Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Bauprojekt
Millionen werden ins Klärwerk Liebenwalde investiert

Volkmar Ernst / 13.02.2020, 16:50 Uhr - Aktualisiert 13.02.2020, 17:37
Liebenwalde (MOZ) Es ist eine Großinvestition, sowohl von den Ausmaßen her als auch vom Kostenvolumen. Der Trink- und Abwasserzweckverband (TAV) Liebenwalde baut auf seinem Betriebsgelände eine Klärschlammvererdungsanlage. Sie wird gut drei Hektar groß sein, wenn sie zum Ende des Sommers in Betrieb genommen wird, und 2,3 Millionen Euro gekostet haben.

Mit 1,6 Millionen Euro wird die Anlage über den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (Efre) gefördert. "Es ist eine Investition in die Zukunft", sind sich TAV-Geschäftsführerin Jana Trampe und Verbandsingenieur Denny Kunz einig. "Die Anlage ist so ausgelegt, dass erst in zehn Jahren erstmals Erde entnommen werden muss. Das gibt uns genügend Zeit, um uns für die Zukunft aufzustellen", so Jana Trampe. Zwei Aspekte sind ihr dabei wichtig, der Umwelt- und Klimaschutz und die Stabilität der Abwassergebühren.

Das Gelände, auf dem die Anlage entstehen soll, befindet sich gleich hinter dem Verwaltungsgebäude des Klärwerkes. Aufgrund des vorhandenen Grundwasserstandes wird die Fläche nur planiert, mit Sand begradigt und darauf die sogenannten Beete angelegt – vier an der Zahl. Die Wälle werden rund zwei Meter hoch sein. Um das Grundwasser zu schützen, wird eine Spezialfolie ausgelegt. Sie ist zum einen undurchlässig, damit weder Wasser noch irgendwelche Substanzen in das Grundwasser gelangen können, zum anderen sogar nagetierfest. "Das ist wichtig, damit die Folie nicht durch die Tiere zerstört wird. Denn sie soll nicht nur ein oder zwei Jahre, sondern Jahrzehnte halten", merkt der Verbandsingenieur an.

Die Funktionsweise der Vererdungsanlage ist simpel. Dem Klärschlamm, also jenem Material, das nach der Reinigung bislang als Dünnschlamm auf die Felder ausgebracht wurde, wird in der Anlage das Wasser entzogen. Übrig bleibt ein Gemisch, das von der Konsistenz her Blumenerde ähnelt. "Es fühlt sich auch genauso an und riecht wie jene Erde, die im Gartencenter zu haben ist", ergänzt Jana Trampe.

Zunächst wird der Klärschlamm in die Beete eingeleitet. Ein großer Teil des Wassers wird über eine Drainage (ein Rohrleitungssystem) abgezogen und der Kläranlage wieder zugeführt. Der Rest verbleibt in der Vererdungsanlage, in der sich außerdem Schilfpflanzen befinden. Diese nutzen einerseits die im Klärschlamm vorhandenen Nährstoffe und unterstützen zusätzlich die Verdunstung des Wassers.

Die im Boden der Beete vorhandenen Mikroorganismen sorgen für die weitere Zersetzung, bis schließlich das der Blumenerde ähnliche mineralisch-organische Erdgemisch übrig bleibt. Ein sehr wohl gewollter Nebeneffekt ist, dass das Gemisch stickstoffarm ist, und damit keine Konkurrenz zu Stickstoffdünger darstellt.

Ausgelegt ist der Prozess auf mindestens zehn Jahre, womit sich für den TAV der Bau neuer Sammelsilos für den Klärschlamm erledigt. Außerdem entfällt die kontinuierliche Abfuhr des Klärschlammes, was wiederum dem Klimaschutz dient (weniger Fahrten, weniger Spritverbrauch).

Wie am Ende die weitere Verwertung der Klärschlammerde erfolgt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Da bei diesem Verfahren keine Chemikalien eingesetzt und organische Schadstoffe sogar abgebaut werden, ist einen Ausbringung in der Landwirtschaft denkbar. Alternativ ist auch eine Verbrennung möglich, die jedoch sehr viel teurer wäre.

Klappt alles, wie geplant, soll die Vererdungsanlage im Sommer oder zum Ende des Sommers fertig sein und der erste Klärschlamm eingeleitet werden können. Als Baubeginn steht der 3. März, wenn um 10 Uhr offiziell der erste Spaten in die Erde gestoßen wird. "Wer neugierig ist und sich die Baustelle ansehen möchte, kann gerne kommen", lädt die TAV-Geschäftsführerin ein.

Informationen zum Verband

Mitgliedsind die Stadt Liebenwalde mit den Ortsteilen Freienhagen, Hammer, Kreuzbruch, Liebenthal, Liebenwalde und Neuholland sowie die Gemeinde Schorfheide mit den Ortsteilen Böhmerheide, Klandorf, Groß Schönebeck und Schluft.

Die Geschichte reicht bis ins Jahr 1990 zurück, als die Bürgermeister der späteren Verbandsgemeinden Groß Schönebeck (Schorfheide), Hammer, Liebenthal und der Stadt Liebenwalde Verträge zum Bau einer gemeinsamen Zentralkläranlage unterzeichneten.

Heute reinigt diese jährlich das Abwasser von 16 000 Einwohnern. Durch eine Kooperation mit dem Niederbarnimer Zweckverband (NWA) konnte dieser auf eine eigene Kläranlage verzichten. Liebenwalde ist so zu mehr als 100 Prozent ausgelastet.⇥veb

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2020 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG