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Naturschutz
Oberhavels Moore sollen revitalisiert werden

Rundblättriger Sonnentau findet sich in Oberhavels Moorgebieten.
Rundblättriger Sonnentau findet sich in Oberhavels Moorgebieten. © Foto: Kreis Oberhavel/Manuela Walther
Burkhard Keeve / 25.05.2020, 09:42 Uhr - Aktualisiert 25.05.2020, 10:03
Oberhavel (MOZ) Die Landesregierung macht den Weg frei für den Erhalt der Artenvielfalt. Auch Oberhavels Moore sollen revitalisiert werden.

Dass Moore ein Gruselimage haben, liegt wohl an diversen Filmen, in denen immer wieder einfach Menschen verschwinden, verschluckt vom Moor. Doch das haben die Feuchtgebiete nicht verdient und machen sie auch nicht aus. In Oberhavel wie in ganz Brandenburg gibt es Gebiete, die ein genaueres Beschäftigen und Hinschauen verdienen. Gerade jetzt, wo dem Besucher mancherorts der weißblühende Sumpf-Porst "entgegenduftet", der gern als Hopfenersatz und Mottenschreck verwendet wird oder eher wurde. Nicht selten ist in den Sumpfgebieten auch die Ringelnatter heimisch, die Moorfrösche sowieso, von denen die Männchen himmelblau leuchten.

Ob das auch die Brandenburger Koalitionsfraktionen von Grünen, CDU und SPD vor Augen hatten, als sie entschieden, sich für den Moorschutz in Brandenburg einzusetzen, ist unklar. Aber ihr Antrag mit dem Titel "Moorschutzprogramm erarbeiten und umsetzen"  wurde jetzt im Potsdamer Landtag beschlossen.

Landwirte mit einbeziehen

Oberhavels Landtagsabgeordneter aus Borgsdorf, Thomas von Gizycki (Bündnis 90/Grüne), mag Feuchtgebiete: "Moore liefern einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz, zum Erhalt der Artenvielfalt und für die Naherholung." Mit dem gerade gefassten Beschluss soll auch für die Revitalisierung von Mooren in Oberhavel der Weg freigemacht werden. "Davon profitieren die Moorwiesen an der Briese in Birkenwerder genauso wie die Reste des Herthamoores in Hohen Neuendorf. Sehr wichtig wird aber auch die Erprobung landwirtschaftlicher Nutzung von revitalisierten, ehemaligen Mooren. Viele Böden in Oberhavel waren mal Moore", so von Gizycki. Sonst scheitere die Revitalisierung landwirtschaftlich genutzter Moore oft an wirtschaftlichen Interessen der Nutzer. "Das wollen wir ändern." Durch eine extensive Nutzung von Moorböden seien Natur- und Klimaschutz mit einer landwirtschaftlichen Nutzung vereinbar. "Ich freue mich auf erste Projekte dazu in Oberhavel", so Gizycki.

Durch die Landesregierung soll ein Moorschutzprogramm erarbeitet werden, das den Schutz von intakten Mooren, die Revitalisierung von Mooren ohne Nutzung und die klimaverträgliche Nutzung von Moorböden beinhaltet. Neben einer verbesserten Beratung der Landnutzer sollen vor allem erweiterte Fördermöglichkeiten für ein besseres Staumanagement und die Anschaffung geeigneter Bewirtschaftungstechnik sowie Pilotprojekte zur Schaffung von Verwertungsketten von Erntegut aus nassen Moorflächen in Betracht gezogen werden. Auch landeseigene Moorflächen sollen unter Klimaschutzaspekten schonend bewirtschaftet werden.

Brandenburg zählt zu den drei moorreichsten Bundesländern. Nach jahrhundertelanger Trockenlegung können heute noch 260 000 Hektar (8,8 Prozent der Landesfläche) als organische Böden bezeichnet werden. Davon werden 162 000 Hektar als Niedermoore (5,5 Prozent der Landesfläche) eingeordnet. Etwa 105 000 Hektar Niedermoor werden landwirtschaftlich genutzt, vorwiegend als Grünland. Mittlerweile gebe es gute praxistaugliche Beispiele für Moornutzung unter höheren Wasserständen, so durch Weidenutzung angepasster Nutztierarten oder den Anbau von Schilf und Rohrkolben zur Verwertung als Bau- und Dämmstoff.

Moorlandschaften im Landkreis

Es gibt viele schöne Moorlandschaften in Oberhavel wie zum Beispiel das Papenluch in Brise, das Rhinluch in Kremmen und das Herthamoor in Bergfelde. Auch um Menz ist viel schützenswertes Moor, das seit Jahren teilrenaturiert wird.

Außerdem ist der Albrechtsee ein Verlandungsmoor, das sich südwestlich von Glambeck und nördlich von Grieben befindet.

Der Bibelsee ist ein Kesselmoor und befindet sich bei Drögen südlich von Fürstenberg.

Ein Niedermoorgebiet befindet sich im Naturschutzgebiet (NSG) "Lubowsee" im  südöstlichen Teil Oberhavels in den Gemarkungen Zühlsdorf und Wensickendorf. Dieses Niedermoorgebiet ist Teil der Wandlitzer Seenkette, einer eiszeitlichen Schmelzwasserrinne, welche die Barnimplatte über das Briesefließ in die Havel entwässert.

Ein Hochmoor liegt im Naturschutzgebiet "Schwarzer See", das sich in der Gemarkung Fürstenberg an der Grenze zu Mecklenburg-Vorpommern befindet. Der Schwarze See ist etwa 1,8 Hektar groß, bis zu vier Meter tief und wird von der Landesgrenze durchteilt. Der Schwarze See selbst ist der Restsee (Hochmoorweiher) einer einst größeren Wasserfläche.⇥bu

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