, die Tobias Fiedler, Kopf hinter der Oranienburger "Fridays for Future"-Gruppe, teilt. Er prangert einen überverhältnismäßigen Fleischkonsum an. Jeder hätte es in der Hand, daran etwas zu ändern. Vielleicht müsse man zurück zum Sonntagsbraten, so Fiedler, und ansonsten verzichten. Der Oranienburger spricht sich deshalb gegen das geplante Mercosur-Abkommen aus.

Die EU könnte mit dem Abkommen Fleisch aus Südamerika zu günstigen Konditionen importieren. Die Billigware setze nicht nur die heimischen Landwirte weiter unter Druck. "Dafür wird zudem der Regenwald noch weiter gerodet und Menschen werden vertrieben, nur damit wir billiges Fleisch essen können", sagte Nassrin Büttner von der Oberhavel-Gruppe der "Parents for Future". Sie wolle mit ihrer Teilnahme an der Protestaktion deutlich machen, wie klimaschädlich das Abkommen ist und wie es den heimischen Landwirtschaftszweig noch weiter in die Misere treiben könnte. "Deutschland darf dem Abkommen nicht zustimmen."

Die Bündnisgrüne Landesvorsitzende Julia Schmidt aus Borgsdorf nahm ebenfalls an der Kundgebung teil, um für einen Dialog zu werben – zwischen Politik und Landwirten. Die Umstellung auf ökologische Landwirtschaft sei kein einfacher Schritt, aber durch die gestiegene Nachfrage nach Bio-Produkten aus der Region durchaus als Chance zu verstehen. Sie wolle Landwirten helfen. "Mehr Förderung, bessere Beratung dazu, wie sie bestehende Fördermöglichkeiten nutzen können, und Unterstützung bei der Vermarktung regionaler, ökologisch produzierter Produkte", zählte sie auf. Mit dem Koalitionsvertrag sei die Agrarwende in Brandenburg eingeleitet. "Die Große Koalition im Bund muss jetzt nachziehen und endlich eine zukunftsgerichtete Agrarpolitik machen."

Eine ganz andere Motivation hatte Elisabeth Mandl-Behnke, Co-Sprecherin der Oranienburger Grünen. Sie wünscht sich eine Schulküche in der Kreisstadt. "Vor zwei Jahren haben wir den Vorstoß gemacht." Die SPD-Fraktion kippte das Vorhaben. Als ehemalige Lehrerin grause ihr, wenn sie sehe, was Kinder heutzutage essen. "Wir hätten die Voraussetzungen für eine Schulküche mit vielen Regionalanbietern. Aber es fehlt am politischen Willen", ist sie sich sicher. "Auch die Anbieter wollen ihre Ware ohne große Lieferketten verkaufen."

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