Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Bürgerforum
Rege Diskussion um Wohnungsbau in Hohen Neuendorf

Hellfried Kaiser wohnt direkt an der Bundesstraße. Der Hohen Neuendorfer befürchtet, dass die B 96 den zusätzlichen Verkehr durch die Bewohner der neuen Siedlungen nicht verkraftet.
Hellfried Kaiser wohnt direkt an der Bundesstraße. Der Hohen Neuendorfer befürchtet, dass die B 96 den zusätzlichen Verkehr durch die Bewohner der neuen Siedlungen nicht verkraftet. © Foto: Jürgen Liebezeit
Jürgen Liebezeit / 13.02.2020, 15:20 Uhr
Hohen Neuendorf (MOZ) Rege, teilweise sogar kontrovers, wurde am Mittwochabend auf einem Bürgerforum den geplanten Wohnungsbau im Zentrum von Hohen Neuendorf diskutiert. Gut 300 Besucher verfolgten die Debatte in der Grundschule in der Niederheide.

Die Stadtverwaltung möchte das Areal nördlich des Bahndamms beidseitig der B 96 entwickeln. Nach derzeitigem Stand sollen in den nächsten 20 Jahren auf dem 35 Hektar großen Gebiet 910 Wohnungen für mehr als 2 000 Menschen entstehen. Diese Idee stößt in Teilen der Einwohnerschaft zumindest auf Skepsis. Viele befürchten ein Verkehrschaos auf der bereits heute stark belasteten Bundesstraße. Andere begrüßen, dass die Stadt sozialen Wohnungsbau in größerem Stil realisieren möchte.

Angst vor Stückwerk

"Das ist für Hohen Neuendorf eine sehr ambitionierte Planung", räumte Bauamtsleiter Michael Oleck ein. Er verwies aber auf die Erfahrungen, die die Verwaltung mit der städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme in Borgsdorf gesammelt habe. "Wir wollen die Entwicklung im Zentrum steuern und das nicht den verschiedenen Investoren überlassen. Das gibt nur Stückwerk", sagte er am Mittwochabend. Bürgermeister Steffen Apelt (CDU) wies vehement den Vorwurf aus dem Publikum zurück, die Stadt baue nur für Berliner, die in der Hauptstadt nichts mehr finden würden. "Wir haben extra eine kommunale Wohnungsbaugesellschaft gegründet, um sozialen Wohnungsbau realisieren zu können", so Apelt. "Der wird in Hohen Neuendorf dringend benötigt", weiß der Bürgermeister. Denn die teilweise exorbitanten Mieten seien von vielen Menschen nicht mehr bezahlbar. Derzeit baue die Stadt 36 Wohneinheiten an der Feldstraße. Weitere 200 sozialgeförderte Wohnungen seien im Rahmen der Entwicklungsmaßnahme vorgesehen. Für 75 Prozent dieser Wohnungen soll der Mietpreis zwischen 5 und 7,50 Euro pro Quadratmeter betragen. Wer dort einziehen möchte, braucht einen Wohnberechtigungsschein, der unter anderem abhängig vom Einkommen ist.

Der beauftragte Verkehrsplaner wies die Befürchtung zurück, die B 96 sei für den geplanten Zuzug nicht leistungsfähig genug. Er will den zusätzlichen Verkehr mit drei neuen Ampeln (Erdmannstraße, Summter Straße und Höhe Pagode) in den Griff bekommen.

Kritiker der Maßnahme monieren, dass ein "künstlicher Zuzug" geschaffen werde, den die Infrastruktur der Stadt nicht verkraften könne. Einer sprach sogar von einem "zweiten Marzahn".

Einladung zum Gespräch

Bürgermeister Apelt betonte, dass die städtebauliche Entwicklungsmaßnahme noch keine beschlossene Sache sei. Er rechnet zum Jahresende mit der Entscheidung. Falls sie positiv ausfällt, könnte sich der erste Kran in drei Jahren drehen. Er lud Einwohner, die Fragen und Anregungen sowie kritische Hinweise zu den Plänen haben, ein, die Ausschusssitzungen zu besuchen sowie das persönliche Gespräch im Rathaus zu suchen.

Ob die Himmelspagode abgerissen wird, ist derzeit offen

Das Planungsgebiet im Zentrum der Stadt ist 35 Hektar groß. Es gibt verschiedene Eigentümer.

910 Wohneinheiten sind nördlich des Bahndamms auf beiden Seite  der B 96 vorgesehen. Dort wäre Platz für mehr als 2 000 Menschen.

Ob die Himmelspagode tatsächlich abgerissen wird, ist offen. Eigentümer Wengui Ye hat nach Angaben von Bauamtsleiter Michael Oleck gegenüber der Stadtverwaltung signalisiert, dass er sich langfristig auch eine Bebauung seines Grundstückes mit Wohnhäusern vorstellen könne.

Es sind vielfältige Wohnformen in unterschiedlichen Gebäuden geplant. Vorgesehen ist der Bau von Doppel- und Reihenhäusern, aber auch von Mehrgeschossern mit bis zu vier Stockwerken. Sie sollen vor allem an der Bahntrasse sowie an der B 96 gebaut werden, um den Lärm abzufangen. Alle Dächer sollen begrünt werden.

Es soll auch Platz für nicht störendes Gewerbe vorhanden sein. So will die Stadtverwaltung die Anregung aus dem Publikum für ein Ärztezentrum in die Überlegungen mit aufnehmen.⇥zeit

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2020 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG