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Landwirtschaft
Neuer Eigentümer reißt den Oberhavel Bauernmarkt ab

Klaus D. Grote / 30.05.2020, 06:00 Uhr - Aktualisiert 30.05.2020, 07:30
Schmachtenhagen (MOZ) Die veralteten Gebäude des Oberhavel Bauernmarktes in Schmachtenhagen werden abgerissen. Das hat der Eigentümer Oliver Wandel am Freitag bekanntgegeben. Der Bremer Kaufmann hat mit seiner Landhof Oberhavel GmbH&Co. KG den Bauernmarkt im April übernommen. "Die nun bekanntgewordene Pleite betrifft nur einen von 43 Mietern im Bauernmarkt, nämlich die Brüder Roest", erklärte Wandel.

Er habe viele Ideen für den Bauernmarkt, wolle aber erst prüfen, was davon umsetzbar sei. "Ich möchte nichts ankündigen, was dann nicht kommt", sagt Wandel und spielt damit auf die nie umgesetzten Pläne der früheren Eigentümer Bert Wolthuis und Hendrik Jan Roest an. Sicher sei aber, dass die Gebäude abgerissen werden. "Sie sind technisch veraltet und energetisch unbrauchbar."

Mit dem aus dem Fernsehen und als Erfinder des "Havelländischen Apfelschweins" bekannten Landwirt Peter de Vries aus Schmergow (Potsdam-Mittelmarkt) hat Wandel einen neuen Betreiber für die Milchviehanlage gefunden. De Vries wohnt bereits in Schmachtenhagen. "Ein Bauer muss bei seinem Vieh sein", sagt der 50-Jährige. Er plane eine Direktvermarktung unter der Marke "Havelländische Heumilch". Rewe-Märkte zwischen Berlin-Charlottenburg und Gransee will er direkt beliefern. Schon jetzt gibt es die Milch aus Schmachtenhagen abgepackt und zum Selberzapfen im Bauernmarkt. Dort fährt zu Pfingsten auch wieder die Eierbahn (mit Hygieneregeln).

Bereits vor einem Jahr hatte Oliver Wandel die Roest Agrargesellschaft übernommen und zur Landhof Oberhavel umgewandelt. Wandel beendete die Zusammenarbeit mit Josef Vortallen, dem dadurch nicht mehr die benötigten Flächen für seine geplanten Eierfabriken in Zehlendorf und Wensickendorf zur Verfügung stehen. Vortallen sei nicht mehr da, sagt Wandel. Dennoch liegt der bereits abgelehnte Antrag Vortallens nach einem Widerspruch noch immer zur Entscheidung beim Landesumweltamt.

Peter de Vries sitzt "auf der Maschine" als er anruft. "Wir fahren das Heu für unser Vieh ein", sagt der Landwirt. In Schmergow, südlich der Havel zwischen Brandenburg und Werder gelegen, hält de Vries sein "Havelländisches Wiesenrind". Das direkt vermarktete Fleisch ist prämiert. Von de Vries stammt auch das "Havelländische Apfelschwein". Bald soll "Havelländische Heumilch" auch Schmachtenhagen dazu kommen. Das Futter für die 200 Milchkühe auf dem Bauernmarkt wird in Kürze umgestellt. Peter de Vries verhandelt mit Rewe über die direkte Belieferung von Supermärkten.

Bis es so weit ist, bekommen Besucher des Bauernmarktes die Milch an der Zapfanlage und abgepackt. Auch die anderen Händler verkaufen weiterhin in Schmachtenhagen. Am Pfingstwochenende soll auch die Eierbahn wieder fahren. Doch eine Zukunft hat der Bauernmarkt in seiner jetzigen Form nicht. Der neue Eigentümer Oliver Wandel wird den Mark abreißen. Seine neuen Pläne will er noch im Sommer vorstellen.

Ein moderner Bauernmarkt mit neuem Namen, ein Gewächshaus für Tomaten oder ein Feld mit Solaranlagen – noch scheint vieles möglich. Immerhin wurde die Milchviehanlage mit einem Ausstoß von 4 000 Litern Milch am Tag schon gerettet. Wegen der Molkerei sei er nach Schmachtenhagen gekommen, sagt Peter de Vries. Aktuell bekomme er nur 29 Cent für den Liter Milch. "Das wäre auf Dauer unser Untergang", sagt der Landwirt, der seine Kundschaft für die Direktvermarktung direkt vor der Tür sieht: in Oranienburg, Wandlitz und Berlin.

"Wir holen die Säure aus der Milch", erklärt de Vries. Statt Silage bekommen die Kühe ganzjährig Heu. Das mache die Milch cremiger. "Sie wird nur pasteurisiert und ist besser zu verarbeiten." Qualität sei ihm wichtig. Den Fleischviehhof in Schmergow betreibe er jetzt als Hobby. Schmachtenhagen sei sein neuer Lebensmittelpunkt, sagt Peter de Vries, der vor 23 Jahren aus Cuxhaven ins Havelland zog. Durch ein witzig gemeintes Plakat mit dem Aufdruck "Bauer sucht ’ne Frau" über seinem Antlitz, das er vor fünf Jahren am Berliner Wannsee aufhing, erhielt Peter de Vries hunderte Angebote per E-Mail und Einladungen in verschiedene Fernsehshows, auch bei "Verstehen Sie Spaß?" war er zu Gast. "Das war eine spannende Zeit, in der ich viel gelernt habe", sagt der 50-Jährige, der damals wie heute eine feste Lebenspartnerin hatte und hat.

Keine Massentierhaltung erwünscht

Seine Leidenschaft sei die Landwirtschaft. Morgens früh aufstehen und erst spät abends vom Mähdrescher steigen, Peter de Vries erzählt das nicht klagend sondern begeistert. Er ist ein Bauer, der nicht meckert, nicht mal übers Wetter. Wenn etwas nicht gut läuft, muss es beim nächsten Mal eben besser werden.

Mit dem Bremer Oliver Wandel und dem Cuxhavener Peter de Vries haben in Schmachtenhagen zwei Nordlichter zueinander gefunden, die viel von einander halten. "Das war Zufall", sagt Peter de Vries. Mit Oliver Wandel könnten aber neue Ideen umgesetzt werde. Der Eigentümer der Landhof Oberhavel GmbH&Co. KG hat im vergangenen Sommer die frühere Roest Agrar GmbH und damit die von ihr bewirtschafteten Flächen übernommen. Wandel bekräftigt, dass er an Massentierhaltung nicht interessiert sei. Die Pläne für die Eierproduktion in zwei Großställen mit jeweils 42.000 Hühnern sei mit ihm nicht zu machen. Seine Flächen wären für den Betrieb des Megastalls aber notwendig. Sie müssen für das Ausbringen von Hühnerkot nachgewiesen werden. "Dass passt hier nicht", sagt Oliver Wandel, der sich nun mit den Zukunftsplänen für den Bauernmarkt beschäftigt. "Wir wollen einen Neustart, möglicherweise auch mit einem neuen Namen", sagt der neue Eigentümer. Er möchte die bisherigen Pächter und die Politik an seinen Plänen beteiligen. Doch noch sei es nicht so weit. Der Fleischer und der Bäcker im Markt hätten trotz rückläufiger Besucherzahlen steigende Umsätze. "Weil sie gute Produkte liefern", sagt Wandel. darauf wolle er bauen.

Die Insolvenz der Brüder Roest betreffe die Gastronomie und den Laden im Bauernmarkt. Alle anderen Händler könnten weitermachen. Aus Schmachtenhagen verschwunden ist auch der frühere Bauernmarkt-Chef Bert Wolthuis. Oliver Wandel hat auch dessen Biogasanlage zum 1. März übernommen. Ein Gewinnbringer seien aber weder der Bauernmarkt noch die Biogasanlage gewesen. Deshalb feilt der neue Eigentümer an einem komplett neuen Konzept.

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