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Besucherlenkung
Lösungsvorschläge für Gedenkstätte Sachsenhausen bis September

Klaus D. Grote / 28.05.2020, 18:03 Uhr - Aktualisiert 28.05.2020, 18:36
Oranienburg (MOZ) Zum ersten Mal saßen am Donnerstag alle Beteiligten an einem Tisch. Im Veranstaltungsaal der ehemaligen Häftlingswäscherei hörte sich Kulturministerin Manja Schüle (SPD) an, welche Probleme die über Jahre gewachsene Besucherzahl der Gedenkstätte Sachsenhausen und ihren Anwohnern bereitet. Dabei wurde deutlich, dass die unterschiedlichen Interessen schwer unter einen Hut zu bringen sind. Dies habe für viele Befindlichkeiten gesorgt. Die von der Ministerin angemahnte vertrauensvolle Zusammen gebe es nicht mehr, sagte Christian Wollank von der Anwohnerinitiative AWI. "Das Vertrauen haben wir verloren."

Seit drei Jahren fordern die Anwohner die Verlegung des Reisebusparkplatzes. Bis zu 40 Busse täglich sorgen mit Lärm und Abgasen durch laufende Motoren für Frust bei den Anwohnern. Es kam sogar schon zu Handgreiflichkeiten zwischen überhitzten Gemütern. "Eine Verlagerung auf die andere Seite der Lagermauer würde uns nichts nützen. Der Verkehr bliebe ja auf unseren Straßen", sagt Christian Wollank. Seit 2017 warte man auf eine Lösung. Damals verständigten sich Stadtverwaltung und Gedenkstätte, das Problem zu beseitigten. Doch die Gespräche stockten irgendwann. Schließlich bat die Stadt das Land, die Federführung zu übernehmen. Doch das Kulturministerium lehnte ab.

Einladung nach Potsdam

Manja Schüle beschrieb ihre Rolle nun als Vermittlerin. Zudem werde sich ihr Ministerium an den notwendigen Prüfungen der Lösungsvorschläge beteiligen. "Das benötigt Zeit", sagte Manja Schüle. Dennoch versprach sie, gemeinsam mit der Stadt bis September Ergebnisse der Prüfaufträge vorzulegen. "Dann können wir gemeinsam darüber beraten", sagte die Ministerin und lud dazu nach Potsdam ein. "Wir können gemeinsam eine einvernehmliche Lösung finden", sagte sie.

Stiftungsdirektor Axel Drecoll betonte, dass für die Kompromissfindung alle Seiten aufeinander zugehen müssten. Wichtig sei aus Sicht der Gedenkstätte dabei, dass sich die Beteiligten auf zwei Punkte einigten: Die historische Topografie des Geländes und der Zugang zur Gedenkstätte bleiben unverändert. Und: "Die Reisebusse kommen raus", sagte Drecoll.

Darüber hinaus ist aber weiterhin eine bessere Anbindung des Linienbusverkehrs zu erreichen. Der stellvertretende Landrat Egmont Hamelow (CDU) sagte, der Landkreis strebe einen 20-Minuten-Takt an. Das Angebot eines Shuttle-Bus-Verkehrs zwischen Bahnhof und Gedenkstätte liege bei der Landesregierung. "Sie müssen zu Taten schreiten und das Portemonnaie öffnen", sagte Hamelow zur Ministerin, die erklärte, von dem Angebot nichts zu wissen.

Dass nicht alle Beteiligten immer miteinander reden, hatte in der Vergangenheit bereits die Stadtverwaltung der Gedenkstätte vorgeworfen. Am Donnerstag beklagte sich Andreas Meyer, stellvertretender Präsident des Internationalen Sachsenhausen Komitees (ISK), bei der Lösungssuche übergangen worden zu sein. Der am Vorabend vom Bauausschuss empfohlene und ohne Beteiligung des ISK zustande gekommene CDU-Antrag für einen neuen Reisebusparkplatz sei ein Affront. "Man hätte auf uns zugehen müssen", sagt Meyer, der aber Verständnis für die Probleme der Anwohner zeigt. "Wir haben schon vor zwei Jahren auf die unhaltbaren Zustände hingewiesen." Dies betreffe Busparkplätze und Toiletten.

Die CDU-Landtagsabgeordnete Nicole Walter-Mundt verteidigte den Antrag ihrer Stadtfraktion. Es brauche endlich konkrete Ergebnisse. "Und das Gedenken wird nicht durch eine andere Besucherführung beschädigt", sagte Nicole Walter-Mundt. Einen Affront könne sie in dem CDU-Antrag jedenfalls nicht sehen. Ministerin Manja Schüle empfahl ihr daraufhin, den Affront doch bitte zur Kenntnis zu nehmen.

Andreas Meyer betonte seinerseits die Einzigartigkeit des ehemaligen Konzentrationslagers. "Sachsenhausen ist ein authentischer und europäischer Ort und ein großer Friedhof. Die Zuwegung spielt keine unwesentliche Rolle. Sie ist wichtig für die Überlebenden und deren Hinterbliebene", sagte Meyer.

Menschen aus der ganzen Welt würden genau beobachten, was in Sachsenhausen geschieht. Deshalb betonte Bürgermeister Alexander Laesicke, dass es für die Gedenkstätte keine Standardlösung gebe. "Wir wollen eine vertrauliche Zusammenarbeit, aber es ist uns leider nicht gelungen, eine gemeinsame Lösung zu finden", gestand Laesicke. Es sei wohl auch ein Fehler gewesen, dass Gedenkstätte und Stadt allein "eine Perspektive für eine Lösung" finden wollten. Er sei mitverantwortlich, das der Druck gestiegen sei und könne deshalb auch das Vorpreschen der Stadtverordneten verstehen. Anwohner Christian Wollank betonte seinerseits, an einer Lösung "im Einklang" interessiert zu sein.

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