Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Friedenthal
SPD weist den Grünen-Antrag zu Schleuse zurück

Sie sah die Havel zwischen Friedenthal und Schlosshafen im vergangenen Sommer aus.
Sie sah die Havel zwischen Friedenthal und Schlosshafen im vergangenen Sommer aus. © Foto: privat
Klaus D. Grote / 13.02.2020, 18:42 Uhr
Oranienburg (MOZ) Der Grünen-Antrag zur Prüfung und zum Aufschub des für dieses Jahr geplanten Neubaus der Schleuse Friedenthal hat viele Reaktionen hervorgerufen. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Uwe Feiler schrieb auf Facebook: "Ich hoffe, dass dieses für die touristische und wirtschaftliche Entwicklung der Stadt Oranienburg und des Umlandes wichtige Projekt nicht durch ideologischen Nonsens verhindert wird." Der Landtagsabgeordnete und Stadtverordnete Björn Lüttmann (SPD) stellte klar, dass seine Fraktion den Grünen-Antrag ablehnen werde und beschrieb die Vorteile, die sich aus dem Schleusenbau ergeben würden:

"Naturnaher, regionaler Tourismus statt Massentourismus per Flugreise, eine weitere Aufwertung der Havel als touristischer Magnet und Naherholungsbereich (neuer Fuß- und Radweg), wirtschaftliche Stärkung unserer Stadt, eine Verbindung auf dem Wasser von Oranienburg nach Neuruppin." Er verstehe die Ablehnung des lange geplanten und nun "endlich in die Umsetzung gehenden Projektes" nicht, sagte Lüttmann.

Bund übernimmt Kosten

Sebastian Dosch, Sprecher des Wasserstraßen und Schifffahrtsamtes (WSA) in Eberswalde, stellte den Bedenken an dem seit 15 Jahren geplanten Schleusenneubau einige Fakten gegenüber. "Das Projekt ist mehr als der Neubau", sagte Dosch. Der Bund übernehme neben der Hälfte der Baukosten auch die komplette Kampfmittelsondierung im Bereich der Schleuse sowie auf dem 800 Meter langen Havelabschnitt zwischen Schlosshafen und Friedenethal. Auch die Kosten zur Ausbaggerung dieses Flussabschnittes zahle der Bund. Um den Sportbootverkehr auf der Havel auch künftig zu gewährleisten, werde die Havel bei Bedarf in fünf Jahren erneut ausgebaggert. Danach sei die Flusssohle für die kommenden zehn bis 20 Jahre stabil. Die Schiffbarmachung sei ein massiver Eingriff in die Natur. Dafür würden Ausgleichsmaßnahmen geschaffen. "Das ist Teil der Umweltverträglichkeitsprüfung des Landesumweltamtes im Planfeststellungsbeschluss", erklärte Dosch.  Als Ausgleich für den Eingriff werde zudem der Oranienburger Kanal renaturiert. Die Kampfmittelbeseitigung auf dem Havelabschnitt könnte ein Pilotprojekt für alle Wasserstraßen im Raum Oranienburg sein, hofft Dosch.

Mögliche Niedrigwasserstände wie in den beiden vergangenen Jahre habe das WSA genauso wie Hochwasserstände bei der Planung immer im Blick gehabt, so Dosch. "Wir müssen dabei über Friedenthal hinaus denken, von der Müritz bis zur Schleuse Spandau."

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.
Henning Schluß 13.02.2020 - 22:35:06

