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Finanzspritze
Ergotherapeutin in Hohen Neuendorf fordert Soforthilfe von den Krankenkassen

Heike Weißapfel / 26.03.2020, 16:42 Uhr - Aktualisiert 27.03.2020, 07:35
Hohen Neuendorf (MOZ) Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Logopäden und Podologen, die sogenannten Heilmittelerbringer-Berufe, haben es dieser Tage schwer. Einerseits gehören sie wie Ärzte, Apotheker und Krankenhauspersonal zu den systemrelevanten Berufen, andererseits bleiben die Patienten und Kunden zu Hause und sagen ihre Termine ab. Liv Krause, Ergo- und Reittherapeutin aus Hohen Neuendorf, hat dafür durchaus Verständnis. "Entweder sie bleiben weg, weil sie Angst vor einer Ansteckung mit dem Corona-Virus haben, oder weil sie nicht wissen, ob sie selbst vielleicht uns anstecken könnten."

Liv Krause schließt sich deshalb der Forderung des Spitzenverbands der Heilmittelverbände (SHV) nach einer Soforthilfe durch die gesetzliche Krankenversicherung an. Berufe wie Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie und Podologie arbeiteten sowieso schon am Existenzminimum und könnten ihre Preise nicht selbst bestimmen.

Liv Krause behandelt als Ergotherapeutin und Reittherapeutin sonst nicht nur einzelne Patienten, sondern auch Kinder- und Jugendgruppen aus Jugendeinrichtungen, hyperaktive Kinder, eine Gruppe von behinderten Menschen, sowie Patienten mit einem schwachen Immunsystem. Alles, was in der Gruppe gemacht wird, fällt natürlich sowieso schon aus. Aber auch sonst sei es oft sehr schwierig, körperliche Distanz zu schaffen und zu wahren. "Wenn ich ein Handgelenk mit Arthrose beweglich machen soll, geht das nicht auf Abstand", nennt die Ergotherapeutin ein Beispiel.

Die Inhaberin und ihre beiden Mitarbeiter behandeln in ihrer Hohen Neuendorfer Praxis in der Oranienburger Straße Patienten aller Altersklassen mit körperlichen Bewegungseinschränkungen, mit Depressionen oder Ängsten. In Nassenheide hat sie zusätzlich Patienten, die mit "dem Hilfsmittel Pferd" therapiert werden. Dort beschäftigt sie auch noch zwei Kräfte.

"Sollten die Praxen aus finanziellen Gründen schließen müssen, wird dies auch in Hohen Neuendorf nicht nur jetzt in der Krise, sondern auf Dauer massive Versorgungsprobleme bringen, was am Ende allen Patienten schadet, weil es Heilungsprozesse verzögert oder unmöglich macht", sagt Liv Krause über ihren Berufsstand. "In der jetzigen Krise sind wir einfach vergessen worden", meint sie. Dabei gehörten sie doch ausdrücklich zum Kern der Gesundheitsversorgung.

Hausbesuche bei Patienten in Altenheimen fallen derzeit aus. Kleinen Kindern sei es besonders schwer zu vermitteln, dass körperliche Nähe augenblicklich tabu ist. "Ich würde im Sinne meiner Mitarbeiter und im Sinne der Patienten am liebsten alle Bereiche schließen, bei denen ein Risiko gegeben ist", sagt Liv Krause. "Aber solange keiner von uns betroffen ist und wir noch Desinfektionsmittel haben, darf ich das nicht." Mehr als die Hälfte der Patienten bleibe inzwischen aus. Länger als anderthalb bis zwei Monate könne die Praxis so kaum überleben, zumal die Krankenkassen die Kosten auch erst nach der Abarbeitung der Verordnungen zahle, die meistens zehn Anwendungen, also zehn Wochen umfasse.

Es bringe die Krankenkassen nicht in finanzielle Schwierigkeiten, den sogenannten Heilmittelerbringern eine Soforthilfe auszuzahlen. Denn die durchschnittliche Menge an Rezepten pro Monat sei praxisbezogen bei den Krankenkassen bekannt und in deren Haushalt eingeplant. Die Soforthilfe sei also möglich. "Für die Krankenkassen ist das ein Nullsummenspiel", sagt Liv Krause. "Aber für uns geht es um die Existenz."

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