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Fußball
Steffen Misdziol "will keine Krisenszenarien malen"

Stefan Zwahr / 16.03.2020, 06:30 Uhr
Hennigsdorf (MOZ) An Spekulationen werde er sich auf keinen Fall beteiligen, betont Steffen Misdziol. Beim Spielausschuss-Vorsitzenden des Fußballkreises Oberhavel-Barnim klingelt dieser Tage oft das Telefon. Funktionäre, Trainer und Spieler der Vereine wollen wissen, wie es nach der zunächst auf zwei Wochenenden begrenzten Fußball-Zwangspause auf Landes- und Kreisebene weitergehen könne. "Wir wissen es nicht", sagt der Hennigsdorfer. Nach seiner rein persönlichen Meinung befragt, sagt Misdiol: "Das Coronavirus-Problem wird nicht so schnell gelöst sein. Was wir jetzt erleben, ist nicht das Ende der Fahnenstange."

Steffen Misdziol erinnert daran, dass er auch in den zurückliegenden Jahren, wo etliche Spiele aufgrund der winterlichen Witterung abgesagt werden mussten oder es am Saisonende aufgrund ungeklärter Details in höheren Ligen offene Fragen zur Auf- und Abstiegsregelung gab, immer nach einem strikten Motto gehandelt habe. "Wer zu früh rechnet, rechnet zweimal." Und nach diesem Grundsatz werde er auch jetzt und künftig verfahren. "Spekulationen und Mutmaßungen sind überhaupt nicht mein Ding." Dennoch räumt er ein, dass er seine Freizeit ("Als Schiedsrichter werde ich ja gerade nicht gebraucht") nicht sinnlos vergeudet. "Natürlich stelle ich für mich Überlegungen an und mache mir Gedanken. Die behalte ich aber erst einmal für mich." Zumindest öffentlich machen will Misdziol seine Überlegungen nicht. Schon am Dienstag wolle er diese aber mit den anderen Mitgliedern des Spielausschusses diskutieren. "Dieses Treffen hätte auch ohne die Generalabsage stattgefunden. Wir beraten in regelmäßigen Abständen und sprechen über den Stand der Dinge." Nun würde es aber vor allem um die aktuelle Situation gehen. "Wir werden sicherlich ein paar Modelle beraten, können aber natürlich überhaupt nichts entscheiden. Auch wir hängen in der Luft."

Einblicke in seine Gedankenspiele lässt Misdziol daher nicht zu. "Ich will keine Krisenszenarien malen und lehne es ab, schon jetzt und mit den vielen Fragezeichen einen Plan B zu entwerfen." Alle Funktionäre hätten ein gemeinsames Interesse: "Wenn es irgendwie geht, würden wir die Saison gern regulär zu Ende spielen." In dieser Hinsicht sei man aber auch an die Vorgaben von übergeordneten Verbänden wie dem des Landes Brandenburg gebunden. "An diese Entscheidungen wollen wir uns schon anpassen."

Momentan könne aber einfach nur abgewartet werden. "Wir wissen nicht und können nicht einmal erahnen, was passiert und wie viele Spiele ausfallen. Da gibt es so viele Faktoren, die wir nicht beeinflussen können."

Auch die Frage, wie viele Spieltage ausfallen dürften, um bis zum derzeit geplanten Saisonende alle Partien nachholen zu können, will Misdziol eigentlich nicht beantworten. "Es gab schlimme Winter und wir haben es immer geschafft. Nun haben wir aber eine ganz andere Situation. Das ist höhere Gewalt." Natürlich würde es theoretisch die Möglichkeit geben, englische Wochen zu fahren. Vier oder fünf Wochenenden der Zwangspause könnten so unter Umständen nachgeholt werden. "Aber auch das ist reine Spekulation. Es ist ganz einfach: Wenn wir wissen, wie die Situation ist, werden wir handeln."

Fußball und Corona: Mögliche Szenarien

Der Spielbetrieb auf Landes- und Kreisebene wurde bis zum 22. März ausgesetzt. Betroffen sind alle Partien im Nachwuchs, bei den Männern, Frauen und Senioren.

Verbindliche Aussagen, wie es nach der Zwangspause weitergeht, sind derzeit nicht möglich.

Gedankenspiele gibt es aber viele. Folgende Szenarien sind unter anderem denkbar:

● Der Spielbetrieb wird ausgesetzt, bis die Coronavirus-Pandemie beendet ist. Ab diesem Moment werden alle ausgefallenen Spiele nachgeholt. Die Rahmenpläne der folgenden Saison müssten dann gegebenenfalls angepasst werden. Hauptprobleme wären der Profifußball und die internationalen Großturniere.

● Die Saison wird abgebrochen und die aktuelle Tabelle (oder die nach Abschluss der Hinrunde) dient als Maßstab. Problem: Etliche Mannschaften würden Nachteile im Kampf um Meisterschaft oder Klassenerhalt geltend machen.

● Die Saison wird abgebrochen. Mannschaften, die nach aktuellem Stand die Aufstiegsplätze einnehmen, rücken in die nächste Liga auf. Die Staffelstärken werden dementsprechend angepasst. Die höhere Anzahl der Punktspiele könnte durch eine Reform oder Streichung der Pokalwettbewerbe geregelt werden.

● Die Saison wird abgebrochen und alle Spiele werden annulliert. Die nächste Spielzeit beginnt dann mit der gleichen Ligenzusammensetzung wie die Saison 2019/20. Es gibt keine Auf- und Absteiger. Problem: Die Topteams werden um den Lohn gebracht, Teams, die sich durch Abstieg oder freiwilligen Rückzug Vorteile erhoffen, hätten die alten Sorgen.

● Die Saison wird abgebrochen. In Relegationsturnieren fällt die Entscheidung über Auf- und Abstieg.⇥sz

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