Kleine interpretation der etwas verklausulierten Aussagen des WSA

Danke für diesen wieder sehr aufschlussreichen Text von Klaus Grote! Wir sehen jetzt, dass die nun eingesetzte Diskussion doch noch Antworten provoziert hat, die bislang nirgends gegeben wurden. Ich will ein paar davon auflisten, weil die Formulierungen von Seiten des WSA so gewählt wurden, das man nicht unmittelbar versteht, was damit gesagt ist. 1. Das WSA reagiert nun endlich auf unseren Einwand, dass die Oranienburger Havel eine viel weniger leistungsfähige Wasserstraße als der Oranienburger Kanal ist. Das konnte im letzten Jahr jede und jeder beobachten, als in der Oranienburger Havel der Motorbootverkehr zum Erliegen kam und nicht mal die Wasserschutzpolizei mehr durchkam, während auf dem Ruppiner und dem Oranienburger Kanal als künstlichen Wasserstraßen alles normal lief. Nun soll der Oranienburger Kanal (einen Kanal) gesperrt werden und dafür der Verkehr durch die Oranienburger Havel (einen Fluß) geleitet werden. Bisher wurde auch im Genehmiugungsverfahren so getan, als seien beide Bundes-Wasserstraßen gleichermaßen leistungsfähig. Nun wird nun offenbar vom WSA eingeräumt, dass dem nicht so ist. Man kündigt nun an, dass die Oranienburger Havel deshalb so lange ausgebaggert wird, bis die Wasserstände gewährleistet sind, die wir von einem Kanal erwarten können. Diese Tiefenausbaggerung ist an keiner Stelle Bestandteil des Genehmigungsverfahrens der Friedenthaler Schleuse gewesen. Ob es dafür eigene Umweltverträglichkeitsprüfungen braucht, werden wohl Juristen klären müssen aber auch Laien, die sich mit der Oranienburger Geschichte nur ein wenig beschäftigt haben wissen, dass wir an der Havel die Auer-Werke hatten. Das Gelände ist bis heute wegen radioaktiver Belastung total gesperrt. Es liegt da wohl auch noch einiges auf dem Grund des Flusses. Hat jemand mal überlegt, was passiert, wenn man die Havel dort auf Kanaltiefe ausbaggert? Weiß irgendjemand, wie man mit dem anfallenden Sondermüll umgeht, wo der entsorgt werden soll, wie lange dafür die Havel gesperrt wird? Weiß das WSA, was da auf es für Kosten zukommen - denn die Kosten wird immerhin der Bund tragen müssen, denn offiziell ist das eine Bundeswasserstraße. Nur die 800 m vom Schloßhafen bis Schleuse Friedenthal übergehen in Verantwortung der Stadt. Hier tauchen plötzlich Fragen auf, die unvermeidbar sind, aber die im Genehmigungsverfahren mit keinem Wort erwähnt wurden. Dort wurde so getan, als sei die Havel bis zum Schloßhafen eine ebenso leistungsfähige Wasserstraße wie der Oranienburger Kanal. Nun wird erstmals öffentlich eingeräumt, dass das nicht stimmt, sondern dass ganz erhebliche Folgearbeiten nötig sein werden! 2. Um die nötige Tiefe der Havel herzustellen, wird es wohl beim Ausbaggern nicht bleiben können. Bislang ist die Ufersicherung entweder durch Pflanzen oder gar nicht gegeben. Die Havel in Oranienburg, mit ihren zahlreichen Altarmen, mäandert einfach aus und deshalb ist der Uferbereich so Idyllisch. Auch für das Stadtklima ist das ausgesprochen wertvoll. Deshalb freuen wir uns über die schöne Promenade an der Havel entlang, von der ja auch immer wieder versprochen wird, dass sie dermaleinst nach Süden und Norden verlängert werden soll. Im Zusammenhang mit dem Bau der Dropebrücke wurde das Versprechen nach Süden erneuert, im Zusammenhang mit dem Neubau der Schleuse taucht es nun Richtung norden wieder aus der Versenkung auf. Gebaut ist bislang nur die Promenade zur Landesgartenschau 2009. Aber das nur am Rande. Wenn die Havel nun durchgehend auf das Niveau einer künstlichen Wasserstraße gebracht werden soll, noch dazu mit 10.000 Motorschiffen im Jahr, bedeutet das nahezu zwingend, dass man auch das Ufer befestigen muss. Das wird die Gestalt unseres Flusses und damit das Stadtbild verändern. Ironischer