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Hebammen trotzen der Corona-Krise

Hebamme Manuela Minge
Hebamme Manuela Minge © Foto: privat
Amy Walker / 07.04.2020, 17:57 Uhr - Aktualisiert 07.04.2020, 19:02
Oranienburg (MOZ) "Das, was mir gerade am Schwersten fällt, ist, dass ich die Frauen nicht mehr umarmen kann." Manuela Minge seufzt am Telefon. "Wenn die Frauen, die Baby Blues haben, nicht geschlafen haben und weinen, dann tut mir das leid, dass ich sie nicht drücken kann."

Seit 1983 arbeitet Manuela Minge als Hebamme. Während das Coronavirus die Bundesrepublik beschäftigt, kümmert sie sich weiter um Schwangere und Neugeborene. "Babys kommen ja noch auf die Welt", sagt sie. Hausbesuche darf sie noch machen, aber sie muss das Pensum auf die wichtigsten Besuche herunterschrauben. "Das, was nicht wirklich in Person nötig ist, mache ich telefonisch", sagt die 56-Jährige. In ihrer Praxis, das "Hebammenstübchen-Central" in Oranienburg, die sie mit ihren Kolleginnen Katja Tietsche und Heidrun Vorkel führt, wurden auch diverse Hygienemaßnahmen umgesetzt: Türklinken werden desinfiziert und alle tragen Schutzmasken. Die verschiedenen Kursangebote, zur Geburtsvorbereitung oder Rückbildungskurse, finden nicht mehr vor Ort statt. "Ich denke aber über Kurse per Video nach", sagt Manuela Minge. Auch ihre beiden Kolleginnen würden sich in diesem Bereich gerade ausprobieren.

An der eigentlichen Arbeit hat sich aktuell wenig verändert. Auch seien die meisten Paare ziemlich gelassen, berichtet Manuela Minge. "Wenn dieses Virus eine positive Seite hat, dann, dass die Hausbesuche generell ruhiger sind. Es ist nicht mehr die Wohnung voll mit Besuch, die Frauen bekommen viel mehr Ruhe. Die Ruhe, die sie auch wirklich brauchen."

Die Frauen berichten ebenfalls, dass sie sich ganz stark auf ihr Neugeborenes konzentrieren können, da nicht mehr ständig Besuch zu erwarten ist. Dafür sei der Aufenthalt im Krankenhaus viel kürzer geworden, da die Väter nur, "wenn es dann ernst wird", kommen dürfen und nicht die ganze Zeit bleiben können. "Wenn die Frauen früher wieder nach Hause gehen, haben wir wiederum mehr Hausbesuche."

Ängste wegen des Virus haben die meisten Paare laut Manuela Minge aber nicht. "Grundsätzlich wissen die meisten schon ganz gut selbst Bescheid. Ich bin aber trotzdem erstaunt, wie viele ohne Mundschutz zu uns kommen." Zwar sei über das Virus noch nicht allzu viel bekannt, doch Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für Fehlgeburten, Anomalien beim Fetus oder Übertragungen des Virus auf das Baby gebe es laut Experten bislang nicht.

Alle Entwicklungen rund um das Coronavirus in Brandenburg und Berlin finden Sie in unserem Blog.

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