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Auszeichnung
Franz-Bobzien-Preis geht an Erinnerungsprojekt in Schulen

Klaus D. Grote / 29.04.2020, 21:51 Uhr
Oranienburg (MOZ) Eine Woche lang hatten Fünftklässler der Waldgrundschule Oranienburg im vergangenen Juni zu jüdischem Leben geforscht. Sie haben Stolpersteine dokumentiert, eine kleine Ausstellung konzipiert und Filme gedreht. Das vom Berliner Verein Schlaglicht initiierte Projekt "Keine Schule, kein Haustier, kein... – Alltag jüdischer Kinder im Nationalsozialismus", das auch an der Löwenberger Libertasschule umgesetzt wurde, wird jetzt mit dem mit 3 000 Euro dotierten Franz-Bobzien-Preis ausgezeichnet. Das gaben die Stadt Oranienburg und die Gedenkstätte und das Museum Sachsenhausen bekannt.

Die 13-köpfige Jury habe unter 30 Bewerbungen ausgewählt. Der Preis solle in Kürze in kleinem Rahmen übergeben werden, teilten Bürgermeister Alexander Laesicke und Stiftungsdirektor Axel Drecoll mit. Ursprünglich war die Übergabe während der Gedenkveranstaltungen zum 75. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Sachsenhausen geplant gewesen.

Das Projekt habe sich insbesondere durch die in den Fokus genommene Zielgruppe und den präventiven Ansatz durchsetzen können. Fünft- und Sechstklässler seien innerhalb jeweils einer Projektwoche altersgerecht an den Nationalsozialismus herangeführt worden und hätten sich anhand von Biografien einen eigenen Zugang zu Lebensgeschichten jüdischer Kinder erarbeitet. Zudem hätten sie sich mit der nationalsozialistischen Vergangenheit der eigenen Gemeinde auseinandergesetzt und kleine Erklärvideos entwickelt, heißt es in der Begründung.

Die Präsentation zum Abschluss der Projektwoche für Eltern, Geschwister und Freunde in der Waldschule wurde am 7. Juni  zu einem kleinen Filmfestival.  Bevor die Gäste damals die konzipierte Ausstellung sehen konnten, wurden sieben kurze Filme gezeigt, in denen über das Leben jüdischer Kinder in der Zeit des Nationalsozialismus berichtet wurde. Die Mädchen und Jungen der 5a erzählten die Geschichten von Kindern, die allein überleben mussten, weil ihre Eltern umkamen. Zum Beispiel vom 15-jährigen Seev, der ohne Begleitung nach Palästina auswanderte. Seine Eltern hatten sich umgebracht. Mit leichter Verständlichkeit und ausreichender Ernsthaftigkeit und Würde hatten die Kinder mit der Darstellung von Einzelschicksalen deutlich gemacht, wie grausam die Verfolgung jüdischer Menschen für jeden Einzelnen war.

Der zweite Platz des Franz-Bobzien-Preises, ein Tagesaufenthalt in der Internationalen Jugendbegegnungsstätte Sachsenhausen "Haus Szczypiorski", geht an das Projekt "Discover diversity – between the present and the past" der Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus.  In dem Modellprojekt werden bereits gut integrierte Flüchtlinge als Trainer qualifiziert, um dann in Willkommensklassen selber Aufklärungsarbeit zu leisten und Wissen zu deutscher Geschichte und Antisemitismus zu vermitteln. "Flüchtlinge treiben so selber Integration mit voran und dienen den "Neuen" als Identifikationsfiguren", lobte die Jury.

Der dritte Platz geht an das in Kooperation mit Hertha BSC durchgeführte Fanprojekt "Aus der eigenen Geschichte lernen – Hertha BSC im Nationalsozialismus". Akribisch hatten die Teilnehmer unter anderem in Archiven geforscht und damit beispielsweise dem früheren Vereinsmitglied Eljasz Kaszke ein Gesicht gegeben. Denn kaum mehr als dessen Todesdatum war zunächst bekannt.  Der in Berlin lebende polnische Jude war 1939 ins KZ Sachsenhausen deportiert worden und dort 1940 umgekommen. Sein Name fand sich auf der Todesliste des Lagers. Auch zum jüdischen Mannschaftsarzt Hermann Horwitz, der am 19. April 1943 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet worden war, forschten sie. Diese und andere Biografien übergaben die Teilnehmer des 2016 gestarteten Fanprojekts 2018 der Gedenkstätte Sachsenhausen.

Erinnerung an Widerstandskämpfer

Alle zwei Jahre vergeben die Stadt Oranienburg und die Gedenkstätte und das Museum Sachsenhausen dgemeinsam en Franz-Bobzien-Preis, den früheren Oranienburger Toleranzpreis.

Der Name erinnert an den Widerstandskämpfer Franz Bobzien, der nach Verbüßung einer politischen Haftstrafe im emsländischen KZ Esterwegen ins KZ Sachsenhausen verschleppt wurden.

Ende 1940 wurde Bobzien zu Bombenräumungsarbeiten in Berlin verpflichtet. Mit vier kommunistischen Mithäftlingen des KZ Sachsenhausen kam er bei dieser Arbeit am 28. März 1941 ums Leben.

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