Weise setzt das Genehmigungsverfahren damit an, dass Oranienburg seine Wasserseite in den letzten Jahren erschlossen habe. Diese wird sich nun verändern. aus dem relativ naturnahen innerstädtischen Fluss Havel wird zunehmend eine kanalisierte Wasserstraße werden müssen um den Ansprüchen an eine leistungsfähige Wasserstraße, wie sie der Oranienburger Kanal war und der Ruppiner Kanal ist, zu entsprechen. Sonst ist die Oranienburger Havel einfach das schwächste Glied in der Kette auf dem Wasserweg von Berlin nach Neuruppin und jeder weiß, eine Kette ist immer nur so stark wie ihr schwächstes Glied. Bei Niedrigwasser kämen dann keine Boote mehr nach Neuruppin, die Berliner wie die Neuruppiner würden sich bei uns schön bedanken und die Motorboote den Oder-Havel Kanal entlangfahren und in Mecklenburg Urlaub machen. 3. Es wird eine "Renaturierung des Oranienburger Kanals" versprochen. Was genau müssen wir uns unter einer "Renaturierung" einer künstlichen Wasserstraße vorstellen? Eigentlich ja wohl die Zurückversetzung in den natürlichen Zustand. Also die Zuschüttung? Das würde die Bootsanlieger die dort ihre Stege haben so wenig freuen, wie die Menschen, die dort gern baden wollen oder auch die, die ihre Boote im Edener Hafen haben. Vermutlich ist das aber auch nicht gemeint, sondern man will damit umschreiben, dass man das Gewässer im Wesentlichen sich selbst überlässt und es im Laufe der Zeit einfach versandet, so wie jetzt die Havel oberhalb des Schloßhafens. Diese ist im Sommer seit Jahren kaum mehr schiffbar. Das passiert durch Sandeinträge durch die Hochwasser, die auch die Havel immer wieder mal hat. Das würde für die Bootsanlieger im Oranienburger Kanal zwar nicht die sofortige Zuschüttung ihrer Wasserstraße bedeuten, aber im Sommer werden auch die Edener wohl in mittlerer Zukunft nicht mehr ihren Hafen verlassen können. Fazit: Für Oranienburg bedeutet diese Ankündigung des WSA also. wir schließen die leistungsfähige Wasserstraße Oranienburger Kanal als Verbindung von Berlin nach Neuruppin. Wir lassen den Kanal wie er ist und er versandet im Laufe der Zeit. Der (zunehmende) Verkehr wird durch die Oranienburger Innenstadt geleitet. Weil die Havel im augenblicklichen Zustand diesem Verkehr aber im Sommer schon jetzt nicht mehr gewachsen ist, wird sie sukzessive zu einem Kanal umgewandelt, ausgebaggert und die Ufer befestigt. Das darf das WSA übrigens machen, ohne die Stadt zu fragen, weil das immernoch vom Status her eine sonstige Bundeswasserstraße ist, für deren Betrieb das WSA zuständig ist. Wir hätten da kaum Einfluss drauf, es sei denn, es wird ein Biber entdeckt :), dann könnte ein Naturschutzverband versuchen eine Stellungnahme abzugeben. Unsere Stadtverordneten und die Landespolitiker müssen sich nun die Frage stellen ob sie das wirklich wollen und was sie sich davon eigentlich versprechen. Ob das die "Belebung der Innenstadt " ist, die sie sich vor 15 Jahren vorgestellt haben oder ob aus dem Projekt unter der Hand etwas ganz anderes geworden ist, als sie es sich einmal gedacht haben, nämlich lustige Boote die Oranienburg als liebenswerte Stadt am Wasser entdecken, um das sie bislang immer einen Bogen gemacht haben. Das hatte man ihnen ja vor 15 Jahren versprochen, als Oranienburg noch eine hässliche Stadt war, aus der jeder gern schnell weg wollte. Das ist nun heute zum Glück längst nicht mehr so. Viele haben uns als liebenswerte Stadt im Grünen mit einem schönen Fluss in der Mitte, in dem manche sogar wieder baden, kennengelernt. Der Schloßhafen ist wie der Wohnmobilstellplatz im Sommer ausgelastet.Die Verlegung der Umgehungswasserstraße in die Innenstadt und die Umwandlung der Havel in einen Kanal brauchen wir eigentlich nicht mehr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2020 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG