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Blindgänger
Bombensuche in Oranienburg wird 2020 beschleunigt

Friedhelm Brennecke / 05.03.2020, 07:18 Uhr - Aktualisiert 05.03.2020, 10:31
Oranienburg (MOZ) Oranienburg wird sich 2020 wohl auf einige Sperrungen wegen der Entschärfung oder Sprengung von Bomben einstellen müssen. "Wir haben uns zahlreiche Stellen vorgenommen, die systematisch abgesucht werden sollen", sagt die zuständige Dezernentin Stefanie Rose (Linke).

Dass der Kampfmittelbeseitigungsdienst (KMBD) in seinem Oranienburger Domizil in der Hans-Grade-Straße wegen technischer Probleme noch nicht voll arbeitsfähig ist, sei kein Hindernis, weil die anfallenden Aufgaben von verschiedenen Standorten aus erledigt würden. Auch Räumfirmen seien wegen der prioritären Absuche von Tesla-Flächen in Grünheide, wie einige Zeitgenossen es befürchtet hatten, nicht aus Oranienburg abgezogen worden, so Stefanie Rose.

Mit Hochdruck werde schon jetzt gesucht. Das erfahre im Laufe des Jahres noch eine weitere Beschleunigung, sagt die Dezernentin. Aktuell werden etwa Flächen auf der ehemaligen Kläranlage an der Lehnitzstraße abgesucht. "Die Arbeiten gehen dort Hand in Hand mit dem Abbruch der Absetzbecken", sagt Stefan Bernard aus dem  Baudezernat. Einer Überprüfung bedarf es auch auf der Baustelle Kita "Kleine Strolche" in Sachsenhausen.

Im Cluster zwischen Röntgenstraße und Joliot-Curie-Straße hat die Absuche privater Grundstücke begonnen. Dazu gab es bereits im vorigen November eine Informationsveranstaltung mit allen betroffenen Anliegern, deren Grundstücke allesamt in den höchsten Gefahrenlagen 9 und 10 nach dem Spyra-Gutachten liegen. Konkrete Absprachen mit den einzelnen Grundstücksbesitzern erfolgen noch, bevor die Suche auf den Flächen dann tatsächlich ansteht.

In den Gefahrenlagen 9 und 10 sind immer noch rund 14 400 Quadratmeter städtische Gebäude- und Freiflächen für Wohnen nicht abgesucht, 2010 waren es insgesamt noch rund 170.000 Quadratmeter. Diese "gefährlichen" Restflächen haben natürlich Priorität.

Der Vorhabenplan 2020 sieht deshalb Restflächen des "Wasserturm-Geländes", auch Gärten am Fischerweg sowie die Bereiche Pawlowstraße, Innstraße, Roseggerweg und Siegstraße zur Absuche vor. Ähnlich sieht es für Lehnitz-Süd mit den Schwerpunkten Karl-Marx-Platz, Am Hag, Havelufer, Kiebitz-, Amsel-, Drossel- und Schwanenweg sowie Finkelsteg aus. In Lehnitz-Nord geht es um die Bereiche Agnetenstraße, Uferpromenade, Waldring, Alter Kiefernweg und Eichenweg.

In Oranienburg-Süd stehen die Quedlingburger-, Schierker-, Blankenburger- und Johann-Strauß-Straße sowie die Thale-, Mozart-, Beethoven-, Haydn-, Schumann-, Lortzing-, Liszt-, Schubert- und Weberstraße auf dem Programm.

In Kürze beginnt die Absuche auch für den Bereich der neu zu bauenden Schleuse Friedenthal. "Sobald dort ein Krötenzaun gesetzt ist, setzen wir die Absuche für den weiteren Verlauf der Flugpionierstraße auf dem nördlichen Abschnitt des alten Flugplatzes fort", sagt Stefanie Rose. Die Arbeiten dort mussten wegen des Vorkommens von Knoblauchkröten und Zauneidechsen unterbrochen werden. Die Stadt will die Flugpionierstraße bis zur Walther-Bothe-Straße noch in diesem Jahr ausbauen.

Vermutlich noch 260 Blindgänger

Im Jahr 2018 wurde zwar auch nach Bomben gesucht. Es gab aber, recht außergewöhnlich für Oranienburg, keinen einzigen Bombenfund.

2019 konnten sechs Bomben entschärft und eine am 19. Dezember im Friedrichsthaler Forst gesprengt werden.

Mit einer Sprengung begann auch das Jahr 2020 am 18. Februar für den KMBD. Eigentlich sollte die Bombe zu Schulungszwecken entschärft werden. Da sich aber einer der zwei mechanischen Zünder nicht bewegen ließ, wurde sie gesprengt. Noch werden rund 260 Blindgänger in Oranienburg vermutet.⇥bren

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