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Pate gesucht
Kamelhof Nassenheide begrüßt Kamelbaby "Corona"

Amy Walker / 08.04.2020, 07:00 Uhr - Aktualisiert 08.04.2020, 11:14
Nassenheide (MOZ) Der Kamelhof Nassenheide eignet sich perfekt für Tagesausflüge. Aktuell nicht erlaubt, aber der Hof freut sich schon auf die nächsten Gäste, die das Kamelbaby "Corona" besuchen wollen.

Zuerst stürmen die Hunde zur Begrüßung ans Tor. Vier aufmerksame, neugierige Hovawarte beschnuppern die Besucherin am Eingang, gemeinsam mit der Gastgeberin, Gabriele Heidecke. "Die sind noch ziemlich jung und aufgeregt. Einfach ignorieren", sagt Heidecke. Angst braucht hier keiner haben: Keines der Tiere oder der Menschen hier ist an Stress interessiert. Es geht  nur um die schönen Erlebnisse mit den Tieren. Und vor allem geht es um die Kamele.

Nachwuchs im Stall

Auf dem Kamelhof in Nassenheide leben seit 16 Jahren diese Wüstenbewohner unter der Obhut von Gabriele und Jörg Heidecke. In ihrer Herde hat Gabriele Heidecke aktuell 15 Tiere. "Mehr sollten es aber nicht werden", sagt sie. Seit 18 Tagen ist das die neue Zahl – denn seitdem gibt es wieder Nachwuchs. "Das ist Corona. Wir wollten den Begriff dadurch mal positiv besetzen", sagt Jörg Heidecke. Im Stall liegt das Fohlen, umgeben von Heu, noch hat die kleine Corona das graue Fell der Kamel-Jungtiere. Daneben steht die Mutter, die die Menschen und Hunde schnuppernd begrüßt. Wenn Corona aufsteht, torkelt sie noch ein wenig unsicher auf ihren Beinen. "Bis zum ersten Fellwechsel im Winter wird sie die graue Farbe noch haben. Ob sie hell oder dunkel wird, werden wir erst danach sehen", so Gabriele Heidecke. Die Mutter von Corona ist die fünfjährige "Dörges" – benannt nach eine der wenigen Kamelforscherinnen, die es überhaupt gibt. "Wir wissen extrem wenig über Kamele, sie sind einfach nicht viel erforscht. Aber Dr. Birgit Dörges ist eine Expertin", erzählt Gabriele Heidecke. Aus diesem Grund hatte sie eine ihrer Kamele nach der deutschen Biologin benannt.

Entspannung auf dem Land

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde im Stall ist es an der Zeit, einen kleinen Spaziergang zu machen. Die Herde geht raus auf die Weide, wo die Besucher sie normalerweise streicheln und bürsten können. Dörges will auch mit der Herde mitgehen – aber sie muss die kleine Corona erst überzeugen. "Ja, die weiß noch nicht so richtig, was hier passiert", sagt Gabriele Heidecke, als Corona sich erst weigert, die Sicherheit des Stalls zurückzulassen. Durch die gemeinsamen Überredungstechniken von Mensch und Tier kommt Corona dann doch irgendwann mit, um auf der Weide abgetrennt vom Rest der Herde ein wenig zu verweilen. "Die ist noch zu jung, um mit den anderen zu spielen", erklärt Gabriele Heidecke die Abtrennung von den anderen. "Aber bald kommt wahrscheinlich noch ein zweites Fohlen, das wird dann schön für beide", sagt die Gastgeberin. Wenn das neue Fohlen eines Gast-Kamels männlich wird, würde sie es Covid nennen. "Darüber entscheide aber nicht ich, sondern die Besitzerin."

Wie kommt jemand also auf die Idee, Kamele zu halten? "Ich wollte Tiere halten, und mich dabei aber nicht schlecht fühlen. Erst dachte ich an Pferde, aber die Konkurrenz ist so groß. Dann kam ich auf Kamele", erinnert sich Heidecke. Mit ihrer Herde pflegt sie eine enge Bindung, es gibt gegenseitiges Vertrauen, mit vielen Tieren hat sie schon einiges erlebt. Sie weiß ganz intuitiv, wann die jüngeren Kamele bereit für das Reiten sind. "Genauso wie Eltern wissen, wann ihr Kind bereit für die Schule ist".

Auf dem Kamelhof kommen Besucher zur Ruhe. Auf den gegenüberliegenden Feldern ist nur das weite Grün zu sehen, in der Ferne noch die Wälder. Zwei Pferde weiden hinter einer Kiefer. Im frühen April weht noch ein frischer Wind, die Sonne wärmt aber die Hände. Die Kamele haben sich jetzt in Grüppchen hingelegt. Sichtlich entspannt genießen sie ebenfalls die ersten Frühjahresstrahlen. "Viele unserer Gäste sind Großstädter. Sie kommen oft aufgeregt und gestresst her. Auf dem Hof kommen sie runter, wenn sie die Kamele ein bisschen streicheln und mit ihnen interagieren. Ich muss die Tiere nur arbeiten lassen", sagt Gabriele Heidecke. Ein wichtiger Grund, weshalb sie meistens nur kleine Gruppen auf einmal einlässt, ist dass sie den Gästen dann ihre volle Aufmerksamkeit schenken kann. "Ich möchte keine Hektik. Wir haben hier unseren Rhythmus." Dass das nicht das große Geld bringt, weiß Familie Heidecke. Auf ihrem Hof machen sie das, was für sie als Familie – und dazu muss jedes Tier mitgezählt werden – am Besten ist.

Tierpaten gesucht: Für "Corona" und andere

In der Corona-Krise bleibt der Kamelhof geschlossen. Über Spenden würde sich die Familie freuen. Wer spenden oder Tierpate für die kleine Corona werden möchte, findet Informationen unter www.kamelhof-nassenheide.de. Kleine Gruppen können, sobald möglich, wieder kommen. ⇥wal

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